Interview

Clelia Sarto: ‚Motte lässt sich von Konventionen und Dünkel nicht beeindrucken‘

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In der neuen Folge von «Die Diplomatin» ermittelt Clelia Sarto an der Seite von Natalia Wörner im internationalen Handel mit Kulturgütern. Im Interview spricht sie über zwei grundverschiedene Frauen, politische Interessen, den Drehort Rom und die wirtschaftliche Seite archäologischer Schätze.

Frau Sarto, Sie spielen in «Die Diplomatin» mit Commissario Ricarda Motte eine Ermittlerin, die gemeinsam mit der deutschen Botschafterin Karla Lorenz einen ungewöhnlichen Fall löst. Was hat Sie an dieser Figur besonders gereizt?
Was mich an Motte reizt ist, dass sie keine klassische Kommissarin ist. Sie ist direkt, hartnäckig und verlässt sich auf ihren Instinkt, muss aber gleichzeitig in einem diplomatischen Umfeld agieren, in dem nicht immer alles schwarz oder weiß ist. Gerade dieses Spannungsfeld zwischen kriminalistischer Ermittlungsarbeit und politischen Interessen macht die Figur so spannend. Außerdem hat sie es in der Zusammenarbeit mit der Botschafterin Karla Lorenz mit einer absoluten Herausforderung zu tun – zwei sehr unterschiedliche Frauen, die lernen müssen, einander zu vertrauen und ihre jeweiligen Stärken einzubringen. Das sorgt nicht nur für Spannung, sondern auch für interessante zwischenmenschliche Momente.

Ricarda Motte und Karla Lorenz verfolgen zwar dasselbe Ziel, kommen aber aus völlig unterschiedlichen Welten. Wie würden Sie die Dynamik zwischen den beiden Frauen beschreiben?
Motte und Karla Lorenz könnten kaum unterschiedlicher sein: Motte kommt von der Strasse, denkt als Ermittlerin pragmatisch und direkt - Karla bewegt sich in der Welt der Diplomatie, in der Fingerspitzengefühl und strategisches Handeln gefragt sind. Gerade diese Gegensätze machen ihre Zusammenarbeit so spannend. Beide müssen lernen, die Perspektive der anderen zu verstehen und zu akzeptieren, dass es oft mehrere Wege zum Ziel gibt. Es ist ihr gemeinsamer Wille, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie handeln aus Überzeugung, haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und sind bereit, für ihre Ziele auch unbequeme Entscheidungen zu treffen.

Im Mittelpunkt des Films stehen archäologische Funde, Kulturgüter und internationaler Kunsthandel – Themen, die man nicht in jedem Krimi sieht. Was macht diesen Fall für Sie besonders?
Genau diese Ungewöhnlichkeit, fand ich besonders spannend. Dieses Umfeld eröffnet eine ganz eigene Welt, in der Geschichte, Kultur, Politik und wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen. Das verleiht der Geschichte eine besondere Atmosphäre und zeigt, dass hinter solchen Objekten oft weit mehr steckt als ihr materieller Wert.

Der Film verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit diplomatischen Verhandlungen. Wie spannend war es, Teil einer Krimigeschichte zu sein, die weit über einen gewöhnlichen Mordfall hinausgeht?
Was mich wahnsinnig gereizt hat war, dass es nicht nur darum geht, einen Fall aufzuklären, sondern auch um politische Zusammenhänge, internationale Beziehungen und unterschiedliche Interessen, die ständig miteinander abgewogen werden müssen. Dadurch bekommt die Geschichte eine zusätzliche Ebene und wir als Figuren stehen immer wieder vor schwierigen Entscheidungen. Diese Mischung aus Spannung, Diplomatie und klassischer Ermittlungsarbeit macht den Film außergewöhnlich und sorgt dafür, dass der Fall bis zum Schluss komplex und überraschend bleibt.

Gedreht wurde an beeindruckenden Schauplätzen in Rom. Welche Bedeutung hatte die Stadt für die Atmosphäre des Films?
Rom ist ein Traum, aus dem man nicht erwachen will! Die Stadt brodelt buchstäblich an allen Ecken vor Lebendigkeit, Eleganz und Geschichte. Und gerade bei einem Fall, in dem es um archäologische Funde und Kulturgüter geht, bekommt die Geschichte durch die historischen Schauplätze eine ganz besondere Glaubwürdigkeit und Tiefe. Im krassen Gegensatz dazu steht das moderne, internationale Rom. Ich glaube, es ist genau diese Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart, die dem Film für mich eine ganz besondere Atmosphäre gibt.

