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«Rach»: Das Spektakuläre am Unspektakulären

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Wieder rettet Sternekoch Christian Rach heruntergekommene Restaurants vor dem Ruin. Quotenmeter-Redakteur Christian Richter sah die erste, neue Ausgabe.

Foto: RTLWie macht RTL das immer nur? Belanglose Handlungen derart in Szene setzen zu lassen, dass man eine ganze Stunde vor dem Fernseher gebannt sitzen bleibt. Eine solche Meisterleistung ist mit dem Start der neuen Folgen von «Rach – Der Restauranttester» erneut gelungen.

Die nunmehr dritte Staffel knüpfte nahtlos an die bisherigen Folgen an. Wieder überraschte der Hamburger Sternekoch Christian Rach ein heruntergekommenes Restaurant und versuchte es innerhalb einer Woche auf den richtigen Kurs zu bringen. Zum ersten Mal befand sich das Restaurant allerdings nicht auf deutschem Grund und Boden, sondern auf der Ferieninsel Mallorca.

Dort führte die gelernte Hotelfachfrau Viola das Restaurant „Bärenhaus - Casa del Oso“ in Alleinregie. Ein typischer Fall für den Restauranttester: Geschmacklose Deko, dreckige Küche und überwürzte Hausfrauenkost. Es wurde alles frittiert, was nicht durch die Pilzkulturen von selbst aus der Küche rennen konnte. Nach einer Woche mit dem Restauranttester feierte die Inhaberin erfolgreiche Wiedereröffnung ihrer Gaststätte und konnte sich über zahlreiche neue Gäste freuen.




Doch was genau passiert in der Woche? Viel ist es nicht. Am ersten Tag traf Christan Rach zum ersten Mal seine neuen Probanten und probierte sich einmal durch deren Speisekarte. Am zweiten Tag bestaunte er lediglich die Gestaltung des Restaurants und verschwand nach der Vergabe einiger Aufgaben schnell wieder. Der Strand von Mallorca und das gute Wetter waren wohl doch zu verlockend. Auch am dritten und vierten Tag geschah nicht viel mehr, als dass die Küche geputzt wurde. Erst am Tag der geplanten Wiedereröffnung kam endlich Leben in die Küche. Viola wurde aus der eigenen Küche verbannt und ein neuer Koch aus Rachs eigener Ausbildung übernahm fortan die Zubereitung der Speisen. Auf der Terrasse wurden ein paar neue Sonnenschirme aufgestellt und die unzähligen Plüschteddys, die dem Restaurant seinen Namen gegeben haben, verschwanden in einer Ecke. Das war’s. Und plötzlich brummte der Laden.

Betrachtet man sich eine Folge rückwirkend ist wirklich nicht viel passiert. Das gezeigte dürfte eigentlich für einen kurzen Bericht in einem Magazin reichen, doch trotzdem langweilt man sich in den 60 Minuten Sendezeit nicht. Das ist eben die Kunst, Banales so zu inszenieren, dass man sich dem nicht entziehen kann. Das Geheimnis liegt in einer ständigen Wiederholung der wichtigen Schlüsselszenen und im Aufblasen von Kleinigkeiten. Das Verrücken eines alten Holzbären kann auf diese Art fünf Minuten Sendezeit einnehmen.

Dabei spielt sicher die resolute, aber doch sympathische Art von Christian Rach eine große Rolle, der immer wieder die gleichen Sätze in die Kamera spricht. Man hätte mitzählen sollen, wie oft die Formulierung „alte Zöpfe abschneiden“ gefallen ist. Doch ist es immer wieder unterhaltsam, wenn er sich kurz vorm Ausrasten gerade noch beherrschen kann.

Irgendwie scheint bei dieser Show jeder gewonnen zu haben. Rach wurde als Retter bestätigt, RTL um ein paar hohe Marktanteile reicher und Violas Bärenhaus konnte vor der Pleite bewahrt werden. Nur der neue Koch war zu bemitleiden, da er allein in der Rumpelkammer mit der miesepetrigen Viola zurückgelassen wurde. Die Berufsaussichten nach der Ausbildung bei einem der besten und bekanntesten Köche Deutschlands hatte er sich bestimmt auch anders vorgestellt. Doch lange würde er diese Position nicht aushalten müssen.

Bei einem erneuten Besuch zeigte sich ein ernüchterndes Bild. Der Koch hatte das Handtuch geworfen, die Küche war wieder dreckig und Viola servierte weiterhin ihre frittierte Hausmannskost. Lediglich die roten Sonnenschirme waren geblieben. Eine Niederlage für Rach!

Und das war wirklich neu an der ersten Folge der dritten Staffel. Die Coachingformate wie «Supernanny» oder «Raus und den Schulden» zeichnen sich vor allem darin aus, dass egal wie aussichtslos die Lage auch sein mag, am Ende immer ein Happy End zurechtgeschummelt werden kann. Dass ein Coach sein Ziel nicht dauerhaft erreichen kann, war erfrischend neu.

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