Dagegen war «Battle Royale» für Weicheier – in seiner abstrusen Mischung aus besagtem Survival-Horrorfilm, «John Wick» und «The Office» liefert das Duo aus James Gunn und Greg McLean mit «Das Belko Experiment» ein derb-amüsantes Gore-Fest ab, das die Gemüter spalten wird.
Wer sich von «Das Belko Experiment» eine dieser kultigen Slasher-Komödien der Marke «Severence» erhofft, der könnte von Greg McLeans («Wolf Creek») Regiearbeit fast schon enttäuscht sein. Mit ihren Spleens und Macken, viel Zynismus und dem konsequenten Verfolgen der Murphys Law-These sorgen zwar die Figuren für allerhand bitter böse Situationskomik, doch das unter anderem von Jason Blum («Split») mit produzierte Slasher-Kammerspiel ist tatsächlich ziemlich bitter. Zwar legt der Film die Messlatte für kreative Tötungsmethoden so richtig weit nach oben (wir werfen an dieser Stelle mal solche Begriffe wie Fahrstuhl oder High-Heel in den Raum), doch das die Szenerie in ihrer Ernsthaftigkeit abmildernde Augenzwinkern setzt Gunns Skript nur punktuell ein, damit sich die harten Todessszenen nicht allzu sehr mit dem befreienden Humor beißen. Das muss man mögen und vor allem braucht man für «Das Belko Experiment» starke Nerven – wenn die Angestellten irgendwann total willkürlich im Stile einer kühlen Massenexikutierung erschossen werden, ist der Vergleich zu den Tötungsmethoden aus dem Dritten Reich nicht weit.
Doch auch der kreativste Tod böte dem Zuschauer bloß kurzweiliges Entertainment, gingen einem die Schicksale der vielen verschiedenen Figuren nicht irgendwie zu Herzen. Besonders tiefgründig wird’s in «Das Belko Experiment» erwartungsgemäß nicht; darauf ist der Film aber auch weder angelegt, noch könnten die Erzähler wirklich jedem der zahllosen Charaktere in so kurzer Zeit gerecht werden. Dass man als Zuschauer dennoch für jeden von ihnen mindestens ein Gespür enthält, im besten Fall sogar absolute Sympathie respektive Antipathie empfindet, liegt gleichermaßen an den Darstellerleistungen wie dem Skript, das im Grunde keine Szene ungenutzt lässt, um dem Zuschauer die Befindlichkeiten seiner Figuren näher zu bringen. Nach außen brechen Greg McLean und James Gunn ihre Figurenkonstellation auf die notwendigsten Figurentypen herunter: Da gibt es unter Anderem das frisch verliebte Pärchen, die toughe Einzelgängerin, den an Verschwörungstheorien glaubenden Sonderling und die liebenswerte Büromutti. Gleichzeitig lässt das Skript jedes Ensemblemitglied mindestens einmal so deutlich aus dem angelegten Klischee ausbrechen, dass es nicht viel Zeit braucht, um zu erkennen, dass Gunn jedes einzelne von ihnen eben doch klar als Individuum angelegt hat. Unter Zuhilfenahme von viel Improvisation ist ein ungezwungenes Gefühl von Menschlichkeit allgegenwertig – und so sind einem die Schicksale sämtlicher Belko-Mitarbeiter eben alles andere als egal.
Einer der lustigsten Running Gags, der zugleich auch den Tonfall von «Das Belko Experiment» treffend zusammenfasst, ist das wiederkehrende Moment, wenn die Figuren zu rekapitulieren versuchen, was sie hier bei Belko in den vergangenen Monaten überhaupt so getrieben haben – und weshalb Niemand Dinge hinterfragt hat, die von Anfang an gegen das Arbeitsrecht verstoßen haben. Einzig und allein die gute Bezahlung ließ die Angestellten (von den Figuren nicht näher erläuterte) Aufgaben ausführen, die in ihren Augen entweder keinen Sinn, oder die Grenzen zur Legalität überschritten haben. So positioniert sich «Das Belko Experiment» nicht bloß zu Beginn auch klar als satirischer Kommentar auf die moderne Berufswelt, was die Auflösung des Ganzen später noch unterstreichen wird. Es fällt so auch leichter, das Geschehen zwischen Realismus und Fantasie einzuordnen. Spielten «Die Tribute von Panem» oder «Battle Royale» ganz deutlich in einer dystopischen Zukunft, findet besagtes Experiment hier nämlich in der Gegenwart statt und greift auch bei der Wahl von Waffen und Verteidigungsmaterial nicht auf futuristische Gadgets zurück. 

• Battle Royale • Das Belko Experiment • Dawn of the Dead • Die Tribute von Panem • Guardians of the Galaxy • John Wick • Severence • Slither • Split • Stromberg • Super • The Office • Tromeo und Julia • Wolf Creek
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