Interview

Paula Schramm: „Es ist schwierig, anderen Menschen wirklich zuzuhören“

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«SOKO Hamburg»-Darstellering Paula Schramm erzählt im Quotenmeter-Interview, was ihr Kraft gibt, wie sich das Geschäft in ihrer langen Karriere verändert hat und verrät, worauf sie mal wieder richtig Lust hat.

Sie sind gebürtig aus Potsdam, wohnen in Berlin und Wien, stehen aber für die «SOKO Hamburg» vor der Kamera. Wie kam es dazu?
Zur «SOKO Hamburg» bin ich, ganz normal, durch ein Casting gekommen. Ich bin sehr froh in Hamburg arbeiten zu dürfen. Ich liebe die Stadt und ihre Menschen. Die super Zugverbindung macht es mir auch sehr einfach. Ich genieße es auch sehr außerhalb meines Wohnortes zu drehen. In Hamburg habe ich Ruhe und kann mich ganz auf meine Arbeit konzentrieren.

Können Sie sich vorstellen eines Tages für «SOKO Wien» oder «SOKO Potsdam» zu drehen? Das wäre doch für Sie ganz passend.
Grundsätzlich kann ich mir das schon vorstellen, warum auch nicht? Allerdings muss es ja nicht unbedingt eine SOKO sein. Da bin ich in Hamburg gut ausgelastet. Aber ich würde es sehr spannend finden, als Brandenburgerin mal in einer österreichischen Produktion mitzuwirken. Das gleiche gilt für Produktionen in Potsdam. Wenn da mal ein spannendes Projekt käme, wäre ich natürlich gerne dabei. Es werden sich sicherlich noch Dinge ergeben, da bin ich ganz entspannt.

Sowohl Berlin als auch Wien sagt man strenge Winter nach. Wie kommen Sie gut durch die kalte Jahreszeit?
In den letzten Jahren haben wir den Winter immer weit weg, im Warmen, verbracht. Auch über Weihnachten. Ich hänge nicht so sehr an Traditionen. Dieses Jahr sind wir natürlich hiergeblieben, was definitiv auch seine Reize hat. Ich bin absolut naturverbunden. Ich muss also viel Zeit draußen verbringen und in Bewegung bleiben. Ich telefoniere viel mit meinen Freunden und versuche mich ausgewogen und gesund zu ernähren. Viel Gemüse also und feste Wanderschuhe - ich denke, damit kommt man gut durch die Zeit.

Sie erhielten bereits im Alter von sieben Jahren erste Schauspiel-Rollen. Kann Sie in diesem Geschäft eigentlich noch irgendetwas überraschen?
(lacht) Bestimmt kann man mich noch überraschen. Ich hoffe das auch, sonst wäre die Arbeit sicher langweilig. Aber klar, in den vielen Produktionen – es sind mittlerweile über 60 – habe ich natürlich viel gesehen, beobachtet, mich entwickelt, immer wieder hinterfragt und mich kennengelernt. Ich denke, dass mich meine Erfahrungen auch durch den schwierigsten Drehtag bringen und ich kann mich auf meine Intuition, mein Gefühl für Rhythmus und Sprache ganz gut verlassen. Ich bin aber noch immer sehr neugierig und mutig und habe auch keine Angst davor gelegentlich zu scheitern. Und solange das so ist, werde ich meinen Beruf lieben, alles dafür geben dem Prozess zu vertrauen und mich darüber freuen mit spannenden Leuten arbeiten zu können. Diese Branche steht nie still. Das liebe ich. Vielleicht muss ich nicht mehr auf jeder Party rumtanzen. Ich bin, ehrlich gesagt, nicht so gut im Small Talk, aber auch mit diesem Gefühl bin ich bestimmt nicht allein (lacht).

Wie hat sich das Fernsehgeschäft in all diesen Jahren verändert? War früher wirklich alles besser?
Früher gab es mehr Zeit und wahrscheinlich damit verbunden auch mehr Geld. Je weniger Geld die Produktionen kosten dürfen, desto weniger Zeit steht von der Drehbuchentwicklung bis zur Arbeit am Set zur Verfügung. Und wir wissen ja alle, dass das ein Kampf ist, ein gewisses Niveau zu halten und irgendwie auch zu funktionieren und den Zauber nicht zu verlieren. Aber man findet immer Lücken für gute Momente, die muss man eben suchen.

Sie waren auch lange Zeit in der KiKa-Serie «Schloss Einstein» zu sehen. Im Frühjahr wird es die 1.000. Folge der Kinderserie geben. Schauen Sie sich noch manchmal die Serie an und schwelgen in Erinnerung?
Ich verbinde mit dieser Serie meine ganze Jugend. Fast täglich war ich dort am Set, über vier Jahre. Rückblickend würde ich sagen, es war auch eine sehr gute Schauspielschule. Ich konnte mich dort frei ausprobieren. Und alles Technische am Set ist mir seitdem in Fleisch und Blut übergegangen.

Das neue Jahr hat eben erst angefangen. Was haben Sie sich für 2021 vorgenommen? Was macht Ihnen Mut und lässt Sie nach dem Chaosjahr 2020 positiv nach vorne blicken?
Ich bin sehr dankbar, dass ich arbeiten durfte. Das weiß ich sehr zu schätzen. Ich konnte mir auch privat immer wieder schöne Momente schaffen. Mit unserem Camper waren wir recht unabhängig und frei. Wir waren viel in der Natur. Die ist für mich eine enorme Kraftquelle. Ganz persönlich habe ich mir vorgenommen mehr Zeit mit meinen Freunden zu verbringen, meine freie Zeit vielfältiger zu verteilen, mir selbst auch Raum zu nehmen und ehrgeizig meine Ziele zu verfolgen. Allgemein konnte man erkennen, wie schwierig es ist, anderen Menschen wirklich zuzuhören und nicht nur das zu hören, was sowieso die eigene Meinung bestätigt. Das sollten wir alle aus 2020 mitnehmen.

Sie sind überwiegend als Fernsehschauspielerin tätig. Wo liegt da handwerklich eigentlich der Unterschied zur Arbeit fürs Kino?
Im Grunde genommen ist da aus schauspielerischer Sicht kein handwerklicher Unterschied. Aber es gibt in der Regel mehr Zeit für die Vorbereitung und auch für die Arbeit am Set. Das bringt Qualität und Zauber.

Kann sich der Zuschauer in Zukunft wieder auf Sie auf der großen Leinwand freuen?
Nein. Das sollte aber wirklich bald wieder mal anstehen. Ich liebe das Kino, wie keinen anderen Ort. Ich wünsche mir sehr, bald mal wieder Kino zu machen.

Bei der «SOKO Hamburg» sind sie das freche und nerdige Computer- und Technik-Genie im Team. Wie viel persönliche Erfahrung steckt in dieser Rolle? Können Sie privat ebenfalls gut mit Technik umgehen?
Franziska ist super organisiert und IT-Expertin – ich bin keines von beiden (lacht). Ich bin ziemlich unstrukturiert und ineffizient. Ein gutes Beispiel dafür: Ich habe gerade meinen Sohn in die Kita gebracht und habe dabei, wie üblich, einen Umweg gemacht, um an der Schokoladenfabrik vorbeizufahren. Dort riecht es immer so toll. Franziska Berger würde das sicherlich nicht machen.

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