Hingeschaut

«NMR History»: Harmlos und abwaschbar

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Das darf auch mal sein: Mit «NMR History» verkürzt einfach nur ein originell präsentiertes Best-of die Wartezeit auf neues Futter der «Neo Magazin Royale»-Crew.

Ein kleiner Rückblick …
Deutschlands Feuilleton-Redaktionen vor fünf Wochen: "Scheiße, es gibt ein neues «Neo Magazin Royale»-Special?! Wer hat am Abend des 27. Februars Zeit, sich das anzugucken und eine Reaktion zu schreiben?! Na los, hopp!" Bei Spiegel Online, Focus und Co. hat sich zudem garantiert folgendes zugetragen: "Und haut Push-Eilmeldungen raus! Was kann in fünf Wochen schon Relevanteres passieren, das echte Eilmeldungen rechtfertigen würde?"

Und hier bei Quotenmeter.de? Hier sah es ähnlich aus, nur entspannter. "Ui, Ende Februar kommt ein «Neo Magazin Royale»-Special! Schnell mal melden, wann das läuft – das dürfte unsere Leserschaft interessieren. Und, joah, machen wir ein Hingeschaut?" Ein treuer Böhmermann-Zuschauer namens Sidney Schering meldete sich: "Ich guck's eh, also kann ich auch was dazu schreiben." Tja, und da sind wir nun …

Tja, da sind wir nun.
Böhmermann wird nun wahrscheinlich mit einer Mischung aus Stolz, Schadenfreude und Fremdscham auf den deutschen Feuilleton-Wald blicken: Er macht was, und die Journaille springt. Völlig egal, ob er nun einen Coup vom Format des #Verafakes gemacht hat oder einfach nur einen gemeineren Witz bei «Fest & flauschig» vom Stapel ließ. Oder, um zum heutigen Fernsehabend zu kommen: Selbst wenn ein «Neo Magazin Royale»-Rückblickspecial über den Äther geht, folgen die Meldungen. Nun, das zeigt einerseits, wie groß die Faszination ist, die Böhmermann und die bildundtonfabrik auf die Medien-Ressorts ausüben. Das darf man als Kompliment ansehen.

Andererseits führt es natürlich vor, wie die Mechanismen in der Medienberichterstattung aussehen. Wenn selbst ein völlig harmloses, nettes Best-of seinen eigenen Artikel erhält, muss was schief gelaufen sein. Aber zu unserer Verteidigung: Die Aufgabe wurde verteilt, bevor irgendwer wusste, worauf das Special letztlich hinaus läuft, und nun ist nach Redaktionsschluss und ich werde meinen hart arbeitenden Chefredakteur nicht aus dem verdienten Feierabend klingeln, um zu ihm zu sagen, dass ich jetzt meine Füße hochlegen und den Laptop zuklappen werde, statt meine Arbeit zu machen. Machen wir einfach das Beste draus, ja?

Ein kleiner Rückblick!
Das ominöse, «NMR History» betitelte, zweiteilige «Neo Magazin Royale»-Special ist also genau das geworden: Ein kleiner Rückblick, so wie er auch vor der großen Abschiedssendung hätte laufen können. Wie es sich für die bildundtonfabrik gehört, ist es immerhin ein mit Liebe zur Kauzigkeit gemachtes Best-of, und nicht bloß eine schnell zusammengeschusterte Clipshow – Böhmermann hat ja keine Mini-Staatskrise ausgelöst, so dass kurzfristig eine Folge der Show ausfällt und der Programmplatz gefüllt werden musste!

In betont ernster «ZDF History»-Ästhetik gehüllt, blickt «NMR History» schlicht auf einige Höhepunkt der Formatgeschichte zurück. Ironische Erzählkommentare und ein als Moderator fungierender Florentin Will mit leicht verschwörerischer Attitüde (als stünde er mit einem Bein in der Rolle des Florentin Ulfkotte) lockern den Rückblick auf und versehen ihn mit neuen Gags. Da wirft eine Triceratops-Dame Böhmermann vor, er hätte sie ausgebootet, und Stefan Raab wird als "gelernter Metzgerssohn" bezeichnet – ein sehr beiläufiger Gag. Solche Pointen sind ein verkanntes Markenzeichen der bildundtonfabrik – die große Öffentlichkeit schaut eher auf die Selbstironie und die satirischen Beiklänge als auf diese schnellen, kleinen Witzlein.

Das Warten auf die Rückkehr der wöchentlichen Böhmermann-Show, dann im ZDF, lässt sich damit sympathisch verkürzen. Und wer weiß – vielleicht verhindert die Existenz solcher Specials, dass das Feuilleton sich in Zukunft noch immer so schnell von Böhmermann aufscheuchen lässt wie jetzt noch. Das hätte auch was für sich.

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