Interview

‚Die Wacken Family ist für uns kein Marketingbegriff‘

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Mit «Love is Stronger» blickt eine neue Dokumentation auf 35 Jahre Wacken Open Air zurück. Die Festivalgründer Thomas Jensen und Holger Hübner sprechen über die Entstehung des Films und die besondere Gemeinschaft hinter dem weltweit größten Metal-Festival.

«Wacken» ist längst mehr als ein Festival – es ist ein globales Phänomen. Wie nähert man sich einer solchen Marke filmisch, ohne sie nur zu bebildern?
Thomas Jensen:
Die Herausforderung besteht darin, hinter die großen Bilder zu schauen. Natürlich kann man die Dimension von Wacken zeigen, aber das erklärt noch nicht, warum Menschen aus aller Welt unsere Metal-Community jedes Jahr wiederkommen. Regisseurin Cordula Kablitz-Post zeigt mit dem Film die Leidenschaft und Gemeinschaft, die Wacken seit 35 Jahren tragen.

Holger Hübner: Die Größe gehört dazu, aber sie ist nicht die eigentliche Geschichte. Interessant sind die Menschen dahinter - die Fans, die Bands, die Crew und die vielen Geschichten, die über die Jahre entstanden sind. Genau das macht Wacken aus.

Die Geschichte des Festivals ist eng mit den Gründern Holger Hübner und Thomas Jensen verbunden. Wie wichtig war es, ihre Perspektive ins Zentrum des Films zu stellen?
Thomas Jensen: Nach 35 Jahren lassen sich unsere Geschichte und die Geschichte von Wacken natürlich nicht komplett voneinander trennen. Für uns steht immer das Festival aber vor allem die einmal im Jahr große Reunion der internationalen Metalfamilie im Vordergrund. Dies zu zeigen und jedes Jahr mit dem WOA den Rahmen für diese Party zu organisieren, ist immer wieder eine Ehre.

Holger Hübner: Gleichzeitig war uns wichtig, dass der Film nicht nur auf uns schaut. Wacken wird von einer riesigen Community getragen. Wir sind Teil dieser Geschichte, aber nicht die Hauptfiguren.

Der Film spannt einen Bogen von der Dorfparty zum internationalen Mega-Event. Wo lagen die größten dramaturgischen Herausforderungen bei dieser Entwicklung?
Thomas Jensen:
Die größte Herausforderung war sicherlich, 35 Jahre auf 90 Minuten zu verdichten. Es gab unzählige Geschichten, die man hätte erzählen können. Deshalb musste man sich auf die Momente konzentrieren, die die Entwicklung von Wacken am besten beschreiben.

Holger Hübner: Dabei ging es weniger um Zahlen oder Rekorde. Spannend ist vielmehr der Weg dorthin - mit allen Höhen, Tiefen und Herausforderungen, die wir unterwegs erlebt haben.

Mit rund 85.000 Fans jährlich ist Wacken auch ein logistisches Monster. Wie gelingt es, dieses Gefühl von Größe und Chaos im Film einzufangen?
Holger Hübner:
Für eine Woche entsteht in Wacken eine eigene Stadt. Diese Dimension gehört natürlich zur Geschichte des Festivals und ist beeindruckend.

Thomas Jensen: Gleichzeitig wollten wir zeigen, dass hinter dieser Größe vor allem Menschen stehen. Tausende Helfende, Crew-Mitglieder und Partner sorgen dafür, dass aus dieser riesigen Organisation am Ende ein besonderes Erlebnis für alle Metalheads wird.

Gleichzeitig lebt Wacken von einer sehr persönlichen, fast familiären Atmosphäre. Wie haben Sie diese emotionale Ebene im Film herausgearbeitet?
Thomas Jensen:
Das Besondere an Wacken ist, dass viele Menschen hier jedes Jahr ein Stück Heimat auf Zeit finden. Die Musik und diese die Gemeinschaft bringt die Leute zusammen und sorgt dafür, dass viele immer wiederkommen. Das ist wirklich toll!

Holger Hübner: Deshalb war es wichtig, auch die persönlichen Geschichten sichtbar zu machen. Die Wacken Family ist für uns kein Marketingbegriff, sondern etwas, das über Jahrzehnte gewachsen ist.

Der Dokumentarfilm begleitet auch das Festivalgeschehen 2024. Wie stark wollten Sie Gegenwart und Geschichte miteinander verzahnen?
Thomas Jensen:
Sehr bewusst. Wacken lebt nicht von der Vergangenheit allein. Die Geschichte erklärt, woher wir kommen, aber die Gegenwart zeigt, warum das Festival heute noch relevant ist.

Holger Hübner: Wir wollten keinen reinen Rückblick. Wacken entwickelt sich ständig weiter und stellt sich immer wieder neuen Herausforderungen. Das sollte der Film ebenfalls transportieren.

Mit Auftritten und Stimmen von Größen wie Bruce Dickinson, Gene Simmons oder Doro Pesch bekommt der Film zusätzliche Strahlkraft. Wie schwierig war es, diese prominenten Perspektiven einzubinden?
Holger Hübner:
Viele dieser Künstler begleiten Wacken seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten. Deshalb gehören ihre Stimmen ganz selbstverständlich zur Geschichte des Festivals.

