Wochenquotencheck

Tour de France 2015: Nur noch ein Schatten ihrer selbst

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Vorbei die Zeiten, in denen das Rennen eine Institution im Sommerprogramm der Öffentlich-Rechtlichen war: Mit täglichen Übertragungen reicht’s für die ARD in diesen Tagen nur zu mäßigen Quoten.

Ich freue mich, dass das wichtigste sportliche und gesellschaftliche Ereignis in unserem Nachbarland Frankreich wieder einen angemessenen Platz in unseren Angeboten im Fernsehen, Hörfunk und Online findet. Mit dem Wiedereinstieg in die Tour de France stellen wir eine umfassende Berichterstattung mit Live-Übertragungen sowie auch mit sportpolitisch, kulturell und gesellschaftlich relevanten Themenangeboten in hoher öffentlich-rechtlicher Qualität sicher.
Ulrich Wilhelm, ARD-Sport-Intendant, zur Tour de France
Nach einer dreijährigen Auszeit stieg Das Erste in diesem Jahr wieder in die Übertragung der Tour de France in Teilen mit ein. Das Radrennen zog einst Sommer für Sommer zahlreiche Fans vor die Mattscheiben, verspielte in den letzten Jahren aufgrund anhaltender Doping-Skandale aber viele Sympathien. Wie so oft offenbarte sich dieser Umstand nicht zuletzt in deutlich gesunkenen TV-Quoten. Als 2005 – also vor exakt zehn Jahren – die 92. Tour de France startete, saßen fast dreieinhalb Millionen Zuschauer vor den Fernsehern. Auch die Quoten bei Jung und Alt ließen in keiner Weise zu wünschen übrig: Bei den 14- bis 49-Jährigen sah damals fast jeder Fünfte, beim Gesamtpublikum gar knapp jeder Vierte zu.

Im Jahr 2015 ist vom Glanz einstiger Tage nicht mehr viel übrig geblieben. Die Tour de France wirkt nur noch wie ein Schatten ihrer selbst. So verfolgten Live-Bilder der 1. Etappe am vergangenen Samstag ab 16.25 Uhr gerade einmal 1,30 Millionen Menschen. Dank der rekordverdächtigen Temperaturen reichte dieser niedrige Wert zumindest für einen soliden Marktanteil von 10,5 Prozent bei allen. Bei den 14- bis 49-Jährigen ergab sich ein ähnliches Bild: Mit 0,23 Millionen Interessierten und 5,8 Prozent riss man zwar keine Bäume aus, legte aber immerhin keinen Fehlstart hin. Ärgerlich nur, dass Das Erste schon am Sonntag in die Einstelligkeit abrutschte:

Die 2. Etappe, übertragen ab 14.55 Uhr, kam auf 8,8 Prozent Marktanteil bei ähnlichen 1,33 Millionen Zuschauern. Ein weiteres großes Stück nach unten ging es am Montag, als die dritte Etappe ab 16.10 Uhr nur auf 0,81 Millionen Interessierte gelangte. Das führte bei allen zu einem deutlich zu schlechten Marktanteil von 7,7 Prozent. Ähnlich weit entfernt vom Senderschnitt war man bei den 14- bis 49-Jährigen, wo mickrige 0,13 Millionen Interessenten schwache 4,2 Prozent einbrachten.

Immerhin gelang es nach dem schwachen Montag in den Folgetagen etwas zuzulegen – und zudem durchgängig konstante Werte einzufahren. So sahen zwischen Dienstag und Donnerstag die Etappen vier bis sechs jeweils zwischen 1,06 und 1,09 Millionen Zuschauer. Das ging bei allen mit Marktanteilen von 9,3 bzw. 9,2 Prozent einher – keine wirklich erfreulichen, aber immerhin stabile Werte. Größere Schwankungen zeigten sich beim jungen Publikum, wo es am Dienstag nur zu 3,9, am Mittwoch aber zu 6,1 Prozent reichte. Am Donnerstag ging es auf 5,9 Prozent leicht bergab, was zwar einem soliden, längst aber keinem außergewöhnlich guten Ergebnis entsprach. Zum Abschluss der Woche lief es mit 0,95 Millionen Zuschauern aus Reichweitensicht schlechter, dafür zog der Marktanteil leicht auf 9,5 Prozent an.

Quoten von mehr als 20 Prozent bei allen und zweistellige Werte bei den 14- bis 49-Jährigen: Von derartigen Ergebnissen hat man sich deutlich entfernt. Schon vor dem Ausstieg von ARD und ZDF vor einigen Jahren lief es für die Tour de France längst nur noch mäßig – und das vorläufige Ende der dreijährigen Pause konnte jetzt offenbar zu keinem Interesse-Schub beitragen. Dass der deutsche Fahrer Tony Martin wegen eines Sturzes am Donnerstag aus dem Rennen ist, dürfte die Sache zudem nicht leichter machen.

Es ist richtig: Bei Eurosport, das der Tour de France in all den Jahren treu geblieben ist, war das Radrennen stets ein großer Erfolg – hatte zum Erlangen dieses Status aber nur deutlich geringere Quoteneinzufahren. Für die Ansprüche des Ersten reichen die Quoten der Tour de France eigentlich kaum noch...
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Spätestens seit der Doping-Skandale reizt es mich nicht mehr.
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