Die Kino-Kritiker

«Rebecca» – Auf den Spuren von Alfred Hitchcock

von   |  2 Kommentare

Der Streamingdienst Netflix hat eine Neuauflage von «Rebecca» im Programm. Kann die Neuverfilmung mit dem Original mithalten?

Auch 40 Jahre nach dem Tod von Alfred Hitchcock (†80) ist es immer noch riskant, sich mit dem Master of Suspense messen zu wollen. Es gab schon einige Remakes berühmter Hitchcock-Klassiker, von denen heute keiner mehr spricht. Sowohl Gus Van Sants «Psycho»-Neuverfilmung von 1998 als auch der TV-Aufguss von «Das Fenster zum Hof» mit Ex-Superman Christopher Reeve (†52) in der James-Stewart-Rolle gelten als gescheitert.

Wie sollte es da Ben Wheatley («High-Rise») mit seinem Versuch ergehen, «Rebecca» neu zu verfilmen? Der gleichnamige Roman von Daphne Du Maurier (†81) wurde von Hitchcock vor 80 Jahren mit Laurence Olivier (†82) und Joan Fontaine (†96) umgesetzt und zählt sicherlich nicht zu seinen berühmtesten Werken. Das könnte für Wheatley vielleicht von Vorteil sein, wenn so wenige Leute das Original kennen. Wer aber die Schwarzweiß-Version von «Rebecca» aus dem Jahre 1940 gesehen hat, wird gewiss Hitchcock den Vorzug geben.

Eine Romanze mit fatalen Folgen
In Monte Carlo hat der wohlhabende Witwer Maxim de Winter (Armie Hammer) ein Auge auf die Gesellschafterin (Lily James) der affektierten Mrs. Van Hopper (Ann Dowd) geworfen. Sie lässt sich auf seine Annäherungen gern an, sehr zum Missfallen ihrer Arbeitgeberin, die plötzlich ganz schnell abreisen will. Maxim bittet seine Angebetete daher um ihre Hand und zieht mit ihr auf sein herrschaftliches Anwesen an der englischen Küste. Doch auf Manderley herrscht noch immer der Geist von Maxims verstorbener Frau Rebecca, die unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist.

Die neue Mrs. de Winter hat Schwierigkeiten, als solche wahrgenommen zu werden. Besonders die strenge Haushälterin Mrs. Danvers (Kristin Scott Thomas) lässt der neuen Hausherrin spüren, dass sie niemals den Platz der Verstorbenen einnehmen kann. In ihrer Naivität vertraut sie anfangs sogar Mrs. Danvers, ohne zu ahnen, dass diese einen arglistigen Plan verfolgt, um sie wieder loszuwerden.

Warum Remake, wenn das Original so unerreichbar ist?
Man hat sich schon öfters gefragt, warum ein Remake, wenn das Original eigentlich gar nicht zu übertreffen ist. Natürlich wurde Daphne Du Mauriers Schauerroman von 1938 auch schon mehrmals fürs Fernsehen verfilmt. Dass danach kein Hahn mehr kräht, hätte bereits zu bedenken geben müssen, auf einen weiteren Versuch verzichten zu sollen. Aber es gilt auch, dass eine gute Story unzerstörbar ist und es sich anbietet, sie für die nächste Generationen der Zeit entsprechend neu aufzubereiten, zumal Hitchcocks Verfilmung noch in Schwarzweiß gedreht wurde, womit die meisten unter 30-Jährigen heute anscheinend so gar nichts mehr anfangen können.

Dabei liegt darin genau der Reiz des alten Films. Das schwarzweiße Spiel mit Licht und Schatten schafft fast schon automatisch eine schaurige Stimmung - angemessen für das verschleierte Rätsel, das sich um Rebeccas Tod rankt. Aber was wagt Ben Wheatley?

Der Regisseur verzichtet auf den schaurigen Beiklang und spult im ersten Drittel eine schlichte Lovestory, die in sich noch ganz gut funktioniert. Das ist in erster Linie Armie Hammer («Lone Ranger») in seiner Rolle als zweifelnder Dandy und dem glaubwürdigen 1930er-Jahre-Setting verdanken.



Nur ein belangloser Krimi
Sobald der Handlungsort gewechselt wird und wir mit der Protagonistin in dem großen Haus ausharren müssen, bleibt nur noch die Crime Story, wie und warum Rebecca gestorben ist. Das ist ganz schön wenig, um die letzten zwei Drittel über sich ergehen zu lassen. Richtige Spannung will dabei jedoch nicht aufkommen, und selbst eine erstklassische Schauspielerin wie Kristin Scott Thomas («Der englische Patient») als besessene Wirtschafterin ist zum Chargieren verurteilt.

Alles in einem, ist nicht mehr als ein belangloser Krimi herausgekommen, der in der Masse bei Netflix untergekommen ist, weil er im Kino gewiss sowieso keine Chance gehabt hätte. Besser ist es aber, gleich auf den Hitchcock-Film zurückzugreifen (momentan beim Streaming-Anbieter Netzkino verfügbar).

Fazit: Mit Hitchcocks «Rebecca» kann das Remake nicht mithalten. Das 30er-Jahre-Setting ist zwar stimmig, aber es fehlt die mystische Dimension des Originalfilms, die einen auch nach 80 Jahren noch in den Bann zieht.

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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
Montgomery
03.01.2021 13:09 Uhr 1
Der Film wie auch das Musical steht und fällt mit der Rolle der Mrs. Danvers. Bin neugierig, wie Dame Kristin Scott Thomas die Rolle spielt. In Erinnerung an die hervorragenden Kolleginnen wird sie es nicht leicht haben.
Sentinel2003
04.01.2021 05:20 Uhr 2
"Dame" Kristin Scott Thomas??
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