Die Kritiker

«Meine Frau, ihr Traummann und ich»

von

Eine Liebes-Dramödie vom Fließband. Nur mit anstrengenden Comedyeinlagen und einer unnötigen Rahmengeschichte.

Cast und Crew

  • Regie: Walter Weber
  • Darsteller: Axel Milberg (als Richard), Ulrike Kriener (als Charlotte), August Zirner (als Stefan), Hendrik Duryn (als Thomas), Katharina Lorenz (als Ulla), Ulrike Tscharre (als Christine) und weitere
  • Drehbuch: Georg Weber
  • Kamera: Volker Tittel
  • Schnitt: Veronika Zaplata
  • Musik: Dominik Giesriegl
  • Produktion: Annette Reeker, Levon Melikian
Vor wenigen Monaten geisterte es durch die Fachpresse: Das ZDF will seine eigenproduzierten Filmromanzen moderner gestalten. Ihnen durch eine zeitgemäßere Gestaltung zu neuer Relevanz verhelfen. Wie viele Experimente braucht auch dieses Unterfangen mehrere Anläufe, um dauerhaft glattzugehen. «Meine Frau, ihr Traummann und ich» ist einer dieser typischen Fehlversuche, die es wohl braucht, um sich letztlich einer soliden Herangehensweise anzunähern. Denn diese Liebes-Tragikomödie über ein Ehepaar, dass in den besten Jahren seine gemeinsame Zukunft hinterfragt, ist eigentlich völlig abgedroschenes Standard-Fernsehfilmmaterial. Plus mit einem halbseidenen aktuellen Aufhänger, um moderner zu wirken. Sozusagen erzählerischer kalter Kaffee – mit einem Schuss Karamellsojacremé. Oder was auch immer derzeit modern ist.

Der Werbefotograf Richard (Axel Milberg) ist mit sich selbst und seiner Lebenslage absolut zufrieden. Am Halt seiner Ehe zweifelt er kein Stück. In Wahrheit zeigt das Idyll jedoch seit dem Auszug des schweigsamen Sohnes erste (und ernste!) Risse. Als Richards Gattin Charlotte (Ulrike Kriener) von ihrer besten Freundin Ulla (Katharina Lorenz) hinter ihrem Rücken bei einem Online-Datingportal angemeldet wird, kommt es dann zur großen Zäsur in der langjährigen Ehe. Denn beim Abgleich von Charlottes Daten wurde ein Single gefunden, der mit ihr eine rekordverdächtige Übereinstimmung von 98 Prozent hat. Richard kommt gegen den Fremden namens Thomas (Hendrik Duryn) nicht an, denn seine Daten ergeben auf dem Portal bloß eine Bewertung von schlappen 14 Prozent.

Und so kommt es, dass Charlotte einem Rendezvous mit dem Lehrer zustimmt. Selbstbewusst und mit Sinn für Humor gibt Richard sogar seinen Segen. Aus der Spielerei wird aber Ernst, als Thomas bekundet, die seit annähernd 25 Jahren verheiratete Frau wirklich zu begehren. Charlotte gerät ins Schwanken. Und Richard gerät erstmals seit vielen, vielen Jahren in Selbstzweifel …

Es ist eine Story, wie sie im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen gefühlt einmal die Woche erzählt wird: Das langsam alternde Ehepaar, dessen Beziehung zueinander mehr Routine denn Liebe ist, bis sie plötzlich durch einen Nebenbuhler oder eine Nebenbuhlerin herausgefordert wird. Dieses Mal lernen sich die zweifelnde Gattin und der attraktive, jüngere Schwarm nicht auf einem Opernball, in der Lyrikvorlesung oder im Theater, sondern halt im bösen, bösen Internet kennen. Damit wäre die Frage nach Modernisierung in diesem Fall auch schon abgeschlossen.

Gegen ausgetretene Grundideen für Filme und minimale Aktualisierungsversuche ist ja dann nicht all zu viel zu sagen, wenn die Umsetzung dessen ungeachtet zu fesseln weiß. Altbekanntes Material kann bei ansprechendem Skript und engagierten Darstellern noch immer in einen soliden Fernsehfilm münden. «Meine Frau, ihr Traummann und ich» gelingt dies aber nicht. Allein schon die Rahmenhandlung, die Richard in aller Gelassenheit auf dem Weg zum Amtsgericht zeigt, nimmt der Dramödie viel Wind aus den Segeln, ohne die Kernerzählung nennenswert zu bereichern. Der zentrale Plot besteht dann aus dem üblichen Gezanke zwischen den am Liebesdreieck beteiligten Parteien. Hinzu kommen ins Leere laufende Nebenstränge, etwa über ein anstrengendes Mutter-Tochter-Gespann beim Kleiderkauf oder rund um Richards fast in Vergessenheit geratenen Kupferstecher Stefan (August Zirner).

Dass Traummann Thomas als Lyriker, Opernkenner und Sportass ein wandelndes Klischee ohne den geringsten Hauch Ironie ist, macht das „Best Ager“-Luststück dann erst so richtig schwer verdaulich. Da hilft es auch nicht, dass die eigentlich talentierten Hauptdarsteller Ulrike Kriener und Axel Milberg das dürftige Material dadurch zu kompensieren versuchen, indem sie drei Gänge hoch schalten und in den Comedyeinlagen überagieren – egal, ob sie schrill singen oder laut Schnarchattacken vortäuschen.

Fazit: Inhaltlich Massenware, in der Umsetzung dröge bis anstrengend. Schade um die talentierten Beteiligten vor und hinter der Kamera.

«Meine Frau, ihr Traummann und ich» ist am 15. Dezember 2014 ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen.

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