Thomas Jensen: Gleichzeitig zeigen sie, welche Bedeutung Wacken mittlerweile innerhalb der internationalen Musikszene hat. Diese Perspektive von außen macht den Film noch einmal besonders spannend.

Ein besonderer Moment ist der Coup mit Guns N’ Roses als Headliner. Wie wichtig sind solche Meilensteine für die Dramaturgie des Films?
Thomas Jensen: Guns N’ Roses in Wacken begrüßen zu können, war natürlich ein besonderer Moment und ein spannendes Kapitel in unserer Festivalgeschichte. Das W:O:A definiert sich aber nicht über die einzelnen Headliner, sondern über die Vielfalt des Genres, die international jedes Jahr bei uns zusammenkommt.

Holger Hübner: Es war natürlich ein persönliches Highlight diese Band auf dem eigenen Festival spielen zu sehen. Für die Dramaturgie des Films sind solche Momente natürlich sehr interessant, weil sie bestimmte Wegmarken sichtbar machen. Gleichzeitig erzählt Wacken seine Geschichte nicht über einzelne Bands allein. Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung des Festivals, die Vielfalt des Metal und vor allem die Menschen, die diese einzigartige Gemeinschaft Jahr für Jahr mit Leben füllen.

Musikdokumentationen laufen oft Gefahr, entweder zu nostalgisch oder zu fanlastig zu werden. Wie haben Sie die Balance zwischen Fanservice und journalistischer Einordnung gefunden?
Holger Hübner:
Genau deshalb war der Blick von außen für dieses Projekt so wertvoll. Das Filmteam hat einen Zugang gefunden, der sowohl die Leidenschaft und Begeisterung der Fans transportiert als auch die größeren Geschichten hinter dem Festival sichtbar macht. Dadurch ist eine Dokumentation entstanden, die über die reine Musik hinausgeht.

Thomas Jensen: Gleichzeitig sollte der Film natürlich authentisch bleiben und die Menschen mitnehmen, die Wacken seit Jahren begleiten. Die Stärke ist aus unserer Sicht, dass die Dokumentation beides schafft: Regisseurin Cordula Kablitz-Post bietet durch ihre Herangehensweise alten und neuen Fans viele bekannte Momente und Hintergründe, funktioniert aber auch für Zuschauerinnen und Zuschauer, die mit Metal oder Wacken bisher kaum Berührungspunkte hatten.

Der Film startete zunächst im Kino und anschließend bei MagentaTV. Welche Rolle spielt diese doppelte Auswertungsstrategie für die Wahrnehmung des Projekts?
Thomas Jensen:
Das Kino bietet für diesen Film einen besonderen Rahmen. Wacken lebt von Gemeinschaft, Emotionen und unvergesslichen Momenten - vieles davon entfaltet auf der großen Leinwand eine ganz eigene Wirkung.

Holger Hübner: Über MagentaTV erreicht die Geschichte anschließend ein breiteres Publikum. So können sowohl langjährige Fans als auch Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit Wacken hatten, einen Zugang zu dieser besonderen Welt finden.

Streaming-Plattformen setzen zunehmend auf exklusive Dokuformate. Welche Freiheiten oder auch Erwartungen bringt die Zusammenarbeit mit MagentaTV mit sich?
Holger Hübner:
Für uns war entscheidend, dass eine authentische Dokumentation entsteht, die auch die Herausforderungen und Wendepunkte der Geschichte erzählt. Diesen Anspruch hat das Projekt von Anfang an getragen.

Thomas Jensen: Gleichzeitig bringt eine Plattform wie MagentaTV die Möglichkeit mit sich, eine solche Dokumentation technisch und erzählerisch auf einem hohen Niveau umzusetzen und sie in einem professionellen Umfeld zu veröffentlichen, das ihr die passende Sichtbarkeit gibt.

Wenn Sie auf das Projekt zurückblicken: Was soll beim Publikum hängen bleiben – die Geschichte eines Festivals, ein Stück Musikgeschichte oder vielleicht ein Gefühl von Gemeinschaft?
Thomas Jensen:
Im Idealfall von allem etwas. Wenn der Film vermittelt, warum Wacken für viele Menschen mehr als ein Festival ist, hat er sein Ziel erreicht. Im Zentrum steht dabei das besondere Miteinander unserer Community, Wacken als Ort, unserer Gemeinde - dieses Gefühl von Offenheit und Energie, das Wacken prägt. Das ist einzigartig und das, was es ausmacht.

Holger Hübner: Für uns steht im Vordergrund, dass das Gefühl bleibt, das das Wacken Open Air ausmacht: Zusammenhalt, Energie und die besondere Verbindung zwischen Menschen durch Musik. Wenn genau das beim Publikum ankommt, erfüllt der Film seinen Zweck. See you at Wacken, Rain Or Shine!

Danke für Ihre Zeit!

Alle weiteren Infos zum Wacken Open Air, den Festivaltickets und Zusatzbuchungsmöglichkeiten findet ihr unter www.wacken.com & metaltix.com

«Love is Stronger» ist bei Magenta TV abrufbar.

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