The Boroughs
USA 2025Showrunner: Jeffrey Addiss, Will Matthews
Anzahl der Episoden: 8 Episoden (Laufzeit: ca. 42 bis 58 Minuten)
Besetzung: Alfred Molina, Bill Pullman, Geena Davis, Alfre Woodard, Denis O’Hare, Clarke Peters, Carlos Miranda, Seth Numrich, Alice Kremelberg, Jane Kaczmarek. Kamera: John Conroy; Stephan Pehrsson; Musik: Michael Stein; Kyle Dixon; Schnitt: Kevin Ross; Nat Fuller; Produktion: Matt Duffer; Ross Duffer; Hilary Leavitt; Jeffrey Addiss; Will Matthews; Ben Karlin
Die Handlung
Sam Cooper (Alfred Molina) hat seine Frau Lilly plötzlich verloren. Er stand in der Küche, hat das Abendessen vorbereitet, Lilly hat gepuzzelt. Minuten später stirbt sie an einem schweren Schlaganfall in seinen Armen. Der Umzug in die Siedlung The Boroughs war bereits vorbereitet. Doch ohne Lilly? Sam ist ein schwieriger Mensch. Meinungsstark, vor allem aber jemand, der sich nichts vorschreiben lässt. Anderen Menschen begegnet er eher auf Distanz. Entsprechend wenig begeistert ist er, als sein neuer Nachbar Jack Willard (Bill Pullman) in sein Leben und praktisch in sein Haus stolpert. Jemand muss den Neuen ja in Empfang nehmen, also schickt man Jack vor. Der war früher Wetteransager eines lokalen TV-Senders und ist bis heute ein Kommunikations-Ass. Nicht nur liebt er sein Dasein als allseits bekannter Witwentröster, er wickelt Sam mit seinem seltsamen Charme so geschickt ein, dass dieser eine Einladung zu einem Barbecue zumindest nicht direkt ausschlägt.
Dort lernt Sam Jacks kleine Gemeinschaft kennen. Da ist Renee Joyce (Geena Davis), die ihr jugendliches Äußeres durchaus strategisch einzusetzen weiß und ein Auge auf den jungen Wachmann Paz (Carlos Miranda) geworfen hat. Judy Daniels (Alfre Woodard) war einst eine erfolgreiche Journalistin aus der zweiten Reihe und lebt seit Jahren in einer offenen Ehe mit ihrem Ehemann Art (Clarke Peters) – einem in die Jahre gekommenen Poeten und Musiker, oder zumindest etwas in dieser Richtung. Man weiß es nicht so genau. Ein netter Kerl ist er allemal, der es im Alter genießt, einfach in Ruhe und ohne Ermahnungen kiffen zu können.Schließlich ist da noch der ehemalige Arzt Wally (Denis O’Hare), Renees bester (schwuler) Freund und Vertrauter. Mit Anfang 60 ist er der mit Abstand Jüngste der Gruppe, zugleich aber ist er auch schwer krank. Er leidet an einer Form von Prostatakrebs, die nicht heilbar ist. Wally nimmt sein Schicksal an. Es ist, wie es ist.
Als Judy sich beim Barbecue an einem Stück Fleisch verschluckt und beinahe erstickt, sieht Sam in ihr Lilly, wie sie von einem Moment auf den anderen starb – und rennt davon. Er glaubt, Jack werde ihn für sein Davonlaufen kritisieren, als er später am Abend bei ihm aufkreuzt. Doch er irrt. Stattdessen zeigt Jack Herzenswärme und bringt Sam zum ersten Mal seit Lillys Tod sogar wieder zum Lachen.
Dieses seltsame Konstrukt, The Boroughs, eine Stadt, die auf einem Reißbrett entstanden ist und als Seniorenparadies ein bisschen zu bunt und zu glücklich wirkt, ist keinesfalls die letzte Etappe. Wenn man sich ein bisschen öffnet, dann ist es gar nicht so schlecht. Vor allem mit Nachbarn wie Jack … Sam ist selbst davon überrascht, so schnell einen Freund gefunden zu haben, der offenbar überhaupt keine Probleme damit hat, ihn so zu nehmen, wie er ist. Ja, Jack ist etwas nervig, aber er ist eine durch und durch gute Seele – die den kommenden Morgen nicht mehr erleben wird. Es ist ein Licht, das Sam in dieser Nacht wahrnimmt und das ihn in Jacks Haus lockt. Dort findet er Jack tot in seinem Wohnzimmer vor. Jack aber ist nicht allein: Da ist auch ein spinnenartiges Wesen. Einen Angriff auf Sam bezahlt es allerdings mit einem ordentlichen Trauma. Um die Scheibe zu Jacks Wohnungstür einzuschlagen, hält Sam einen Hammer in seinen Händen, und für einen Mann seines Alters ist er schnell.
