Interview

Diana Amft: ‚Wir dürfen erzählen, was Frauen Mitte vierzig bewegt‘

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In der Thriller-Serie «Tage, die es nicht gab» steht Diana Amft als Unternehmerin Doris Hauke im Zentrum eines dichten Beziehungsdramas, das Krimi, Psychothriller und Gesellschaftsstudie miteinander verbindet.

Vier Frauen, jahrzehntelange Freundschaften, verdrängte Wahrheiten – und ein Mord, der alles ins Wanken bringt. Im Interview spricht Amft über Fallhöhen, Loyalität, das Schweigen aus Liebe, den Preis des perfekten Scheins und darüber, warum Geschichten über Frauen in der Lebensmitte heute wichtiger sind denn je.

«Tage, die es nicht gab» rückt vier Frauen Mitte vierzig ins Zentrum eines Thrillers. Was bedeutet es Ihnen, Teil einer Serie zu sein, die weibliche Lebensrealitäten so konsequent in den Fokus stellt?
Es bedeutet mir sehr viel und ich bin auch sehr dankbar für diese wunderbare Rolle. Frauen Mitte vierzig haben, wie unsere Charaktere zeigen, schon Einiges erlebt und viel zu erzählen und ich freue mich sehr, dass wir es dürfen. Und wie man ja anhand der Resonanz sehen kann, wird es auch sehr dankbar vom Publikum angenommen, was uns alle natürlich nochmal bestätigt und riesig freut.

Ihre Figur Doris Hauke beginnt als scheinbar stabile Unternehmerin mit intaktem Familienleben – und gerät dann massiv ins Wanken. Was hat Sie an dieser Fallhöhe besonders gereizt?
Schauspielerisch gesehen ist es natürlich immer ganz wunderbar Fallhöhen spielen zu dürfen. Aber ich habe mich so in meine Filmfamilie und somit auch meinen Film-Ehemann (gespielt von Rick Kavanian) verliebt, dass es mir schon auch ein bisschen weh tat, dass dieses vermeintlich perfekte Familienglück ins Wanken gerät. Ich habe sogar einmal beim Autor - liebste Grüße an den wunderbaren Mischa Zickler - angerufen und gefragt, ob ich da jetzt wirklich so hart reagieren muss. (lacht) Ihr werdet sehen, was ich meine, wenn ihr es euch anschaut. Es wird jedenfalls sehr spannend und lohnt sich.

Doris entscheidet sich anfangs bewusst gegen den Gang zur Polizei und für Loyalität gegenüber ihrem Umfeld. Wie nachvollziehbar ist dieses Schweigen aus Ihrer Sicht – und wo wird es gefährlich?
Sowas kann man ja nur individuell beurteilen. In Doris‘ Fall fand´ ich es gut, dass sie natürlich erstmal versucht, alles familienintern und auch freundesintern zu klären. Ihr Umfeld sind ja in dem Fall alles Menschen, die ihr viel bedeuten.

Die Serie erzählt weniger einen klassischen Krimi als ein Beziehungsdrama mit kriminalistischem Sog. Wie haben Sie diese Mischung aus Thriller, Psychodrama und Gesellschaftsanalyse erlebt?
Es war unfassbar spannend, aufwühlend, emotional und auch wunderschön. Diese Mischung macht diese Serie so besonders, man darf sich auf eine Reise durch sämtliche Gefühlswelten freuen und manchmal hinterlässt das eben bei unseren Figuren ganz schöne Spuren und stellt auch Vieles in Frage.

In Doris’ Geschichte spielen Macht, Abhängigkeit und öffentliche Images eine große Rolle – etwa durch den prominenten Ehemann. Wie politisch ist diese Serie Ihrer Meinung nach?
Ui, das finde ich schwer zu beurteilen, da ja dort jede Figur ihr eigenes Thema hat. In Doris‘ Fall ist es so, dass ihr Mann in der Öffentlichkeit steht und somit das Thema unfreiwillig öffentlich gemacht wurde. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es passiert ist. Dennoch wäre es, wenn man es genau nimmt, für die Familie schöner gewesen, wenn man das Thema ohne die Öffentlichkeit hätte lösen können. Ähnlich ist es mit den Geschichten der Freundinnen, aber da sollte sich jeder sein eigenes Bild zu machen. Also gerne einschalten oder streamen.

Vertrauen und Verrat ziehen sich durch alle Beziehungen der Figuren. Gab es Szenen, in denen Doris sich selbst besonders fremd wird?
Das ist sehr schwer zu beantworten. Auf der einen Seite liebt sie ja ihre Familie über alles. Ihre Tochter so oder so bedingungslos und eigentlich auch ihren Mann, aber das, was sie dort durchmacht, würde ich eher als eine Art Schock-Situation beschreiben. Ich denke sie braucht noch eine Weile, um das alles richtig zuzuordnen. Sie stellt natürlich Vieles in Frage und die gesamte Situation ist ihr völlig fremd.

