Palmen, türkisblaues Wasser, karibische Sonne und ein Mord pro Woche. Kaum eine Fernsehserie hat aus dieser unwahrscheinlichen Kombination ein derart erfolgreiches Konzept gemacht wie «Death in Paradise». Seit mehr als einem Jahrzehnt gehört die BBC-Produktion zu jenen Formaten, die zuverlässig ihr Publikum finden – in Großbritannien ebenso wie in Deutschland. Man weiß ziemlich genau, was einen erwartet: ein rätselhaftes Verbrechen, ein exzentrischer Ermittler, skurrile Nebenfiguren und am Ende eine elegante Auflösung, bei der alle Verdächtigen versammelt werden. Das Problem ist nur, dass sich die Serie inzwischen so sehr auf diese Formel verlässt, dass sie darüber fast vergessen hat, Geschichten zu erzählen.Dabei war «Death in Paradise» einmal eine ziemlich erfrischende Idee. Als die Serie 2011 startete, lag ihr Reiz gerade im Kontrast zwischen britischer Krimitradition und karibischer Leichtigkeit. Der steife Inspector Richard Poole, grandios gespielt von Ben Miller, wirkte wie ein Fremdkörper in der entspannten Welt der fiktiven Insel Saint Marie. Aus diesem Kulturkonflikt entwickelte die Serie einen feinen Humor, der weit über bloße Krimirätsel hinausging. Richard Pooles Abneigung gegen Hitze, Sand und tropische Lebensfreude war mehr als ein Running Gag – sie verlieh der Serie eine eigenständige Identität.
Doch genau diese Identität ist im Laufe der Jahre zunehmend verwässert worden. Dabei hat «Death in Paradise» den Wechsel seiner Hauptdarsteller erstaunlich gut überstanden. Weder Kris Marshall noch Ardal O'Hanlon oder nun eben Ralf Little lieferten schlechte Leistungen ab. Jeder brachte eigene Nuancen mit. Das eigentliche Problem liegt tiefer: Die Figuren unterscheiden sich zwar oberflächlich, erfüllen aber letztlich immer dieselbe dramaturgische Funktion. Die Serie tauscht Gesichter aus, ohne ihre Erzählweise an den Lauf der Zeit anzupassen.
Das führt dazu, dass gerade die neueren Folgen inzwischen erstaunlich austauschbar wirken. Ein Mord geschieht unter scheinbar unmöglichen Umständen. Eine Handvoll Personen gerät unter Verdacht. Es gibt falsche Fährten, ein paar humorvolle Zwischenszenen auf der Polizeiwache und schließlich den obligatorischen Moment, in dem alle Verdächtigen zusammengerufen werden und der Ermittler den Fall minutiös rekonstruiert. Diese Struktur war anfangs elegant, wenn auch so innovativ wie ein Agatha-Christie-Roman. Doch nach weit über hundert Episoden wirkt sie zunehmend wie ein Ritual, dessen einzelne Schritte man längst auswendig kennt.Das muss nicht heißen, dass die Serie keinen nennenswerten Unterhaltungswert mehr besitzt. Denn wer genau das sucht, was «Death in Paradise» seit Jahren anbietet, wird vermutlich auch weiterhin auf seine Kosten kommen. Das Format ist angenehm unblutig, humorvoll und leicht konsumierbar. Und doch liegen genau darin seine Grenzen. Denn während andere langlebige Krimiserien im Laufe der Jahre versucht haben, ihre Figuren weiterzuentwickeln oder erzählerisch neue Wege einzuschlagen, scheint «Death in Paradise» jede Veränderung zu fürchten. Selbst große Einschnitte – neue Ermittler, neue Teammitglieder oder private Weiterentwicklungen – verändern letztlich erstaunlich wenig am Grundprinzip. Die Serie konserviert ihren eigenen Erfolg, statt ihn weiterzuentwickeln. Vielleicht erklärt genau das ihre anhaltende Popularität. Aber paradiesische Zustände würde man sich anders vorstellen.
Neue Folgen von «Death in Paradise» werden am Freitag, den 26. Juni um 20.15 Uhr bei ZDFneo ausgestrahlt.







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