Im Zentrum steht keine überzeichnete Heldenfigur, sondern ein nüchterner Ermittler, der Schritt für Schritt eine Mordserie aufklären muss. Jeder Fall beginnt am Tatort – und genau hier zeigt Confidential Killings seine größte Stärke. Die Schauplätze sind detailreich gestaltet und laden zum gründlichen Erkunden ein. Ob luxuriöse Villen, düstere Hinterzimmer von Filmstudios oder scheinbar harmlose Büroräume: Überall finden sich Hinweise, die nicht sofort ins Auge springen. Blutspuren, falsch platzierte Requisiten, widersprüchliche Dokumente oder beiläufige Aussagen bilden das Fundament der Ermittlungsarbeit.
Das Spiel verzichtet bewusst auf überdeutliche Hilfen. Es gibt keine blinkenden Marker, die jeden relevanten Gegenstand hervorheben. Stattdessen fordert Confidential Killings Aufmerksamkeit und Geduld. Hinweise müssen gesammelt, kombiniert und im Kontext bewertet werden. Nicht jedes Detail ist relevant, nicht jede Spur führt zum Ziel. Diese Offenheit verleiht dem Spiel eine gewisse Schwere, aber auch eine Authentizität, die klassische Detektivromane widerspiegelt.
Ein zentrales Element sind die Verhöre. Verdächtige reagieren nicht immer kooperativ, Aussagen widersprechen sich, und zwischen Wahrheit und Lüge liegt oft nur ein falscher Tonfall. Die Dialoge sind so geschrieben, dass sie selten eindeutig sind. Spieler müssen entscheiden, wann sie nachhaken, wann sie Druck ausüben oder wann sie einen Verdächtigen vorerst ziehen lassen. Falsche Schlüsse können Ermittlungen in eine Sackgasse führen – oder später teuer werden.
Narrativ greift «Confidential Killings» tief in die Mythen Hollywoods. Der Traum von Ruhm und Erfolg steht im starken Kontrast zu Ausbeutung, Manipulation und moralischem Verfall. Die Mordserie ist dabei mehr als nur ein Kriminalfall: Sie fungiert als Spiegel einer Industrie, in der Machtverhältnisse verschoben, Karrieren zerstört und Wahrheiten begraben werden. Das Spiel erzählt diese Themen nicht mit dem Holzhammer, sondern über Figuren, Akten und Nebenhandlungen, die sich allmählich zu einem größeren Bild fügen.
Spielmechanisch bleibt «Confidential Killings» überschaubar, aber fokussiert. Es gibt keine Kämpfe, keine Verfolgungsjagden und keinen Zeitdruck. Stattdessen liegt der Reiz im langsamen Fortschritt, im Moment der Erkenntnis, wenn ein scheinbar unbedeutendes Detail plötzlich Sinn ergibt. Das Notizsystem erlaubt es, Zusammenhänge festzuhalten, Verdächtige zu verknüpfen und Theorien zu entwickeln. Wer unaufmerksam spielt, verliert schnell den Überblick – wer strukturiert vorgeht, wird belohnt.
Visuell setzt das Spiel auf einen stilisierten Realismus mit deutlichen Noir-Anleihen. Gedämpfte Farben, starke Schatten, Neonlichter und rauchige Innenräume erzeugen eine Atmosphäre, die an klassische Hollywood-Krimis erinnert. Die Kamera bleibt meist ruhig, fast beobachtend, was den Eindruck verstärkt, selbst Teil einer Untersuchung zu sein. Auch das Sounddesign trägt viel zur Stimmung bei: zurückhaltende Musik, das Summen von Klimaanlagen, entfernte Straßen- oder Studiogeräusche schaffen eine konstante, unterschwellige Spannung.
Die aktuelle Resonanz zeigt, dass «Confidential Killings» besonders bei Fans von narrativen Spielen gut ankommt. Gelobt werden vor allem die ruhige Erzählweise, die glaubwürdigen Tatorte und der Mut, Spieler nicht an die Hand zu nehmen. Kritisch angemerkt wird gelegentlich das gemächliche Tempo, das nicht jedem liegen dürfte. Wer schnelle Belohnung oder Action sucht, wird hier nicht fündig. Wer jedoch Freude daran hat, sich in Details zu verlieren und selbst Schlüsse zu ziehen, findet ein Spiel, das Geduld ernst nimmt.






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