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‚Es liegt an der formalen Umsetzung‘ – Wie geht’s weiter mit «Lena»?

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Die Quoten sind im Keller. Erste Änderungen wurden beschlossen. Was das ZDF unternehmen will, um die Zuschauerzahlen von «Lena» anzukurbeln.

Einige mögen die aktuellen Zuschauerzahlen der neuen ZDF-Telenovela «Lena – Liebe meines Lebens» mit ein wenig Schadenfreude betrachten. Beispielsweise die Verantwortlich von Grundy Ufa, die im Sommer nach sieben Jahren keinen Zuschlag mehr für eine neue Staffel einer Telenovela bekommen haben. Stattdessen darf sich nun Wiedemann & Berg TV an der täglichen Serie probieren und hat damit durchaus Probleme. Kurzum: Die Quoten sind schlecht wie noch nie und auch die Gesamtzuschauerzahlen sind im Vergleich zu «Alisa» und «Hanna» noch einmal deutlich gesunken.

Klar, dass im Flurfunk erste Gerüchte über eine frühzeitige Absetzung im Frühjahr herumgeistern, zumal das ZDF vor wenigen Wochen die Produktion einer neuen Daily namens «Herzflimmern» aufgenommen hat. Ein Sendeplatz für das neue Format wurde noch nicht gefunden. In Mainz wird man sich die «Lena»-Quoten der kommenden Wochen nun ganz genau anschauen – kürzlich wurden inhaltiche Optimierungen beschlossen, die dazu führen sollen, das Format wieder in Quotenhöhen zu hieven, die man von Grundy Ufa-Produktionen gewohnt war.

„Wir verlangsamen die Erzählstruktur etwas und schaffen dadurch Raum für stärker charakterorientiertes Erzählen. Außerdem entzerren wir die anfängliche Konfliktdichte und geben dem Versöhnlichen, den harmonischen Momenten, mehr Platz“, sagt die für Telenovelas beim ZDF verantwortliche Redakteurin Monika Schmid im Interview mit Quotenmeter.de. Die Großaufnahmen – in Argentinien durchaus üblich, hierzulande eher ungewohnt – würden künftig fokussierter eingesetzt. Erstaunlich ist auch, dass Schmid indirekt zugibt, dass die ersten Episoden nicht gerade sonderlich „wertig“ aussahen. Spekulationen über ein äußerst geringes Budget machten auch deshalb die Runde.

Einzelne Schauplätze sollen nun wertiger aussehen, heißt es aus Mainz. Für Schmid steht fest, dass es nicht am Inhalt liegt, sondern an der formellen Umsetzung – konkret also am Tempo und an der Erzähldichte. „Es kristallisiert sich heraus, dass die Zielgruppe der ab 30jährigen sich mehr und mehr angesprochen fühlt und dass gleichzeitig die über 50-jährigen mit der Erzählstruktur Probleme haben, weil sie Telenovela mit einer sehr langsamen Erzählweise verbinden“, erklärt sie. In den Quoten ist dies aber noch nicht abzulesen. Bei den 14- bis 49-Jährigen sind die Werte keinesfalls besser als zuvor bei der Grundy Ufa-Produktion «Hanna».

Ab 2011 würden Veränderungen, die auf den gewonnenen Erkenntnissen fußen, auf dem Bildschirm erkennbar sein. Eine Zusage, dass wirklich alle 240 einst bestellten Episoden ausgestrahlt werden, wollte Schmid nicht geben. „Natürlich wird die Entwicklung kontinuierlich beobachtet, während wir gleichzeitig - die Herstellungsbedingungen einer Telenovela erfordern das – ein Verlängerungskonzept diskutieren“, erklärte sie.

Schmid wollte allerdings auch betonen, dass Startschwierigkeiten von Telenovelas durchaus üblich sind. Man wisse, dass ein Dachmarkenwechsel immer eine Herausforderung für das deutsche Publikum sei. „Die Zuschauer verlieren ihre geliebten Serienfiguren wie Nachbarn, an die sie sich gewöhnt haben und die nun wegzogen sind. Dieser Verlust löst Trauer aus, sie brauchen Zeit, die Neuen kennen zu lernen und sich an sie zu gewöhnen“, so Schmid. Zuversicht gewinne sie, weil die Marktforschung sage, dass «Lena» generell gefalle. Schauspieler seien beliebt und auch das Liebespaar würde positiv bewertet.

Nur spiegelt sich das in den Zuschauerzahlen eben nicht wieder. Diese gingen nach dem Start eher nach unten – und auch in dieser Woche gab es erneut einstellige Marktanteile. Es ist schlicht das Problem einer täglichen Serie, dass man wegen des langen Vorlaufs ein Schiff, das falschen Gewässern entgegen steuert, nur langsam zum Umkehren bewegen kann. Der Januar 2011 wird wichtig für «Lena – Liebe meines Lebens», denn spätestens dann muss die Trendwende auch am Morgen auf dem Papier zu erkennen sein.

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