Hintergrund

Plague Inc.: Ein schlechter Scherz?

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Seit einigen Jahren ist ein Computerspiel auf dem Markt, indem man ein Virus kreiert und die Menschheit auslöschen muss.

Seit Ende Dezember 2019 tritt der neuartige Virus-Stamm COVID-19 in Erscheinung. Das Corona-Virus, das erstmals in der Acht-Millionen-Metropole Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei auftrat, beherrscht seit einigen Wochen die Medien. In einer chinesischen Stadt wurde beispielsweise innerhalb von zehn Tagen ein Notfall-Krankenhaus aufgebaut und zahlreiche Sperrzonen eingerichtet. Das europäische Land Italien hat elf Ortschaften isoliert.

Forscher vermuten, dass ein Säugetier oder Geflügel als Wirt des Corona-Virus in Frage kommt. Chinesische Wissenschaftler verwiesen darauf, dass Schlagen, aber auch Wildtriere wie Fledermäuse oder Kaninchen als Erreger in Frage kommen. Die Inkubationszeit kann laut Robert-Koch-Institut (RKI) bis zu 14 Tage betragen, weshalb auch die potenziellen Betroffenen zwei Wochen in Quarantäne verbringen müssen. Neben den Symptomen wie Fieber, Muskelschmerzen und Husten können sich Infektionen der Atemwege bis zur Lungenentzündung entwickeln.

Infografik: So unterschiedlich schlägt das Coronavirus zu | Statista

Steht die Welt vor einer möglichen Epidemie wie damals die mittelalterliche Pest? Die Krankheit brach immer wieder seit 2008 auf der afrikanischen Insel Madagaskar aus und tötete seither über 100 Menschen. Innerhalb von zehn Jahren sind über 600 Menschen an der Krankheit gestorben. Dort ist der Corona-Virus noch nicht angekommen – allerdings kam der neue Virus schon nach Deutschland. Die gute Nachricht zuerst: 30 Prozent der Infizierten haben sich erholt, das entspricht bis Donnerstag rund 30.000 Patienten. 2.800 Menschen sind bislang weltweit gestorben. Das ist etwa die Hälfte von Menschen, die alleine in Deutschland an Krebs im Gehirn (die seltenste Krebsart) sterben.

Seit 2012 hat der Spieleentwickler Ndemic Creations das Spiel „Plague Inc.“ auf den Markt geworfen. Dieses wurde bis zum Ende des Jahres 2013 über 21 Millionen Mal heruntergeladen. Schon bei der Ebolafieber-Epidemie in Afrika war das Spiel, das unter anderem für Smartphones und Computer angeboten wird, auf dem Markt und erfuhr kaum Kritik. Die Bewertungen sind mit einem Metascore von 80 von 100 Punkten gut, im Google Play-Store ist das Game mit viereinhalb von fünf Sternen bewertet.

Bei „Plague Inc.“ spielt der Nutzer gegen die gesamte Weltbevölkerung. Man startet mit einem relativ harmlosen Virus in einem Land seiner Wahl. Mit Hilfe von Punkten kann man sein Virus weiterentwickeln, sodass ein gewisser Lerneffekt einsetzt. Die Credits können unter anderem über Verbreitungswege investiert werden, die auch wieder in mehreren Stufen von Nutztieren, Impfungen oder Luft- und Wasserwege unterteilt sind.



Wer zu schnell in Virus-Manipulationen investiert, wird schnell gestoppt. Die Grenzen der Länder werden geschlossen, internationaler Reiseverkehr ist nicht mehr möglich. Somit hat der Spieler schon verloren. Will man eine Mission abschließen, darf die Krankheit nicht entdeckt und die Schwere – bis zu einer großen Ansteckung – möglich gering gehalten werden. Zusätzlich forschen Fachleute im Spiel gegen den Virenstamm, sodass ein Zeitlauf gegen die Wissenschaft entsteht.

Carsten Görig (Der Spiegel) war schon 2013 von der Idee angetan: „Ich gehe nach den Regeln der Katastrophenfilme vor: Das Bakterium setze ich dort aus, wo es nicht sofort entdeckt wird: in Zentralafrika. Dort kann es von Moskitos übertragen werden und viele Menschen erreichen, bevor Ärzte darauf aufmerksam werden.“ Stefan Köhler von GameStar urteilte: „‘Plague Inc: Evolved' macht Spaß, das Spiel hat für mich aber einen faden Beigeschmack.“ Man lerne zwar etwas über die Verbreitung von Krankheiten und Entstehung von Pandemien, aber nur über die Auslöschung der Welt. „Es ist schon ein bisschen gruselig zu sehen, wie die eigene Seuche schrittweise um sich greift. Aber das Spiel bietet aufgrund seines Simulationsansatzes, der auf epidemiologischen Grundlagen fußt, auch einen Bildungswert“, meinte Marcel Kleffmann von 4Players. „Die Ausbreitung wird zwar in einem vereinfachten globalen Mikrokosmos gezeigt, aber das Spiel selbst ist strategisch anspruchsvoll.“

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