Eine tolle Kulisse in Rumänien, ein eher unverbrauchtes Konzept und der Name Jenke von Wilmsdorff: Eigentlich sprach Vieles für ein sehenswertes Stück Fernsehunterhaltung am späteren Freitagabend. Doch einseitige Challenges und ein arg fußlahmes Erzähltempo ließen schnell Langeweile aufkommen.
Hoffnung macht anfänglich auch noch die Kandidatenauslese, die aus einigen charismatischen Charakteren mit Polarisierungspotenzial besteht: Einem Online-Influencer, einem Kosmetik-Girlie, einem sarkastischen Rocker, einem Biker mit Vorliebe für ein kühles Blondes und eben einem Mustersportler. Und wenngleich die ersten rund 20 Minuten ein wenig schleppend anlaufen, hat man hier noch ein prinzipiell gutes Gefühl, da sich latentes Konflikpotenzial anzubahnen scheint und die kleinen Einspielfilmchen zu den Kandidaten recht stimmig und nicht allzu störend in den restlichen Ablauf eingeflochten werden. Dann begrüßt Jenke die fünf Kandidaten nach einem längeren Fußmarsch in Draculas Burg. Der Ablauf wird erklärt, alles klar, es kann losgehen. Action!
"Das Konzept ist total neu. So etwas hat es in Deutschland noch nie gegeben. Die Sender sind heute vorsichtiger, vor allem, wenn wir über aufwändige Produktionen sprechen. Wir haben in Rumänien gedreht, waren mit einer riesigen Crew vor Ort." Jenke von Wilmsdorff
Zumal vom erhofften Konfliktpotenzial unter den Kandidaten schnell nichts mehr zu sehen ist: Die junge Josephine hat gefühlt vor allem Angst und wird schnell zum eigentlichen Schwachpunkt der Gruppe, von dieser aber mit einer Engelsgeduld durchgeschleppt. Das restliche Quartett macht halt, was geht und wehleidet situationsbedingt mitunter ein wenig, ohne damit aber wirklich anzuecken. Und da bei etwa jedem zweiten Spiel die eine oder andere Leiter im Spiel ist, darf das Küken der Runde regelmäßig seine Leiterphobie und ihre verschiedenen Abstufungen je nach Festigkeit und Beschaffenheit der Trittstufen vortragen. Ach ja, am Ende des Tages kommen sie an einem Camp mitten im Bärengebiet an - beim Wort "Bär" darf Josie kurz mal wieder ängstlich sein, dann werden alle mit einer Trillerpfeife ausgestattet und... Action, jetzt vielleicht? Nein. Man legt sich zur Ruhe und wartet auf den zweiten Tag - die RTL-Zuschauer müssen darauf eine ganze Woche warten. Dann gibts aber bestimmt Action.
Insgesamt ist «Kopfgeld» sicher kein schlechtes Fernsehen. Man merkt ihm schon an, dass da Geld, Mühe und Gedanken hineingesteckt wurden, man aber eine gute Grundidee vielleicht einfach nicht ausreichend zu Ende gedacht hat. So hofft man anfänglich noch auf richtig spannendes Fernsehen, auf so eine Art Dschungelcamp mit mehr Schatzsuchen und ohne Halb-Prominente. Doch letztlich ist das, was dem Publikum da als spannende Challenges dargeboten wird, leider nur vom Spannungsfaktor eines luxuriöseren Hochseilgartens oder einem Kletterparadies in der Outdoor-Variante - und dass die Macher diese Einseitigkeit nicht als problematischen Faktor ihres Projekts erkannt haben, muss man ihnen schon vorwerfen, aller aufkeimenden Eigendynamik der Langeweile zum Trotz. So jedenfalls ist kaum davon auszugehen, dass diese Sendung eine allzu lange Halbwertszeit haben wird - gut möglich, dass sie bereits am kommenden Freitag enden wird.• Comedy Show • Kopfgeld
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Es gibt 2 Kommentare zum Artikel
17.02.2018 01:19 Uhr 1
17.02.2018 18:21 Uhr 2
Also sorry ja, so wie ich das rausgelesen habe, fehlt euch der große Zoff. Ernsthaft muss es immer der große Trash Zoff geben? Kann nicht einmal eine Sendung ohne (Trash) Zoff auskommen?
Und ganz ehrlich, ich fand es schon spannend und hab, ganz ehrlich, an manchen Momenten auch mitgefiebert und die Spannung war auf jeden Fall drin.
Allerdings habe ich auch gedacht die Folgen wären abgeschlossen und das nächste Woche eine andere Gruppe drankommt aber dies ist nicht weiter schlimm.
Nur Jenke ist wirklich verbesserungswürdig, der Kandidatin die Angst vor Leitern hat noch extra Angst vor der Strickleiter zu machen und ihr überhaupt nichts zutrauen sie quasi zum Geld ausgeben "zwingen". So wie sein ganzer Stress mit "bald geht die Sonne unter hopp hopp hopp" Dann hätte Sony einfach weniger für einen Tag eingeplant,wenn man schon solche Kandidaten "einlädt".
Wenigstens mal eine RTL Show die mal ohne Dauerwerbesendung, Trash, Gestreite oder Langeweile auskommt oder von irgendwelchen Teleshopping Tussen etc...