Schmonzettenkönig Nicholas Sparks macht offenbar gerade Pause. Für die regelmäßige Überdosis Schmalz sorgt dafür Bethany Ashton Wolf, die mit ihrer gefälligen Country-Romanze «Forever My Girl» jedoch auch über die Zielgruppe hinaus solide zu unterhalten weiß.
Genauso klar ist auch der Ausgang von Bethany Ashton Wolfs («Little Chenier») Musikerromanze und Romanverfilmung «Forever My Girl», die aus Sicht von Inszenierung und Thematik ebenso gut von Sparks selbst stammen könnte. Selbst das sonnenlichtdurchtränkte Plakat spricht Bände; fehlt eigentlich nur noch das romantische Küstenstädtchen, das in diesem Fall dem US-amerikanischen Hinterland weichen muss, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass «Forever My Girl» nicht bloß eine Romanze ist, sondern auch ein Musikfilm für Freunde des gefälligen Countrypop. Erzählerisch wendet die Regisseurin und Drehbuchautorin Wolf aber direkt zu Beginn einen erzählerischen Kniff auf: Sie beginnt ihre Geschichte, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Heidi McLaughlin, einfach dort, wo andere enden: auf der Hochzeit, oder besser gesagt: auf der Nicht-Hochzeit, wenn Josie noch vor dem Traualtar von ihrem Liebsten sitzen gelassen wird.
Aufgezogen ist «Forever My Girl» trotzdem nach gängigen Romantikfilmmustern. Auf anfängliche Antipathie – und sei diese diesmal auch nur einseitig begründet – folgen einige gemeinsame Momente, in denen Liam und Josie die Distanz zwischen einander sukzessive überwinden und schließlich wieder zusammenfinden. Das alles geschieht unter Zuhilfenahme großer Gesten, immer einen Tick zu sehr ausformulierter Dialoge, vor malerische Kulisse und unter dem Sound gefühliger Countrypopballaden. Doch nicht nur dank der stimmigen Chemie zwischen Alex Roe («Die 5. Welle») und Jessica Rothe («Happy Deathday») ist das Ganze bei all seiner kitschigen Vorhersehbarkeit immer noch grundsympathisch, es ist vor allem die seit «Ant-Man» bekannte Abby Ryder Fortson, die in der Rolle der frech-weisen Billy jede Szene an sich reißt und das Ganze weg von aufgesetzter Schwere und hin zu angenehmer Leichtigkeit führt. Wenn sie und ihr Dad im Finale schließlich gemeinsam auf der Bühne stehen und singen, dann sieht man den Schmalz zwar aus jeder Leinwandpore triefen, aber so richtig böse sein kann man «Forever My Girl» für all das dann auch wieder nicht.
Musikalisch ausgeschmückt mit einem ganzen Potpourri an Songs, die jede Situation in «Forever My Girl» mit der Brechstange (aber immerhin tonal stimmig) untermalen, wird in der dramatischen Romanze nichts dem Zufall überlassen. Den Höhepunkt der konstruierten Annäherung bildet ein «Fifty Shades of Grey»-Gedächtnismoment, in dem Liam seine Josie auf einen Flugzeugflug über die nächtliche Großstadt einlädt – schmalziger geht es nicht, erst recht, wenn er anschließend vor versammelter Presse ihre Hand nimmt und sie als "The One“ vorstellt. Trotzdem gelingt es Alex Roe, die beiden grundlegend verschiedenen Facetten seines Charakters gekonnt unter einen Hut zu bringen: Da ist auf der einen Seite der Weltstar (offenbar hat er mit seine gefühlsduseligen Countrymucke den Status eines Robbie Williams erreicht: Respekt!), der noch nicht einmal weiß, wie eine Kaffeemaschine funktioniert und der so gar nicht ins gediegene Landleben passt. 

• Ant-Man • Die 5. Welle • Fifty Shades of Grey • Forever My Girl • Happy Deathday • Little Chenier • Safe Haven – Wie ein Licht in der Nacht • The Choice – Bis zum letzten Tag
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