Die Freundschaft der vier Frauen wirkt gleichzeitig stabil und fragil. Was hält diese Verbindung zusammen – und was bedroht sie am stärksten?
Sie sind seit ihrer Kindheit beste Freundinnen und haben sich geschworen immer füreinander da zu sein. Dieses Versprechen erneuern sie immer wieder regelmäßig, gerade dann, wenn ihre Freundschaft auf die Probe gestellt wird. Es ist nicht immer einfach bedingungslos befreundet zu sein, schon gar nicht wenn Misstrauen im Spiel ist. Dann kann es auch schonmal zu einer Funkstille zwischen ihnen kommen, da es auch immer ziemlich krasse Themen betrifft.

Doris’ Loyalität zu ihrem Mann steht im Konflikt mit ihrer Verantwortung als Mutter. Wie haben Sie diese innere Zerreißprobe angelegt?
Für Doris wird ihre Tochter bedingungslos ihre Tochter bleiben, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Es ist ihr ganz wichtig ein innigeres Verhältnis zu ihrer Tochter zu haben, da sie selber es zu ihrer Mutter nie hatte.

Viele Zuschauerinnen kennen Sie aus eher leichten, humorvollen Rollen. Was bedeutet es für Sie persönlich, hier eine so dunkle, ambivalente Figur zu spielen?
Ich empfinde es als Geschenk. Ich als Schauspielerin liebe es, viele Facetten zeigen zu können. Ebenso wie ich es als Künstlerin mag unterschiedliche Seiten an mir zu entdecken wie z.B. zweitberuflich als Kinderbuchautorin arbeiten zu dürfen. Und dieses Jahr wird noch etwas Neues dazu kommen, worüber ich jetzt noch nicht reden darf, aber sehr bald und worauf ich mich schon sehr freue.

Die Serie zeigt, wie gesellschaftliche Eliten mit Problemen umgehen – oft diskret, strategisch, machterhaltend. War das für Sie ein wichtiger Subtext der Geschichte?
Es sind ja dennoch ganz normale Leute mit ganz normalen Sorgen und Problemen, die eben nicht alle mit Geld zu lösen sind. Ihre Position stellt lediglich da, dass sie evtl. hier und da andere Möglichkeiten haben, sie anzugehen. Aber wenn es um Recht und Gerechtigkeit geht, können auch sie sich diese nicht "erkaufen". Außerdem ist der Schein nach außen oftmals anders als es wirklich ist. Christiane und ihr Mann mussten zum Beispiel ihr Haus verkaufen, da sie es sich nicht mehr leisten konnten. Trotzdem versucht man den perfekten Schein nach außen aufrecht zu erhalten.

«Tage, die es nicht gab» erzählt von verdrängten Wahrheiten und dem Preis des Wegschauens. Was, glauben Sie, bleibt beim Publikum emotional am stärksten hängen?
Ich denke, dass es das Publikum hier und da zum Nachdenken anregt. Die Folgen laufen ja schon auf ORF On und in der ARD Mediathek und die Resonanz ist sensationell gut. Ich freue mich riesig und viele wünschen sich eine weitere Staffel. Und eins darf ich Ihnen verraten: Wir alle wünschen uns, dass es weiter geht, denn es gibt noch so viel zu erzählen und bei manchen Sachen möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Mir geht es jedenfalls so (lacht).

Wenn Sie auf Doris am Ende der Staffel blicken: Ist sie stärker geworden – oder einfach nur illusionsloser?
Das ist mitunter eine Frage, die ich mir auch stelle, daher muss es unbedingt weitergehen. Doris hat eine heftige Zeit durchlebt und steht meiner Meinung nach noch unter Schock mit allem, was passiert ist. Sie ist immer für ihre Tochter da, aber in ihrer Beziehung zu ihrem Mann ist ein heftiger Bruch passiert, dennoch haben sie schon so viele wunderbare Jahre gemeinsam gehabt und sie waren immer innig und haben zusammengehalten. Aber diese Probe wird härter als alles andere, was vorher war. Ihr merkt schon, es wird spannend, somit wünsche ich euch ganz viel Spaß beim Anschauen!

Danke für Ihre Zeit!

«Tage, die es nicht gab» ist seit 16. Januar in der ARD Mediathek abrufbar. Am Mittwoch, 4. Februar, strahlt Das Erste die Serie ab 20.15 Uhr aus. In der Nacht laufen die Folgen drei bis acht bis 04.45 Uhr.

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