Die Größe dieses Turniers verändert die Planung: Schon mit Blick auf die Logistik in drei Ländern mit unterschiedlichen Zeitzonen sowie auf die Preisentwicklung insgesamt, ist genau zu überlegen, wie sich unsere Berichterstattung möglichst effizient organisieren lässt.
Brauchen Das Erste und das ZDF bei einer so großen Turnierstruktur überhaupt noch die Rechte an möglichst vielen Spielen oder muss man künftig stärker kuratieren?
Das Paket mit den 60 WM-Spielen, das ARD und ZDF gemeinsam erworben haben, passt für uns. Angesichts von 104 Spielen an 16 verschiedenen Spielorten und mit 16 unterschiedlichen Anstoßzeiten gilt der Satz: Teilen ist das neue Haben.
Welche Rolle spielt dabei die ARD/ZDF-Aufteilung – wird es schwieriger, ein stimmiges Gesamtbild für das Publikum zu schaffen?
Unsere Zusammenarbeit bei den Sport-Großereignissen hat sich bewährt und wird auf dieser Basis bei jedem Turnier weiter optimiert. Und das Publikum kann sich darauf freuen, dass in der Präsentation der Übertragungen beide Sender mit unterschiedlichen Konzepten erfolgreich sein wollen.
Die Klub-WM hat zuletzt bereits gezeigt, wie komplex neue Turnierformate werden können. Was haben Sie aus dieser Erfahrung konkret für die WM 2026 gelernt?
Erfahrungen mit der Klub-WM haben andere Sender gemacht. Wir lernen kontinuierlich aus den Erfahrungen bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei Olympischen Sommer- und Winterspielen.
Mit Blick auf die enorme Spielanzahl: Wie wichtig wird ein starkes Begleitprogramm im Fernsehen und in der Mediathek, um Orientierung zu bieten?
Es ist wichtig, auf unseren Plattformen mobil und parallel zum TV ein breites Angebot zum Turnier zu machen. So bündelt das ZDF-Online-Angebot alle Informationen zu den 104 WM-Spielen und der WM insgesamt in unterschiedlichen Längen. Im ZDF-Streaming-Portal kommt unser Angebot an dokumentarischen «sportstudio»-Produktionen wie «World Cup – mit Tommi Schmitt», wie «Mission Sommermärchen», «American Soccer Dream» oder «Kapitän Kimmich» hinzu. Und Orientierung gibt auch unsere Experten-Riege in ihren Analysen und Einschätzungen zu den WM-Spielen.
Planen Sie, rund um die Spiele mehr Analyseformate oder kompaktere Zusammenfassungen einzusetzen, um die Masse an Spielen besser einzuordnen?
Die kompakten Zusammenfassungen auf ZDFheute.de, auf sportstudio.de und im ZDF-Streaming-Portal werden dazu beitragen, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer sich bei uns rund um die Uhr auf den aktuellen WM-Stand bringen können.
Die FIFA experimentiert immer stärker mit neuen Unterbrechungen wie Trinkpausen. Wird es dort künftig feste Analysefenster geben – oder bleibt das klassisch Werbung und kurze Überleitung?
Die FIFA hat die Trinkpausen bei allen Spielen verpflichtend vorgeschrieben. Diese können von den TV-Sendern für Werbung genutzt werden. Das ZDF macht von der Möglichkeit, die Trinkpausen für Werbung zu nutzen, nur in Teilen Gebrauch, da betrifft es nur eine ganz geringe Anzahl an Spielen, weil es für öffentlich-rechtliche Sender nur bis 20 Uhr möglich ist, Werbung zu schalten. Wir werden die drei Minuten also auch für Einschätzungen zum Spielgeschehen nutzen.
Immer wieder wird über eine weitere „Zerstückelung“ des Spiels diskutiert – etwa durch zusätzliche Pausen. Wie stehen Sie zu der Frage, ob Fußball dadurch an Dynamik verliert?
Diese Trinkpausen, die die FIFA einführt, sind ganz auf den amerikanischen Markt ausgelegt. Wer jemals ein NFL-Spiel gesehen hat, der weiß, dass es dort immer wieder einen TV-Break gibt. Auch bei sehr dynamischen Sportarten wie Basketball oder Handball gibt es diese Breaks.
Die Austragung in Kanada, den USA und Mexiko stellt enorme logistische Herausforderungen. Wie organisiert man Kommentatoren, Moderatoren und Produktionsteams über drei Länder hinweg?
Wir haben unsere Berichterstattung auf drei Säulen gestellt: Das technische und redaktionelle Rückgrat mit der Regie ist im ZDF-Sendezentrum in Mainz verortet, das WM-Studio, aus dem die Live-Übertragungen präsentiert werden, wird – wie schon bei der Heim-EM vor zwei Jahren – im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin sein. Vor Ort in den drei Ländern haben wir kleine, mobile Reporterteams an den Stadien und am Quartier der deutschen Nationalmannschaft.
Welche Rolle werden dabei zentrale Studios in Deutschland im Vergleich zu Vor-Ort-Produktionen spielen?
Das WM-Studio in Berlin ist unser zentraler Präsentationsort – dort bieten wir unserem Publikum den WM-Ankerpunkt im ZDF.
In Nordamerika sind extreme Wetterlagen ein Thema – zuletzt gab es lange Gewitterunterbrechungen. Rechnen Sie bei der WM 2026 mit ähnlichen Szenarien?
Die Klub-WM vor einem Jahr hat gezeigt, dass man sich darauf vorbereiten muss.
Hätte der Fußball aus Ihrer Sicht auf solche Entwicklungen reagieren müssen – etwa mit klareren Abbruchregeln, wenn Spiele kurz vor Schluss unterbrochen werden?
Starke Stürme, große Hitze und andere Wetterkapriolen sind Phänomene, auf die sich alle Open-air-Veranstaltungen vorbereiten müssen – das Thema hat der Fußball nicht exklusiv.
Danke für Ihre Zeit!







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