TV und so

Michael Jackson lebt!

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Wieder geht es in die TV-Kneipe, wo die unglaublichsten Mediengerüchte erzählt werden.

Schon vor einigen Monaten hatte ich diesen Traum. Diesen Traum, der so real und doch gleichzeitig völlig unwirklich erschien und welcher mich des Morgens an meinem sonst so klaren Verstand zweifeln ließ. Damals träumte ich, dass Oliver Pocher plötzlich wieder lustig sei, man eine Sitcom namens «Two and a Half Women» produziert und Gottschalk mit fast 80 Jahren endlich in Rente geht. Ich konnte damals nicht einordnen, in welche whiskygetränkte und von Zigarrenqualm verruchte Kneipe mich die verwinkelten Synapsen meines Hirns geführt hatten. Nun hatte ich wieder diesen Traum, in dem ich die Berliner TV-Szenekneipe mit dem schwerfälligen Namen BertelsmannSat.1 Media AG Group betrat – in leiser Ahnung, dass ich wieder beobachten können würde, welche neuen Sendungen demnächst die Bildschirme heimsuchen.

Ich erkenne Dieter Bohlen in meinem Traum, wie er gemeinsam mit Sylvie van der Vaart und Bruce Darnell den Barkeeper abfertigt und meint, dass die Zuschauer nie für ihn anrufen würden, wenn er jetzt nicht schleunigst bessere Drinks mischt. Man munkelt, dass die drei schon für ihr nächstes Projekt «Deutschland sucht den Supermixer» üben, das nach «Deutschland sucht die Superjury» und «Deutschland sucht die Super-Castingshow» der nächste große Erfolg werden soll. Doch an der Bar nimmt keiner die drei Gestalten ernst, niemand interessiert sich für ihre Kommentare. Ich meine sogar aus den Augenwinkeln beobachtet zu haben, dass der Barkeeper dem Bohlen einen ganz speziell gemixten Drink verabreicht haben soll, während dieser das Glas kurz aus den Augen verlor.

Demnächst soll im Fernsehen auch Michael Jackson wieder zu sehen sein: In den vergangenen Monaten konnte die Mediendiktatur in allen Zeitungen, Fernsehsendungen und auch online der Bevölkerung glaubhaft vermitteln, dass der King of Pop doch nicht gestorben sei und sich jahrelang unter einem Pseudonym versteckt hielt – der vermeintliche Tod steigerte sein Image dann so enorm, dass er nach Jahren der Anonymität wieder als er selbst an die Öffentlichkeit treten konnte. Ich glaube das zwar alles nicht, aber demnächst will ein Sender ihn zusammen mit Elvis, John Lennon und Jimi Hendrix in einer Sitcom zeigen, die den Arbeitstitel «Ein Haus voller Töchter» trägt.

Mein iPadPod klingelt und am Telefon begrüßt mich Thomas Gottschalk. Ich weiß zwar nicht, wie er an meine Nummer gekommen ist und auch nicht, was er von mir will, aber in Zeiten von Google SuperDuperView ist der Mensch ja nur noch eine transparente Hülle seiner selbst geworden. Thomas meint, er hätte sich vor einigen Wochen mit mir über seinen Abschied bei «Wetten, dass..?» unterhalten – nun erinnerte ich mich schwach an das Gespräch mit ihm, das in meiner vernebelten Erinnerung plötzlich wieder klarer wurde. Ich musste damals ziemlich viel Orangensaft getrunken haben. Jedenfalls meinte Thomas, dass er es sich jetzt doch anders überlegt hätte. Er will nochmal mit dem ZDF verhandeln und einen Zehn-Jahresvertrag unterschreiben, sodass er die Show bis zu seinem 90. Geburtstag machen kann. Sein alter Freund Jopi Heesters hätte ihn dazu ermutigt, der in der vergangenen «Wetten, dass..?»-Show mit 126 Jahren seinen Bühnenabschied gefeiert hatte. Mir wurde schwummerig, ich schrie voller Verzweiflung ins iPadPop und wachte aus diesem Traum auf. Der Spuk war vorbei, hoffentlich diesmal endgültig…

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