Mit Natalia Wörner verbindet Sie im Film eine enge Zusammenarbeit. Wie haben Sie das gemeinsame Spiel erlebt?
Natalia ist nicht nur eine wundervolle Frau, sondern auch eine bereichernde und sehr spielfreudige Kollegin. Da wir uns auch hinter der Kamera prächtig verstanden haben fiel es uns sehr leicht, unseren Figuren, die aus so unterschiedlichen Welten kommen im Spiel ganz natürlich entstehen zu lassen. Ich finde, man spürt diese Mischung aus Reibung, Respekt und zunehmender Verbundenheit auch zwischen den Figuren – und genau das hat die Zusammenarbeit für mich besonders gemacht.

Ricarda Motte wirkt pragmatisch und entschlossen. Was schätzen Sie persönlich an ihrer Art, Fälle anzugehen?
Motte ist keine Frau, die sich von Konventionen und Dünkel beeindrucken lässt und von ihrem Weg schon mal gar nicht. Sie ist pragmatisch, beobachtet genau und vertraut auf ihre Erfahrung und ihren Instinkt. Dabei verliert sie sich nicht in unnötigen Umwegen, sondern versucht, Dinge direkt anzupacken. Und dennoch steckt hinter dieser Entschlossenheit auch eine sehr menschliche Seite. Ich mag diese Mischung aus Klarheit, Beharrlichkeit und Intuition einfach sehr!

Die Geschichte zeigt, dass kulturelles Erbe nicht nur historischen, sondern auch enormen wirtschaftlichen Wert besitzt. Hat Sie die Recherche zu diesem Thema überrascht?
Absolut! Natürlich war mir bewusst, welchen historischen und kulturellen Wert solche Funde haben. Aber bei meiner Recherche wurde noch einmal deutlich, welche enormen wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen können und wie eng Kultur, Politik und internationaler Kunsthandel miteinander verbunden sind. Dieses Thema wurde in der Vergangenheit immer wieder und zu Recht auf ganz unterschiedlichen Ebenen diskutiert. Und auch heute gibt es noch einen großen Bedarf an Wiedergutmachung, an der Übernahme von Verantwortung und an einem offenen öffentlichen Diskurs. Der Schutz kulturellen Erbes ist wichtig – denn es geht nicht nur um wertvolle Gegenstände, sondern um Geschichte und Identität, die nicht einfach zur Ware werden sollten.

Regisseurin Anna-Katharina Maier erzählt den Film als Mischung aus Politthriller, Krimi und Abenteuer. Wie haben Sie ihre Arbeitsweise während der Dreharbeiten erlebt?
All diese Elemente miteinander zu verbinden und gleichzeitig die Menschen - „das Menschliche“, nicht außer Acht zu lassen, hat Anna-Katharina Maier ganz bravourös gemeistert. Sie ist eine hoch konzentrierte und gleichzeitig offene und humorvolle Regisseurin. Sie hatte eine sehr klare Vorstellung davon, welche Atmosphäre und Spannung der Film braucht, hat uns Schauspieler*innen aber immer den Raum gegeben, eigene Impulse einzubringen. Ich habe ihre Arbeitsweise als sehr präzise, kreativ und vertrauensvoll erlebt – und genau diese Mischung hat meiner Meinung nach viel dazu beigetragen, dass der Film seine besondere Tonalität bekommen hat.

«Die Diplomatin» gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Reihen im Ersten. Was macht das Format aus Ihrer Sicht so langlebig und beliebt?
Ich glaube, die Reihe verbindet spannende Geschichten mit relevanten politischen und gesellschaftlichen Themen – und hat mit Karla Lorenz eine starke, vielschichtige Hauptfigur. Gleichzeitig ist jede Folge anders und eröffnet eine neue Welt. Ich glaube, es ist genau diese Mischung aus Vertrautheit, Spannung und immer neuen Fällen die das Format so beliebt und erfolgreich macht.

Danke für Ihre Zeit!

«Die Diplomatin» ist am Samstag, 29. August, um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen. Im Anschluss ist die UFA Fiction-Produktion in der ARD Mediathek abrufbar.

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