Wirtschaft

Disney will bei insolventem KI-Unternehmen Character.ai zugreifen

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⁠Erst holte Disney den Chef des Chatbot-Anbieters ins eigene Unternehmen, jetzt bietet der Unterhaltungskonzern 20 Millionen Dollar für Nutzungsrechte und weitere Vermögenswerte.

Der Disney-Konzern könnte sich umfangreiche Rechte an der Technologie und den Inhalten des insolventen KI-Unternehmens Character.ai sichern. Nachdem Disney erst im September dessen damaligen Geschäftsführer Karandeep Anand als neuen Chief Technology Officer verpflichtet hatte, folgt nun der nächste Schritt: Die Tochtergesellschaft Disney Worldwide Services hat im Rahmen eines Insolvenzverfahrens ein Angebot über 20 Millionen US-Dollar abgegeben. Dabei geht es allerdings nicht um die vollständige Übernahme des Unternehmens, sondern um eine zeitlich unbegrenzte, nicht exklusive Lizenz an bestimmten geistigen Eigentumsrechten sowie um ausgewählte Ansprüche von Character.ai.
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Das 2021 gegründete Unternehmen hat am Montag, 12. Oktober, in den Vereinigten Staaten Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Im Rahmen des Verfahrens sollen möglicherweise sämtliche Vermögenswerte verkauft werden, um einen möglichst hohen Erlös für die Beteiligten zu erzielen. Disney tritt dabei als sogenannter „Stalking Horse Bidder“ auf. Das bedeutet, dass der Konzern mit seinem Angebot einen Ausgangspunkt für das Bieterverfahren setzt. Andere Interessenten können während der Auktion höhere Angebote abgeben.
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Character.ai wurde durch eine Plattform bekannt, auf der Nutzer mit KI-generierten Figuren kommunizieren können. Neben eigens entwickelten Charakteren lassen sich auch individuelle Chatbots erstellen, die bestimmte Persönlichkeiten, Rollen oder fiktive Figuren verkörpern. Das Angebot richtet sich vor allem an Menschen, die mit künstlicher Intelligenz interaktive Geschichten erleben oder virtuelle Gespräche führen möchten.
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Allerdings geriet das Unternehmen wiederholt in die Kritik. Dazu gehörten unter anderem Chatbots, die auf urheberrechtlich geschützten Figuren basierten, ohne dass entsprechende Lizenzen vorlagen. Darüber hinaus sah sich Character.ai mit Klagen konfrontiert, in denen der Plattform vorgeworfen wurde, problematische Gespräche über Selbstverletzung ermöglicht oder durch bestimmte Bots medizinische Fachkräfte vorgetäuscht zu haben. Im Januar 2026 einigte sich das Unternehmen nach langwierigen juristischen Auseinandersetzungen auf Vergleiche in mehreren Verfahren, in denen auch psychische Gesundheitsschäden geltend gemacht worden waren.
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Die wirtschaftlichen und rechtlichen Schwierigkeiten haben offenbar erheblich zur Entscheidung für das Insolvenzverfahren beigetragen. Character.ai will seine Plattform während des Verkaufsprozesses weiterhin betreiben. Dafür sollen ehemalige Mitarbeiter, die im Zuge des Wechsels von Karandeep Anand zu Disney ebenfalls zum Unterhaltungskonzern gegangen waren, zeitlich begrenzt Unterstützungsleistungen erbringen. Die Versteigerung der Vermögenswerte soll voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember abgeschlossen werden.
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Für Disney könnte die Transaktion einen weiteren Baustein seiner KI-Strategie darstellen. Der Konzern beschäftigt sich zunehmend mit Möglichkeiten, künstliche Intelligenz für Unterhaltungsangebote und neue Formen der Interaktion mit Figuren einzusetzen. Im vergangenen Jahr hatte Disney bereits eine kurzlebige Vereinbarung mit OpenAI zur Lizenzierung von Charakteren für den Videogenerator Sora geschlossen. Darüber hinaus nahm das Unternehmen mehrere KI-Firmen in sein Accelerator-Programm für 2026 auf, mit dem junge Technologieunternehmen bei der Entwicklung neuer Unterhaltungserlebnisse unterstützt werden.
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Auch Character.ai hatte sein Angebot zuletzt über klassische Chatbot-Gespräche hinaus erweitert. So führte die Plattform eine Reihe kurzer, KI-gestützter Dramen ein, die auf eigenen Charakteren des Dienstes basieren. Gerade solche interaktiven Erzählformen könnten für einen Unterhaltungskonzern wie Disney interessant sein, der über zahlreiche bekannte Figuren und Geschichten verfügt. Welche konkreten Einsatzmöglichkeiten Disney mit den angebotenen Rechten verfolgt, ist allerdings noch nicht bekannt.
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Noch steht nicht fest, ob Disney bei dem Verkaufsverfahren tatsächlich den Zuschlag erhält. Ebenso offen ist, welche weiteren Vermögenswerte von Character.ai an andere Käufer gehen könnten. Der Einstieg als erster Bieter zeigt jedoch, dass der Medienkonzern seine Investitionen in künstliche Intelligenz nicht auf die interne Entwicklung entsprechender Technologien beschränken möchte.
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Colin Adams, Geschäftsführer von Character.ai: „Im vergangenen Jahr hat Character.ai bedeutende Schritte unternommen, um sein Geschäft angesichts erheblicher rechtlicher, regulatorischer und operativer Herausforderungen zu stabilisieren und zu verbessern. Nach einer umfassenden Prüfung der verfügbaren Alternativen ist der Verwaltungsrat zu dem Schluss gekommen, dass dieses gerichtlich überwachte Verkaufsverfahren dem Unternehmen die beste Möglichkeit bietet, den Wert für alle Beteiligten zu maximieren. Während wir diesen Prozess durchlaufen, bleibt es für uns eine der obersten Prioritäten, unserer Character.ai-Community weiterhin ein sicheres und ansprechendes Nutzererlebnis zu bieten.“

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