Als «Fifty Shades of Grey» im Februar 2015 in die Kinos kam, war der Film trotz schwacher Kritiken ein gigantisches Geschäft. Die Verfilmung des Romans von E. L. James nahm weltweit mehrere Hundert Millionen US-Dollar ein, entwickelte sich zum Gesprächsthema und war mit ihren steifen Dialogen, ihrer umstrittenen Beziehungsgeschichte und der viel diskutierten Chemie zwischen Dakota Johnson und Jamie Dornan eine dankbare Vorlage für eine Parodie. Nur ein Jahr später lieferte Marlon Wayans mit «Fifty Shades of Black» die vermeintlich passende Antwort. Allerdings zeigte sich schnell: Einen ohnehin bereits unfreiwillig komischen Film überzeugend zu verspotten, ist schwieriger, als es zunächst klingt.Die Geschichte folgt dem Original ausgesprochen eng. Die schüchterne Studentin Hannah Steale soll für ihre Hochschulzeitung den wohlhabenden Unternehmer Christian Black interviewen. Während Hannah naiv, unerfahren und unsicher auftritt, präsentiert sich Christian als selbstverliebter Geschäftsmann mit luxuriösem Büro, rätselhafter Vergangenheit und ausgeprägtem Interesse an sexuellen Rollenspielen. Nach dem Interview beginnt zwischen den beiden eine Beziehung, in der Christian Hannah schrittweise in seine Welt einführen möchte.
Aus Christian Grey wird also Christian Black, aus Anastasia Steele wird Hannah Steale und aus dem berüchtigten Spielzimmer des Originals wird eine Kulisse für möglichst viele Sexwitze. Hinzu kommen Christians Adoptivfamilie, Hannahs sexuell besonders aktive Mitbewohnerin Kateesha sowie eine Reihe überzeichneter Nebenfiguren. Jane Seymour und Fred Willard spielen Christians Eltern, Mike Epps ist als Hannahs Vater zu sehen. Florence Henderson tritt als ältere Verführerin Mrs. Robinson auf.
Eine richtige Handlung besitzt «Fifty Shades of Black» allerdings kaum. Der Film arbeitet sich hauptsächlich an bekannten Szenen aus «Fifty Shades of Grey» ab. Das erste Treffen, die Vertragsverhandlungen, Christians Luxusleben, seine Vergangenheit und die sexuellen Experimente werden nachgestellt und mit Slapstick, Körperhumor oder Anspielungen auf die Popkultur versehen. Wer das Original nicht gesehen hat, dürfte viele Szenen kaum verstehen. Wer es kennt, erhält meist nur eine gröbere und lautere Variante dessen, was bereits im Vorbild zu sehen war.
Genau darin liegt das größte Problem. Eine gute Parodie muss die Schwächen eines Films erkennen, sie überzeichnen und daraus eine eigene Aussage entwickeln. «Fifty Shades of Black» beschränkt sich dagegen häufig darauf, Szenen möglichst exakt zu kopieren und anschließend einen sexuellen Gag einzubauen. Dabei wäre die Vorlage voller Themen gewesen, die sich für eine Satire angeboten hätten: die fragwürdige Darstellung von Kontrolle, der Reichtum des männlichen Protagonisten, die verklärte Beziehung, die gestelzten Dialoge oder die Vermarktung des Romans als gesellschaftliches Großereignis.
Marlon Wayans und sein Co-Autor Rick Alvarez interessieren sich jedoch kaum für eine tiefere Auseinandersetzung. Stattdessen dominieren Witze über Geschlechtsteile, Hautfarbe, vermeintliche Hässlichkeit und sexuelle Gewalt. Mehrfach wird Hannah von anderen Figuren abgewertet, obwohl die Geschichte gleichzeitig davon überzeugen möchte, dass Christian sich in sie verliebt. Viele Pointen bestehen lediglich darin, gesellschaftliche oder rassistische Klischees auszusprechen und anschließend auf einen Lacher zu hoffen.
Das ist besonders enttäuschend, weil Marlon Wayans grundsätzlich weiß, wie eine erfolgreiche Filmparodie funktioniert. Gemeinsam mit seiner Familie prägte er «Scary Movie», das zahlreiche bekannte Szenen aus Horrorfilmen nicht nur nachstellte, sondern deren Erzählmuster und Figurenbilder überzeichnete. «Fifty Shades of Black» fehlt dagegen das Gespür dafür, welche Schwäche des Originals gerade verspottet werden soll. Der Film wirkt deshalb weniger wie eine Satire als wie eine Sammlung von Sketchen, die mühsam durch die Handlung von «Fifty Shades of Grey» zusammengehalten werden.
