Wir hätten es selbst nicht geglaubt, aber der neueste DreamWorks-Hit «Trolls» kann viel mehr, als es die nervtötenden Trailer ankündigten.
Auf einer Skala zwischen eins und zehn, bei denen ein durch und durch auf kurzweiligen Spaß ausgelegtes Roadmovie-Abenteuer wie «Pets» das untere, und eine kluge, emotional mitreißende und hochkomplex durchdachte Mischung aus Komödie und Drama wie «Alles steht Kopf» das obere Extrem bildet, erscheint ein Film wie «Trolls» wie für das untere Ende prädestiniert. Ein bunter Haufen Kobolde, die den lieben langen Tag damit beschäftigt sind, das Positive auch in den noch so niederschmetternden Momenten zu sehen, böte ein großes Nervpotenzial. Und tatsächlich steht ebendiese einseitig frohsinnige Attitüde der Entwicklung der Atmosphäre ein ums andere Mal im Weg, wenn emotionale Szenen eines schnellen Gags zuliebe einfach abgebrochen werden. Das ist vor allem deshalb so schade, weil der Kern von «Trolls» ein überraschend kluge Botschaft offenbart: Wer oder was legt eigentlich fest, was uns glücklich macht? Die Trolls beschäftigen sich mit dieser Frage überhaupt nicht. Sie sind generell von optimistischer Natur und das vermutlich vor allem deshalb, weil sie genau das nicht tun: hinterfragen. Die Bergens hingegen rennen dem Glück genau so hinterher, wie einst Hector in «Hectors Reise oder Die Suche nach dem Glück» – und wundern sich dann, dass sie es nicht finden.
Unterschwellig ist das alles zwar nicht, aber es reißt mit. Von dem eigentlichen Hauptplot kann man das nicht immer behaupten, wenngleich «Trolls» im Großen und Ganzen als einfach durchschauendes Familienabenteuer funktioniert. Die Gesangseinlagen setzen punktuell starke Akzente (die Wahl, ob man den Originaltitel übersetzt oder in der Originalsprache beibehält, wirkt indes leicht willkürlich) und auch ein Großteil der Gags funktioniert. Spannung kommt dagegen nur selten auf; dazu ist «Trolls» zu sehr als Animationsfilm angelehnt, an dem vor allem die Kleinen ihren Spaß haben sollen. Das führt darüber hinaus zu einem Minimum an Popkulturanspielungen (angenehm) sowie zu einer arg auf die wesentlichen Konfliktpunkte reduzierten Erzählung (weniger angenehm). Gut und Böse sind klar definiert und wenn es dann doch einmal zu einer Bedrohung kommt, wird sie von einem Kommentar oder abrupten Szenenwechseln abgemildert. Ein wenig mehr Mumm hätte «Trolls» an dieser Stelle also gut getan.
Was hingegen so richtig Pepp in den Film bringt, ist die visuelle Aufmachung von «Trolls». Neben Stop-Motion-Tricktechnik, bei der Knetfiguren scheinbar zum Leben erwachen und klassischer CGI-Animation, bekommen wir hier ein aus der bunten Welt der Bastelutensilien entstammende Fantasiereich zu sehen, in denen sich Poppy und ihre Freunde (die dagegen fast ein wenig minimalistisch anmuten) eineinhalb Stunden lang verdiengen dürfen. Glitzer, Filz, Papierbögen oder Moosgummi lassen aus «Trolls» ein kunterbuntes, lebendiges Scrapbook werden, das sich von Szene zu Szene an Kreativität überbietet. Ebenfalls zum guten Gelingen tragen die Sprecher bei. Wenngleich man Ohrwurm-Lieferant Marc Forster hier und da anmerkt, dass er in «Trolls» sein Debüt als Synchronsprecher gibt, gefällt er doch insgesamt als grimmiger Branch. ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landruth wirkt dagegen routinierter und überzeugt mit ihrer optimistischen Attitüde, mit der sie den Film nachhaltig prägt. Die Sprecherleistungen ihrer Kollegen finden sich alle auf einem guten Grundniveau ein, doch da sich die Macher von «Trolls» hauptsächlich auf die beiden Protagonisten beschränken, bekommt der Rest kaum mehr zu tun, als Gag-Stichworte ins Geschehen zu rufen. Trotzdem ist die Besetzung definitiv durchdacht. Lena und Marc mögen vielleicht nicht die geborenen Synchronsprecher sein, doch spätestens wenn sie in einem rührenden Duett Phil Collins‘ „True Colors“ singen und später der Vergleich zu Justin Timberlake und Anna Kendrick gezogen werden kann, stellt man fest, dass man sich hier kein besseres deutsches Pendant hätte wählen können.

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