Die Kritiker

«Tod von Freunden»

von

Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler spielen ein deutsches Ehepaar, das sich mit einem befreundeten dänischen Paar ein Paradies aufgebaut hat. Dann kommt es in der neuen ZDF-Serie zur Katastrophe.

Stab

Darsteller: Jan Josef Liefers, Katharina Schüttler, Lene Maria Christensen, Thure Lindhardt, Milena Tscharntke, Oskar Belton
Drehbuch und Regie: Friedemann Fromm
Kamera: Ralf Noack
Kostüme: Monika Hinz
Zwei Familien, die so eng miteinander verflochten sind, dass sie selbst in den meisten Situationen ihres Lebens gar nicht mehr so richtig trennen können (oder wollen), wo der Verwandtschaftsgrad in eine Freundschaft übergeht. Auf der einen Seite die Küsters (Jan Josef Liefers und Katharina Schüttler) samt ihren fast erwachsenen Kindern, auf der anderen Seite die Jensens (Lene Maria Christensen und Thure Lindhardt), ebenfalls mit (gerade so) postpubertärem Anhang. Zusammen haben sie sich auf einer nur von ihnen bewohnten dänischen Insel ein Paradies aufgebaut. Das Geld dafür schaffen Bernd Küster (er) und Charlie Jensen (sie) mit ihren gemeinsamen Ingenieurprojekten heran, damit sich ihre Partner den Kindern und der Kunst widmen können. Jedes Jahr im Sommer werden riesige Feste gefeiert, und auch sonst ist das Leben schön.

Dann taucht – wie so oft im Film – eine düstere Figur aus der Vergangenheit auf, schleicht unheimlich ums Haus, stellt Forderungen, ängstigt allein durch ihre Präsenz. Und schließlich kommt es zu einer handfesten Katastrophe. Von einem Segeltörn der Jensens kommt der älteste Sprössling der Küsters nicht mehr zurück. Die Familien gehen auf Distanz zueinander – und aus Freunden werden Gegner.

Mit der Aufsplittung der Perspektiven – in acht Sendestunden wird jeweils der Blickwinkel von einem der vier Erwachsenen oder einem der vier Jugendlichen in den Fokus gerückt – will diese Serie dabei eine besondere Nähe zu ihren Figuren erzeugen und führt dem Zuschauer dazu mosaikhaft bestimmte Bruchstücke aus der eigenen, von den anderen mitunter geheim gehaltenen Biographie des jeweiligen Charakters vor. Dieser Erzählansatz führt manchmal zu strukturellen Konflikten: Was soll im Vordergrund stehen – die Psychologie um das Zusammenleben dieser verschworenen Gemeinschaft, die eigentlich alles voneinander weiß, oder all die Fragen, die bereits die erste von vier Doppelfolgen aufwirft: Was geschah in der Nacht auf dem schiefgelaufenen Segeltörn? Hat der ausgestoßene Bruder von Jakob Jensen etwas damit zu tun? Und was ist der Kern des dunklen Geheimnisses, mit dem sich die Figuren wechselseitig erpressen?

Doch oft greifen diese verschiedenen Aspekte gut ineinander und befeuern sich vielmehr gegenseitig, anstatt sich erzählerisch im Weg zu stehen. Das Mysterium ist ein guter Antrieb für diesen großen televisionären Familienroman. Für eine Sternstunde der Serienkunst fehlt es dann aber doch an der letzten Konsequenz. Immer wieder verlässt sich Autor und Regisseur Friedemann Fromm (bekannt von «Weissensee») zu sehr auf das Konventionelle sowie Szenenfragmente und Erzählelemente, die man zuhauf schon an anderen Stellen gesehen hat. Sie funktionieren ja auch überall: ob in der High-End-Serie von Netflix oder sonntagabends bei Rosamunde Pilcher.

Acht Stunden scheinen dann aber doch zu lang, und gerade zum Schluss werden die Verwicklungen denn allzu wüst, um noch glaubhaft zu sein. Bis dahin erstaunt jedoch, wie achtsam und interessant die Hauptfiguren entworfen wurden, wie selbstverständlich sich ihre angestauten Konflikte entladen – und wie gut die dänischen und deutschen Darsteller miteinander harmonieren.

Das ZDF sendet vier Doppelfolgen von «Tod von Freunden» sonntags ab dem 7. Februar jeweils um 22.15 Uhr.

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