Auch die Inszenierung von Michael Tiddes kann daran wenig ändern. Er hatte zuvor bereits mit Wayans an «A Haunted House» und dessen Fortsetzung gearbeitet. Produziert wurde «Fifty Shades of Black» für lediglich rund fünf Millionen US-Dollar. Die überschaubaren Produktionskosten sind zwar gelegentlich sichtbar, allerdings gehört die Ausstattung noch zu den besseren Bestandteilen. Kostüme, Büros und einzelne Schauplätze orientieren sich detailliert am Original. Selbst negative Kritiken hoben hervor, dass Kali Hawk Dakota Johnsons Darstellung erstaunlich genau nachahmt.
Hawk ist überhaupt die stärkste Darstellerin des Films. Sie versteht, dass Hannah nicht einfach nur laut oder albern sein darf, sondern die verunsicherte Körpersprache und den zurückhaltenden Tonfall des Vorbilds übernehmen muss. Marlon Wayans setzt als Christian Black dagegen fast vollständig auf Übertreibung. Seine Figur springt zwischen selbstgefälligem Millionär, inkompetentem Liebhaber und überdrehter Karikatur hin und her. Eine erkennbare Persönlichkeit entsteht dabei nicht.
Die Kritiken fielen entsprechend verheerend aus. Bei Rotten Tomatoes erreichte der Film nur vier Prozent positive Kritiken, bei Metacritic kam er auf 28 von 100 Punkten. Selbst das Kinopublikum bewertete ihn mit einem schwachen „C“. Bemängelt wurden vor allem der einfallslose Humor, die verstärkten rassistischen Stereotype, frauenfeindliche Pointen und Witze über sexuelle Übergriffe. «Fifty Shades of Black» erhielt außerdem Nominierungen für die Goldene Himbeere, unter anderem als schlechteste Neuverfilmung beziehungsweise Nachahmung und für Jane Seymour als Nebendarstellerin.
Von einem finanziellen Flop kann dennoch keine Rede sein. Der Film spielte weltweit rund 22,2 Millionen US-Dollar ein und kostete lediglich etwa fünf Millionen. Zwar blieb der Start in Nordamerika mit 5,9 Millionen Dollar deutlich hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück, doch durch das niedrige Budget dürfte die Produktion profitabel gewesen sein. «Fifty Shades of Black» ist deshalb kein klassischer Kassenabsturz, sondern ein Film, der wirtschaftlich genau nach dem damaligen Geschäftsmodell funktionierte: eine populäre Marke schnell aufgreifen, billig produzieren und von der Bekanntheit des Originals profitieren.
Auch für Marlon Wayans bedeutete der Film keinen Karriereknick. Er blieb als Schauspieler, Autor, Produzent und Stand-up-Comedian aktiv, spielte später unter anderem in «Air» und dem Horrorfilm «Him» mit und kehrte 2026 gemeinsam mit seinen Brüdern zur «Scary Movie»-Reihe zurück. Regisseur Michael Tiddes blieb ebenfalls im Comedybereich tätig und inszenierte unter anderem «Naked», «Sextuplets», «Half Baked: Totally High» und schließlich den neuen «Scary Movie».
Kali Hawk war nach dem Film weiterhin in Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen, erreichte aber nicht die Bekanntheit ihres Filmpartners. Für die älteren Nebendarsteller wurde «Fifty Shades of Black» zu einer der letzten größeren Studiokomödien. Florence Henderson starb noch im Jahr 2016, Fred Willard im Jahr 2020. Beide hatten jedoch längst umfangreiche Karrieren hinter sich, die durch diesen Film weder aufgewertet noch ernsthaft beschädigt werden konnten.
Für Quotenmeter ist «Fifty Shades of Black» vor allem deshalb spannend, weil er eine fast verschwundene Form der Komödie repräsentiert. In den 2000er Jahren kamen regelmäßig Filme ins Kino, die aktuelle Blockbuster möglichst schnell und möglichst derb parodierten. Nach «Scary Movie» folgten Produktionen wie «Date Movie», «Epic Movie», «Disaster Movie» oder «Vampires Suck». Das Konzept nutzte sich jedoch immer weiter ab, weil nicht mehr Genres, sondern lediglich Trailer, einzelne Filmszenen und aktuelle Prominente nachgestellt wurden.
«Fifty Shades of Black» steht am Ende dieser Entwicklung. Der Film hatte eine geeignete Vorlage, einen erfahrenen Komiker und sogar einige Darsteller, die ihre Rollen mit erkennbarem Einsatz spielten. Doch statt das Phänomen «Fifty Shades of Grey» intelligent auseinanderzunehmen, setzte die Produktion auf billige Provokationen. Finanziell ging die Rechnung auf. Künstlerisch blieb jedoch eine Komödie zurück, die weniger überraschend, weniger bissig und teilweise sogar weniger lustig ist als der Film, den sie verspotten wollte.







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