Stab
Darsteller: Johanna Wokalek, Stephan Zinner, Yoli Fuller, Shenja Lacher, Sophie Rogall, Victoria MayerMusik: Ege Ateslioglu
Kamera: Namche Okon
Drehbuch und Regie: Christian Bach
Der Ausgangspunkt ist gleich doppelt irritierend: In einer Münchner Isarwehranlage wird eine tote Frau entdeckt, deren Zustand nicht zu dem Geständnis des bereits verurteilten Täters passt. Parallel dazu bearbeiten die Kommissare einen tödlichen Autounfall mit Fahrerflucht, dessen Verursacher – der arbeitslose Familienvater Victor Reisinger – ebenfalls schnell gefunden ist und ebenfalls gesteht. Doch auch hier stimmen die Details nicht.
Diese doppelte Irritation ist der Motor des Films. Die Ermittler Cris Blohm und Dennis Eden, gespielt von Johanna Wokalek und Stephan Zinner, bewegen sich dabei durch ein Netz aus Aussagen, Halbwahrheiten und psychologischen Motiven. Besonders Wokalek trägt den Film mit einer konzentrierten, fast stoischen Präsenz. Ihre Blohm wirkt wie eine Frau, die gelernt hat, nicht nur Fakten zu misstrauen, sondern auch Emotionen. Das macht ihre Figur gleichzeitig faszinierend und ein wenig schwer zugänglich.
Zinner wiederum sorgt als Dennis Eden für eine angenehm erdige Balance. Er ist kein lauter Gegenpol, eher eine Art pragmatisches Gegengewicht zu Blohms analytischer Strenge. Das Zusammenspiel der beiden wirkt inzwischen gut eingespielt – nicht spektakulär, aber glaubwürdig, und genau das passt zu diesem eher nachdenklichen «Polizeiruf 110».
Ein besonderer Reiz entsteht durch die Nebenfiguren, allen voran durch den renommierten Anwalt August Schellenberg, gespielt von Tobias Moretti. Moretti bringt eine elegante Ambivalenz in die Rolle: Sein Schellenberg ist charmant, intellektuell und gleichzeitig schwer einzuschätzen. Die Szenen mit ihm gehören zu den stärksten Momenten des Films, weil sie weniger wie klassische Ermittlungsdialoge wirken, sondern eher wie kleine philosophische Debatten über Verantwortung und Wahrheit.
Visuell setzt Kameramann Namche Okon auf eine zurückhaltende, leicht kühle Bildsprache. München erscheint hier als funktionaler urbaner Raum aus Beton, Wasser und Verkehr. Die Isar wird nicht romantisch inszeniert, sondern eher als indifferent wirkende Naturkulisse – ein Ort, der Geheimnisse genauso gleichgültig aufnimmt wie er sie wieder ausspuckt.
Gleichzeitig ist der Film jedoch so sehr mit seiner zentralen Idee – falsche oder zumindest zweifelhafte Geständnisse – beschäftigt, dass er stellenweise etwas konstruiert wirkt. Die Parallelen zwischen den beiden Fällen sind dramaturgisch interessant, aber man spürt auch, wie sehr das Drehbuch darauf hinarbeitet, diese Spiegelungen sichtbar zu machen. Manchmal wäre weniger Konzept vielleicht mehr Leben gewesen. Trotzdem überzeugt «Ablass» als ein «Polizeiruf 110», der seinem Publikum etwas zutraut: Geduld, Aufmerksamkeit und Interesse an moralischen Grauzonen. Statt spektakulärer Action bietet der Film ein stilles, nachdenkliches Kriminaldrama über Schuld und Selbstrechtfertigung. Dass er dabei nicht jede dramaturgische Kurve perfekt nimmt, ist fast verzeihlich – denn schon länger hat ein deutscher Fernsehkrimi nicht mehr so konsequent versucht, die Mechanik von Wahrheit und Lüge zu hinterfragen.
Der Film «Polizeiruf 110 – Ablass» wird am Sonntag, den 15. März um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt.







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