First Look

«Everything Sucks!»: Schöne Verpackung für eine schöne Liebesgeschichte

von

Netflix frönt jetzt den 90er-Jahren: Die neue Coming-of-Age-Dramedy «Everything Sucks!» hätte jedoch nicht zwingend in den 90ern spielen müssen.

Cast & Crew

  • Schöpfer: Ben York Jones, Michael Mohan
  • Besetzung u.a.: Jahi Di'Allo Winston, Peyton Kennedy, Patch Darragh, Claudine Mboligikpelani, Rio Mangini, Quinn Liebling, Sydney Sweeney, Elijah Stevenson
  • Produktion: Midnight Radio
Retro-Serien scheinen derzeit in Mode zu sein: Wenn nicht mal wieder irgendwo eine Serie wiederbelebt wird, dann spielt sie eben einfach in der Vergangenheit – am besten noch mit unverbrauchten und talentierten Jungdarstellern. Damit hat Netflix bei «Stranger Things» ja schon gute Erfahrungen gemacht. Nach den 80ern sind nun also folgerichtig die 90er dran und zwar in Form der neuen Dramedy «Everything Sucks!», deren Titel allerdings irreführend ist: Denn die suckt so gar nicht.

Wir schreiben das Jahr 1996. Luke, McQuaid und Tyler sind gerade erst in die neunte Klasse gekommen, als Freshmans der Boring Highschool gelten sie als Außenseiter. Die drei Film-interessierten Jungs treten alsbald dem Videoclub bei. Luke (Jahi Di'Allo Winston) verguckt sich dabei auf Anhieb in seine Mitschülerin Kate (Peyton Kennedy), die ausgerechnet die Tochter des Schuldirektors ist – was sie in gewisser Weise zu Plutonium macht, wie jemand anmerkt.

Wo die Liebe hinfällt …


Kein leichtes Terrain also für Luke, der austüfteln muss, wie er das Herz seiner Angebetete erobern kann. Komplizierter wird alles dadurch, dass Kate eigentlich dem gleichen Geschlecht angetan ist und ein Auge auf (die vergebene sowie heterosexuelle) Theaterschülerin Emaline (Sydney Sweeney) geworfen hat. Das führt zu einigen witzigen Situationen. So ist Kate daran gelegen, den ersten Kuss mit Luke möglichst lange hinauszuzögern – koste es, was es wolle. Zum Beispiel einen Feueralarm, bei dem durch die Sprinkler die gesamte Aula überschwemmt wird.

Die Mischung macht‘s


«Everything Sucks!» ist keine Serie, bei der es vor Gags sprudelt. In den Fällen, in denen sie Humor zeigt, geschieht das glücklicherweise mehr mit Dialogen, denn mit dem Holzhammer. Deswegen empfiehlt es sich übrigens auch, den O-Ton anzuschalten. Viel Wortwitz geht durch die deutsche Synchronisation verloren.

«Everything Sucks!» ist aber nicht nur amüsant, sondern bietet auch einige rührselige Momente – etwa, wenn man sieht, wie sich Luke bei Kate selbst nach ihrem Outing noch verzweifelt Mühe bei ihr gibt und versucht, das Ruder umzureißen. Obwohl das eigentlich hoffnungslos ist; was man eben nicht alles tut, wenn man verliebt ist. Kate hat hingegen mit ihrem eigenen Gefühlschaos zu kämpfen. Wie geht sie damit um, dass sie lesbisch ist?

Ebenso herzzerreißend ist das Anbandeln zwischen Kates Vater Ken Messner (Patch Darragh) und Lukes Mutter Sherry O‘Neil (Claudine Mboligikpelani), beide alleinerziehend. Ken, das sich stets an die Regeln haltende Schul-Oberhaupt, entdeckt gemeinsam mit ihr seine rebellische Seite – und ist relativ zügig Feuer und Flamme für Sherry. Beide hatten zuletzt weniger Glück mit der Liebe: Sherry wurde sitzengelassen, Kens Frau ist nach langer Krankheit gestorben. Die Serie erzählt hier mit viel Feingefühl, ohne dabei allzu kitschig zu werden oder auf die Tränendrüse zu drücken.

Die 90er sind allgegenwärtig


«Everything Sucks!» spart wahrlich nicht mit Referenzen auf die 90er. Das fängt schon in den ersten Minuten damit an, dass über die Sinnhaftigkeit der digitalen «Star-Wars»-Remakes diskutiert wird. Immer wieder wird einem vorgehalten: Wir befinden uns in den 90ern! VHS, Musikvideos, CDs, Röhrenfernseher, Kabeltelefone, Föhnfrisuren. Das weckt beim Zuschauer freilich ein heimeliges Nostalgie-Gefühl und unterstreicht den authentischen Look der Serie – umso mehr natürlich, wenn man im passenden Alter ist.

Doch was bleibt, wenn man all das wegnimmt? Das wird an einer Stelle durch die Blume sogar von den Machern kommuniziert: eine Liebesgeschichte. Und die würde im Grunde genommen auch in der heutigen Zeit funktionieren, ganz ohne das schicke Drumherum. Insofern ist der 90er-Jahre-Stil eher ein nettes Beiwerk. «Everything Sucks!» punktet insbesondere mit Wärme, Humor und bittersüßer Tragik. Die Charaktere wachsen einem recht schnell ans Herz und das ist viel mehr wert als ein 90er-Jahre-Feeling.

Die erste Staffel von «Everything Sucks!» hat zehn Folgen, sie sind ab sofort bei Netflix abrufbar.

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