Aldred Molina
Der britische Schauspieler ist eine Traumbesetzung. Jemand wie Sam kann sehr schnell sehr unsympathisch wirken. Ein alter, verbitterter Einzelgänger, der nie ein einfacher Charakter gewesen ist? Molina verpasst Sam jedoch einen verletzlichen Anstrich. Sein Sam weiß, dass er ist, wie er ist. Lilly war nicht nur die Liebe seines Lebens, sie war auch seine Regulatorin. Ohne sie ist Sam immer wieder verloren; wenn er manchmal etwas barsch wirkt, dann, weil er nicht in der Lage ist, ohne eine führende Hand richtig zu handeln. Jack war ein Mensch, der das erkannte, weshalb so schnell eine Freundschaft zwischen ihnen entstehen konnte. Das ist nicht nur verdammt clever und einfühlsam geschrieben, der Brite Molina weiß dies eben auch mit seiner durchaus imposanten Erscheinung mit Leben zu füllen. In Rückblicken wird seine verstorbene Frau von Jane Kaczmarek verkörpert, bekannt als Hauptdarstellerin aus «Malcolm mittendrin». Sie spielt in ihren Auftritten durchaus mit ihrer Bekanntheit aus der Serie, was aber ziemlich gut funktioniert. Sie braucht nicht viel, um Lilly eine entsprechende Persönlichkeit zu verpassen.Gute Schauspieler
Die Schauspielerinnen und Schauspieler sind das große Pfund, mit dem die Serie arbeiten kann. Sie sind einfach sympathisch. Und doch etwas traurig. Denn sie alle wirken wie Menschen, die mitten im Leben stehen und die sich doch mit ihrem Altern abfinden müssen. Sie bringen ihre Ecken und Kanten mit, sind manchmal stur, dann wieder verletzlich, gelegentlich egoistisch und manchmal auch anstrengend. Gerade deshalb wirken sie glaubwürdig. Interessant sind auch die Gegenspieler der Monster jagenden Seniorengang: Blain (Seth Numrich) und Anneliese Shaw (Alice Kremelberg). Blains Großvater hat The Boroughs als einen Ort gegründet, an dem in die Jahre gekommene Menschen einen perfekten Lebensabend verbringen sollen. Dass Blain und Anneliese mehr über den Ort wissen, das ist kein Spoiler, es steht ihnen groß auf die Stirn tätowiert. Allerdings sind sie keine sinistren Bösewichter. Sie haben ihre Geschichte.Nach dem Einstieg in die Welt des Horrors folgt die Dramaturgie eher Vorbildern wie dem etwas in Vergessenheit geratenen Sci-Fi-Seniorendrama «Cocoon» oder, man höre und staune, «Die Goonies». Nicht, weil hier ältere Menschen plötzlich durch unterirdische Tunnel kriechen und Piratenschätze suchen würden. Sondern weil die Serie das Gefühl einer eingeschworenen Gruppe einfängt, die gemeinsam einem Geheimnis auf die Spur kommt. Der Entdeckergeist, die Neugier und die Freude daran, Rätsel zu lösen, unterscheiden sich kaum von denen jugendlicher Abenteuerhelden. Nur dass die Knie schlechter geworden sind und die Gespräche zwischendurch häufiger um Medikamente, verlorene Partner und Arzttermine kreisen. Unterm Strich orientiert sich die Serie eher an Formaten aus den 80ern, was dann wieder einen Kreis zu «Stranger Things» schließt.
Ist das auch gut?
Die Kritiken für die Serie fallen allgemein gut aus. Die „Variety“ vergab 90 von 100 Punkten und bezeichnete die Serie als „Heartbreaking, funny and endlessly fascinating.“ Als einen Sci-Fi-Thriller mit einem großen Herzen bezeichnet die Plattform The Wrap The Boroughs. Und der deutsche Filmdienst sieht die größte Stärke nicht im Monsterplot, sondern in den Figuren und ihrem Umgang mit dem Altern. Die schönsten Momente der Serie seien gerade jene Szenen, heißt es dort, in denen die Figuren einfach miteinander leben, feiern oder über ihr Leben nachdenken.
Mini-Serie
Trotz der Absetzung ist «The Boroughs» kein Fall für eine Streichung von der Watchlist. Tatsächlich funktioniert «The Boroughs» nämlich ziemlich gut als Miniserie, da sie den Mut besitzt, ihre Haupthandlung tatsächlich und wirklich zu einem runden Abschluss zu bringen. Da steht niemand am Ende vor einem noch viel, viel größeren Geheimnis als den Spinnenmonstern – nein, die Geschichte als solche endet. Die verbleibenden losen Enden lassen sich in diesem Erzählumfeld wunderbar damit erklären, dass es im Leben (und eben auch in dieser Geschichte) schlicht nicht möglich ist, immer alle Antworten auf alle Fragen zu bekommen. Manchmal geschehen Dinge halt einfach, und das muss man dann so hinnehmen.






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