Beim ersten Lesen war mir natürlich klar, dass sich diese Folge von den anderen Filmen unterscheiden wird. Auch, weil man bis zum Ende nicht weiß, ob Oberländer überhaupt überlebt. Eine Folge mehr oder weniger aus Sicht eines Koma-Patienten zu erzählen, die Ermittlungsarbeit der Kollegen auf der anderen Seite, das versprach schon beim ersten Lesen viel.
Der Film erzählt parallel auf zwei Ebenen: im Krankenhaus und in einer rätselhaften Zwischenwelt. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet, dieselbe Figur in zwei völlig unterschiedlichen Zuständen zu spielen?
Die Vorbereitung war für mich eigentlich nicht anders als sonst auch. Man beschäftigt sich mit den Aufgaben, die das Drehbuch fordert. Spannend war dieses Mal, welche Bilder die Kamera und Regie für Oberländers Zwischenwelt finden und wie man diese füllen kann.
Während Oberländer im Krankenbett regungslos liegt, muss er in der Zwischenwelt starke Emotionen transportieren. Welche Seite dieser Doppelrolle war für Sie schauspielerisch anspruchsvoller?
Beide Seiten waren für mich anspruchsvoll. Das zweiwöchige Liegen im Krankenbett, angeschlossen an Schläuchen und Kabel, war allerdings deutlich fordernder als gedacht und nicht so angenehm, wie man vielleicht denken könnte. Eine nachvollziehbare Verbindung von beiden Seiten herzustellen war sehr spannend für mich.
Die Geschichte bewegt sich deutlich stärker in Richtung Mystery und Thriller als frühere Filme der Reihe. Hat Sie gerade dieser Genrewechsel gereizt?
Ich denke, wir finden in unsere Reihe immer wieder Elemente aus Mystery und Thriller. Vielleicht ist das auch ein kleiner Baustein des Erfolges der «Toten vom Bodensee». Deshalb war der Genrewechsel für mich nicht so deutlich, aber wesentlich konsequenter als sonst.
In einer Schlüsselszene mussten Sie unter Wasser drehen und dabei längere Zeit die Luft anhalten. Wie liefen diese Dreharbeiten ab und welche Vorbereitung war dafür notwendig? Fühlten Sie sich wie die Schauspieler bei «Avatar»? Sigourney Weaver kann bis zu sechs Minuten die Luft anhalten.
Uns mit «Avatar» zu vergleichen, ist wie der Vergleich eines VW-Käfers mit einem Formel1 Wagen. (lacht) Wir hatten für die Unterwasserszenen einen Tag, bei den Kollegen aus Übersee waren es sicher mehrere Wochen. Man spricht im Vorfeld alles Erforderliche durch, bereitet sich bestmöglich vor und springt dann sprichwörtlich ins kalte Wasser. Luft anhalten inklusive. Allerdings musste ich das maximal eine Minute tun. Sechs Minuten ist für mich unvorstellbar. (lacht)
Eine Minute muss man auch erst einmal können! Die Zuschauer erleben Oberländer diesmal von einer sehr verletzlichen Seite. Hat Ihnen diese emotionale Facette neue Möglichkeiten eröffnet, die Figur nach so vielen Jahren noch einmal anders zu erzählen?
Oberländer hat in den letzten Jahren einige Schicksalsschläge zu verdauen gehabt, wie zum Beispiel den Tod seiner Frau. Mir war und ist es immens wichtig, dass das Emotionale bei Oberländer immer mitschwingt und das Erlebte Einfluss auf sein Handeln hat und seinen Charakter beeinflusst und verändert. Er ist wesentlich verletzlicher als es auf den ersten Blick scheint.
«Die Toten vom Bodensee» gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Krimireihen. Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, das Format mit ungewöhnlichen Ideen immer wieder neu zu überraschen?
Wenn eine Reihe wie die unsere schon zwölf Jahre existiert, ist es unumgänglich Veränderungen zu wagen und experimentierfreudig zu bleiben – ohne am Fundament zu bohren. Das ist nicht leicht, aber wichtig. Wir sind eine Krimireihe und erfinden das Rad sicher nicht neu, aber wir wissen um unsere Stärken und versuchen diese immer wieder auf neuen Wegen abzurufen.
Nach all den Jahren kennen die Zuschauer Micha Oberländer sehr genau. Haben Sie beim Dreh etwas Neues über Ihre Figur entdeckt, das Ihnen zuvor gar nicht bewusst war?
Wenn man eine Rolle so lange spielen darf, ist es wichtig, sie „frisch“ zu halten, ständig zu überprüfen und Neues zu finden. Da uns das, glaube ich, immer noch gelingt, bleiben die «Die Toten vom Bodensee» für mich auch im zwölften Jahr eine Herzensangelegenheit und eine Reise die mich fordert, überrascht und glücklich macht.
Vielen Dank für Ihre Zeit!
Das ZDF strahlt «Die Toten vom Bodensee» am Montag, den 7. September, um 20.15 Uhr aus. „Im Schattenreich“ ist seit 31. August in der ZDFmediathek abrufbar.







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