Interview

«Imposters»-Hauptdarstellerin Inbar Lavi: 'Ich bin ein totaler Kontrollfreak'

von

Quotenmeter.de sprach mit «Imposters»-Hauptdarstellerin Inbar Lavi über Inspirationen, Karriereziele und ihre Lieblingsserien aus ihrer Kindheit.

Zur Person

  • 1986 in Israel geboren
  • Litt als Kind unter schwerem Asthma und hat viel Zeit vorm Fernseher verbracht
  • Studierte Ballett und Modernen Tanz
  • Zog im Alter von 17 Jahren erst nach New York, dann nach Los Angeles
  • War im Kino unter anderem in «The Last Witch Hunter» zu sehen
  • Spielte Gastrollen in «Entourage», «Ghost Whisperer», «Criminal Minds», «Sons of Anarchy» und «Castle»; feste Rollen in «Underemployed», und «The Last Ship»
  • Ist in «Imposters» in der Hauptrolle einer Heiratsschwindlerin zu sehen, an der nun einige frühere Opfer Rache nehmen wollen
Ich habe über Sie gelesen, dass Sie als Kind sehr viel ferngesehen haben – welche Serien haben Sie damals in Ihrer Entscheidung beeinflusst, Schauspielerin werden zu wollen?
Ich habe als Kind vor allem Sitcoms verschlungen – ich klebte abends von 18 bis 21 Uhr geradezu vor der Mattscheibe. Ich liebte Serien wie «Alle unter einem Dach», «Full House», «Fresh Prince of Bel-Air», «Eine schrecklich nette Familie» und «Herzbube mit zwei Damen». Diese Serien sorgten dafür, dass ich mich in die amerikanische Kultur verliebt habe und sie haben meine frühen Kindheitswünsche geweckt, Schauspielerin zu werden.

Was finden Sie als Schauspielerin schwieriger: Eine Nebenrolle zu spielen und somit die Herausforderung zu haben, aus wenig Material etwas schaffen zu müssen, oder die Hauptrolle zu spielen, und somit zwar viel Material zur Verfügung zu haben, das aber natürlich auch beherrschen zu müssen ...
Oh, interessanter Gedanke … Für mich ist eindeutig das Spielen einer Hauptrolle die größere Herausforderung. Das hat aber nichts damit zu tun, dass es mehr Text zu lernen gibt – es liegt am größeren Druck, dem ich mich somit aussetze. Ich kann zum Beispiel bei «Imposters» einfach nicht anders, als an mich selbst die Erwartung zu setzen, dass ich als Hauptdarstellerin auch sicherstellen muss, dass sich alle im Team wohlfühlen und beim Dreh eine gute Zeit haben. Darüber hinaus bin ich als Hauptdarstellerin zu großem Teil in der Verantwortung, dass die Serie gut wird und habe damit nicht nur für mich selber einen Erfolgsdruck, an mir hängen ja gewissermaßen die Jobs meiner Teammitglieder. Als Nebendarstellerin dagegen ist alles für mich ein gutes Stück entspannter – natürlich will ich, wenn ich eine Nebenrolle habe, mein Bestes geben, jedoch fühle ich nicht die Last des ganzen Projekts auf meinen Schultern.

Es ist immer am besten, auf Augenhöhe zu kollaborieren. Die Entscheidungen der Regie, der Autoren und der Schauspieler sind in der Gestaltung einer Figur zu gleichen Teilen von Bedeutung.
Inbar Lavi
Was würden Sie sagen, wer hat einen größeren Einfluss auf ihre Entscheidungen, wie Sie eine Rolle anlegen: Die Regie oder das Drehbuch – und somit das Autorenteam?
Das klingt vielleicht gewollt-diplomatisch, aber es ist meine Überzeugung: Es ist immer am besten, auf Augenhöhe zu kollaborieren. Die Entscheidungen der Regie, der Autoren und der Schauspieler sind in der Gestaltung einer Figur zu gleichen Teilen von Bedeutung, und daher erzielt man immer dann die besten Ergebnisse, wenn man genau dies berücksichtigt und nicht etwa eine Seite wichtiger nimmt als die anderen.

