Ein und derselbe Tag, immer und immer wieder aufs Neue. In diesem Fall muss die junge Zazie irgendwie von der Hochzeit ihres besten Freundes wegkommen. Aber erst, wenn sie ihr eigenes Glück gefunden hat.
Eigentlich ist «Hello Again – Ein Tag für immer» so etwas wie die Rundumerneuerung und Modernisierung des Neunzigerjahre-Romantikklassikers «Die Hochzeit meines besten Freundes». Darin will die von Julia Roberts verkörperte Hauptfigur partout nicht wahrhaben, dass ihr bester Kumpel eine andere ehelicht außer sie – obwohl zwischen den beiden nie eine ernsthaft romantische Beziehung existierte. In «Hello Again» erfährt Protagonistin Zazie ebenfalls aus heiterem Himmel von der bevorstehenden Eheschließung ihres Kindergartenfreundes Philipp, der nicht nur nicht sie, sondern auch noch das ehemalige Schulbiest Franziska heiraten will. Maggie Peren macht im Aufbau ihrer Geschichte keine Gefangenen: Nach einer kurzen Einführung ihrer Hauptfigur, die wir in wenigen Szenen als gleichermaßen verplante wie liebenswerte Chaotin kennenlernen, finden wir uns direkt auf dem auf einem Schiff abgehaltenen Hochzeitsevent wieder und müssen zusehen, wie sich Zazie erst hemmungslos betrinkt und schließlich den vermeintlich schönsten Tag im Leben des Brautpaares zerstört.
Ja, sind wir. Und deshalb heißt es eben auch nur ganz kurz: Zähne zusammenbeißen. Denn dieser erste von vielen weiteren Hochzeitstagen ist eben gleich die Variante „Super-GAU“. Alles was schief geht, geht schief. Zazie blamiert sich und alle andere. Doch am nächsten Tag werden die Karten neu gemischt. Und mit ihnen und den Ereignissen auf der Hochzeit auch der Film selbst, der sich fortan von grobmotorischem Körperhumor lossagt und sich tatsächlich ganz auf die Interaktion seiner Figuren und die subtilen Veränderungen im Miteinander zwischen Zazie und Anton konzentriert. Im Kern ist «Hello Again» – wenig überraschend – nämlich ein klassischer Liebesfilm. Den ersten Pluspunkt gibt es dafür, dass überhaupt endlich mal wieder jemand eine klassische Kino-Lovestory erzählt (die noch dazu auf keiner bekannten Vorlage basiert!). Und den zweiten dafür, dass der eigentlich recht vorhersagbare Ausgang der Geschichte mithilfe des Zeitschleifengimmicks einige hübsche Wendungen erfährt und dem Ganzen zudem eine gehörige Portion Augenzwinkern einverleibt.
Den Anfang macht das besagte Slapstick-Feuerwerk. Später versucht Zazie noch über viele weitere Wege, die Eheschließung irgendwie zu verhindern. Mal spielt ihr dabei auch der Zufall in die Hände – in der Mitte des Films kann «Hello Again» sogar mit einem echten Twist überraschen. Ein anderes Mal geht die junge Frau direkt gegen die Braut vor, übt sie sich in kleinen Intrigen oder in großspurigen, romantischen Erklärungen gegenüber dem Bräutigam. Alicia von Rittberg («Rate your Date») verkörpert ihre durch die ständigen Wiederholungen kontinuierlich in ihrer Schlagfertigkeit gefestigte Figur herrlich natürlich und voller Selbstironie. Insbesondere im Zusammenspiel mit Edin Hasanovic («Lara») reist sie zu jeder Sekunde das Leinwandgeschehen an sich – selten hat es so viel Spaß gemacht, mit einer hoffnungslos Verliebten mitzufiebern. Die Chemie zwischen den beiden – ist auch noch Samuel Schneider («Asphaltgorillas») für ein paar Szenen dabei, wird «Hello Again» darüber hinaus zu einem sehr charmanten Film über Freundschaft und WG-Leben – ist so mitreißend, dass sie den Zuschauer über die ein oder andere Schwäche hinwegsehen lässt. 

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16.09.2020 12:49 Uhr 1