Wirtschaft

Kein Coronaboom: Netflix enttäuscht Analysten, macht aber mehr Gewinn

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Dabei hatte der Anbieter aus Kalifornien die Umsatzprognosen sogar leicht übertroffen. Vor allem aber der Ausblick sorgte bei Anlegern für Ernüchterung.

Gab es wirklich einen Coronaboom bei Netflix? Noch bei der Präsentation der Zahlen des ersten Jahresquartals 2020 (die Daten wurden im April bekannt) war von einer Art Coronaboom beim Streamingdienst die Rede. Die Abozahlen waren damals um gut 15 Millionen weltweit gewachsen; und das, obwohl die Coronakrise erst gegen Ende des ersten Quartals so richtig Fahrt aufnahm. War das also wirklich ein Coronaeffekt? Inzwischen mehren sich die Stimmen, die glauben, dass auch große Netflix-Dokuhits, wie etwa «Tiger King», für ein Kundenplus gesorgt haben könnten. Im zweiten Quartal hat der Streamingdienst nun die Erwartungen in einigen Segmenten nicht erfüllt.

Wie Netflix am Donnerstag nach dem US-Börsenschluss mitteilte, gewann er 10,09 Millionen Abonnenten. Einige Analysten hatten aber eher geglaubt, man käme noch einmal an das Ergebnis aus den ersten drei Monaten heran. Nachbörslich rutschte die Netflix-Aktie um elf Prozent ins Minus. Das lag wohl vor allem daran, dass Netflix das erwartete Kundenwachstum im dritten Quartal deutlich gesenkt hat. Prognostizierte man bis dato rund fünf Millionen zusätzliche Abos, liegen die Schätzungen nun bei gerade einmal noch zweieinhalb Millionen. Experten sehen verschiedene Faktoren dafür als Grund. Zum einen ist das die – vor allem in Amerika – verschärfte Marktsituation mit neuen Gegnern wie HBO Max und Disney+. Zum einen spürt Netflix auch die wirtschaftliche Lage in vielen Ländern – so ist die Arbeitslosigkeit im vom Corona gebeutelten USA deutlich höher als noch Anfang des Jahres und auch der EU droht eine Rekordrezession. Und noch etwas senkt die Abozahlen nun: Ab dem dritten Quartalsbericht tauchen Accounts nicht mehr auf, die Netflix wegen Inaktivität selbst abschaltet.

Somit brachte es Netflix in der Beachtung der Börsianer wenig, dass der Umsatz des Unternehmens im zweiten Quartal sprunghaft anstieg. Das Unternehmen setzte 6,15 Milliarden US-Dollar um, 1,23 Millionen mehr als im Vorquartal. Für das dritte Quartal sagt Netflix sogar noch mehr Umsatz voraus – dieser soll dann die Marke von 6,3 Milliarden US-Dollar überspringe. "Während wir diese turbulenten Umstände meistern, konzentrieren wir uns auf unsere Mitglieder, indem wir die Qualität unseres Service weiter verbessern und neue Filme und Shows auf die Bildschirme der Menschen bringen“, sagte Netflix am Donnerstag in einer Erklärung.

Personell bestätigte Netflix am Donnerstag, dass man Ted Sarandos, den bisherigen Inhaltechef, zum Co-CEO neben Reed Hastings befördert habe.

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