Haben Sie sich auf ihre Rolle in «Imposters» zudem vorbereitet, indem Sie zur Inspiration einige frühere Filme oder Serien zum Thema Betrügereien angeschaut haben?
Ja, ich habe vor Drehbeginn ein paar Produktionen geschaut, die in eine ähnliche Richtung gehen – dabei blieb für mich persönlich vor allem «Catch Me If You Yan» hängen. Der hat mich in den richtigen Groove für «Imposters» gebracht. Jedoch habe ich für mich entschieden, meine Rolle der Maddie nicht primär als "Con Artist" zu betrachten, also als Betrügerin. Ich wollte sie als Frau anlegen, die in die Rolle zahlreicher anderer Frauen schlüpft. Deswegen habe ich mir zur Vorbereitung einige Dokumentationen über Heiratsschwindel und andere Betrugsdelikte angeschaut, vor allem über Fälle, die von Frauen durchgezogen wurden. Ich wollte somit ein Gefühl für dieses Selbstverständnis entwickeln, dass es in den Augen der Täter keine Schwindeleien sind, sondern das Schlüpfen in immer neue Identitäten. Ich habe zur Vorbereitung auch mit ein paar Betrügerinnen gesprochen – sowie generell mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Frauen, um mich noch besser in andere Typen von Frauen hineinzuversetzen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Sie sich vor dem Hintergrund auf «Ocean's 8» freuen ...
Ohja, auf jeden Fall! Ich kann den Film kaum noch erwarten – das Ensemble besteht aus so vielen Frauen, die auf die eine oder andere Weise ein Vorbild für mich sind, und nun drehen sie auch noch alle zusammen. Und dank «Imposters» bin ich natürlich sehr gespannt, wie diese Ikonen das Thema Gaunerei und Betrug anpacken. Ich glaube, das wird ein riesiges Vergnügen.

Ich produziere derzeit einen Horrorfilm und hoffe, dass dies der Anfang einer Produzentinnenkarriere wird.
Inbar Lavi
Um das Thema 'In andere Rollen schlüpfen' ein wenig umzudeuten: Ich habe das Gefühl, das sehr viele in der Film- und Fernsehbranche den Drang dazu haben, in andere berufliche Rollen zu schlüpfen. Wie sieht es bei Ihnen aus, haben auch Sie den Wunsch, stärker aus der Rolle der Schauspielerin auszubrechen und regelmäßig weitere Aufgaben zu übernehmen?
Absolut! Ich bin ein totaler Kontrollfreak – und als Schauspielerin muss man ja stets sehr viel Kontrolle abgeben. Man bekommt seinen Text, gibt sein Bestes und sieht dann irgendwann, was daraus geworden ist. Und dann liegt ja nicht nur das Endprodukt in anderen Händen, sondern auch das Marketing, der Vertrieb und ähnliches, weshalb man nicht einmal sonderlichen Einfluss darauf hat, wie viele Leute die eigene Arbeit zu sehen bekommen. Darum bin ich daran interessiert, mir ein Standbein als Produzentin aufzubauen, was bedeuten würde, dass ich mehr Einfluss auf solche Elemente habe. Ich produziere derzeit einen Horrorfilm und hoffe, dass dies der Anfang einer Produzentinnenkarriere wird – bitte drücken Sie mir die Daumen!

Und wäre mein Englisch besser, würde ich auch sehr viel mehr schreiben. Ich habe aber einen Schreibpartner, und wir versuchen momentan, eine Serie zu pitchen – ich bin sehr gespannt, ob es uns gelingt. Ich bin außerdem vom Regieführen fasziniert, mal schauen, ich dazu die Gelegenheit erhalte. Vielleicht, wenn wir eine weitere «Imposters»-Staffel bekommen sollten …

Wenn Sie so ungern Kontrolle abgeben, wäre ja das Theater vielleicht eher was für Sie als die Film- und Fernsehbranche – bei einem Ein-Frau-Stück hätten Sie ja die Möglichkeit, alles zu kontrollieren … (lacht)
(lacht) Ja, das stimmt. Aber ich fürchte, das würde mir dann letztlich doch zu viel werden.

Wenn es denn zu einer neuen «Imposters»-Staffel kommen sollte und sie bei einer Folge Regie führen dürften – welche Art von Episode würden Ihnen dann vorschweben?
Gute Frage – die habe ich mir ehrlich gesagt selber noch nicht gestellt. Ich schätze, ich sollte mich zu Beginn nicht überheben, bei meiner Erfahrung wäre ich ja schon sehr dankbar, wenn man mich überhaupt auf den Regiestuhl lassen würde. Vermutlich würde ich mir eine Folge mit sehr vielen Flashbacks wünschen – ich habe schon als Schauspielerin so großen Spaß an den Rückblenden in unserer Serie, und ich fände es sehr spannend, das auch vom Regiestuhl aus zu erleben.

Vielen Dank für das Gespräch – ich drücke die Daumen, dass Ihr Wunsch mit dem Regieführen in Erfüllung geht.

«Imposters» ist ab dem 25. April immer mittwochs ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen bei VOX zu sehen.

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