Schwerpunkt

Das war 2016: Für den großen Coup brauchte es mal wieder «The Voice»

von

Als durchschnittliches Jahr wird 2016 in die Sat.1-Historie eingehen. Nicht zuletzt deshalb, weil gerade im Herbst doch der ein oder andere Hoffnungsschimmer auftauchte.

Am 7. Oktober 2016 feierte Kaspar Pflüger sein Einjähriges auf dem obersten Chefsessel von Sat.1. Pflüger, der zuvor bei RTL in Kroatien und zwei Jahre als Executive Assistant von Gerhard Zeiler in seiner Zeit als CEO der RTL Group arbeitete und bei seiner Ernennung zum Sat.1-Chef als internationaler TV-Experte, hervorragender Stratege und leidenschaftlicher Programmmacher gepriesen wurde, folgte auf Nicolas Paalzow, der im Herbst 2015 mit zwei großen Vorabend-Flops viel Kredit verspielt hatte. Im September 2015 waren die Sat.1-Marktanteile in der klassischen Zielgruppe auf 9,2 Prozent zurückgegangen – und lagen somit ein gutes Stück vom eigentlichen Ziel, der Zehn-Prozent-Marke, entfernt.

Wie ging’s weiter?


In der Tat konnte Pflüger in den ersten Tagen das Ruder ein Stück weit herumreißen und im Monat Oktober nach größeren Umbauten am Vorabend immerhin 9,5 Prozent Marktanteil erzielen. Der ganz große Turnaround gelang aber auch ihm nicht. Die Baustellen am Vorabend – speziell um 19 Uhr – sind weiterhin nicht behoben. Ein PR-Desaster wie «Newtopia» blieb zwar aus – stattdessen waren mit «Fahndung Deutschland» mitunter sogar ordentliche Ergebnisse drin. Das im September und Oktober getestete Kochformat «Kampf der Köche» war dann aber wieder eine Quotenkatastrophe. Zwischen November 2015 und dem Ende der TV-Saison 2015/2016 kam der Bällchensender maximal auf 9,2 Prozent.

Das neue TV-Jahr eröffnete man im September 2016 dann mit ebenfalls nicht schmeichelhaften 9,1 Prozent. Die «Promi Big Brother»-Staffel, die Pflüger in den September hievte, lief schwächer als zuvor - und bis heute gibt es seitens des Senders noch keine offizielle Bestätigung für eine Fortsetzung im Jahr 2017 (wenngleich diese als sehr wahrscheinlich gilt). Zudem machten der Sonntag- und der Montagabend (dort wurde «Crime Scene Riviera» zu einem der größten Flops des Jahres) gewaltige Sorgen. Pflüger hatte schnell eine Lösung parat: Die neue «The Voice of Germany»-Staffel, die sich Sat.1 wieder mit ProSieben teilte, lief diesmal sonntags, «NCIS» und dessen Kumpanen wichen auf den Montag aus. Während sich die US-Krimis am Tag des Wochenstarts nicht erholten, schaffte «The Voice» das schier nicht für möglich gehaltene. Die Sonntags-Shows erzielten teils über 20 Prozent Marktanteil bei den Umworbenen – Pflüger war also der so dringend benötigte Coup gelungen. Auch deshalb kündigte Sat.1 schnell an, auch ab Januar weiter auf Showware am Sonntag zu setzen. Jochen Schropp bekommt eine Promi-Spielshow und mit der Verpflichtung von Thomas Gottschalk als Host von «Little Big Shots» (das in den USA schon fantastisch läuft) waren dem Bällchensender im Spätherbst Schlagzeilen in der Presse sicher.

An Ideen und neuen Formaten mangelte es dem Sender nicht; eine positive Auswirkung auf die Quoten hatte all das aber nicht. Und so ist Sat.1 auch unter neuem Chef im Jahr 2016 nicht wirklich voran gekommen. Beackert werden müssen somit auch 2017 die altbekannten Felder Vorabend, deutsche Fiction und in Teilen auch das Wochenendprogramm, wo Sat.1 regelmäßig seine Quotenziele von zehn Prozent verfehlt.

Oder anders gesagt: Noch mehr «Auf Streife» kann für 2017 eigentlich keine Option sein.

Kurz-URL: qmde.de/90007
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelMünster-«Tatort» wohl langfristig gesichertnächster Artikel«Undercover Boss» steigert sich und bleibt auf der Spitzenposition
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Optionen

Drucken Merken Leserbrief




E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipp


Surftipps


Werbung