First Look

«Will & Grace»: Willkommen zurück!

von   |  1 Kommentar

Seit dem Serienfinale vor elf Jahren ist viel Zeit vergangen. Doch Will, Grace, Karen und Jack sind gut gealtert. Und noch dazu passt die Sitcom perfekt in unsere Zeit. Ein erster Blick auf die Revival-Staffel:

Cast & Crew

Produktion: KoMut Entertainment, 3 Princesses and a P und Universal Television
Schöpfer: Max Mutchnick und David Kohan
Darsteller: Eric McCormack, Debra Messing, Sean Hayes, Megan Mulally u.v.m.
Executive Producer: Max Mutchnick, David Kohan und James Burrows
Es dürfte nicht übertrieben sein, «Will & Grace» als eine mitwirkende Ursache am grundsätzlichen Wandel der Einstellung der Amerikaner zur gleichgeschlichen Ehe anzuführen. Noch 2008 definierten die beiden aussichtsreichsten demokratischen (!) Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und Hillary Clinton die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau, wenige Jahre vorher wollte Präsident George W. Bush diese Auffassung durch ein (freilich in den politischen Realitäten unmögliches) Amendment in die amerikanische Verfassung aufnehmen. Heute, kein Jahrzehnt später, gelten solche Auffassungen als reaktionär und ein Präsident Trump, der den Konservatismus freilich eher aus Machtkalkül benutzte denn diese Ideologie selbst auszufüllen, zeigt sich stolz mit der Regenbogenflagge.

Mit einer schwulen Hauptfigur ist «Will & Grace» vor zwanzig Jahren zwangsläufig eine politische Serie gewesen – und das, obwohl sie spezifische (tages)politische Themen nur ganz am Rande betrachtete. Sicher, Will Truman (Eric McCormack) und seine beste Freundin und Mitbewohnerin Grace Adler (Debra Messing) waren liberal und weltoffen, Karen Walker (Megan Mulally) ihrem unermesslichen Vermögen gemäß konservativ-republikanisch und die herrlich exzentrische gute Seele Jack McFarland (Sean Hayes) am Tagesgeschehen dezidiert desinteressiert. Aber mit «Will & Grace» hielt eine unaufgeregte schwule Lebensrealität, diese völlige Normalität jener „Subkultur“, von 1998 bis 2006 acht Jahre lang Einzug in amerikanische Haushalte.

Heute, nach über einem Jahrzehnt Sendepause, muss «Will & Grace» natürlich politischer sein als je zuvor: Ein Ende September 2016 veröffentlichter Clip, in dem sich die vier Charaktere über ihre divergierenden Haltungen zur Präsidentschaftswahl die Köpfe zerbrachen, deutete diese Tendenz bereits an. Und damals war noch nicht einmal abzusehen, dass im November das Undenkbare eintreten würde.

Die erste Folge des Revivals ist gleich so politisch wie nie: Karen Walker, eine persönliche Freundin von Melania Trump (welch herrliche Idee!), vermittelt Grace den Auftrag, das Oval Office umzudesignen. Eigentlich kann die das Angebot nicht annehmen – schließlich steht Donald Trump für alles, was sie ablehnt. Doch die Versuchung all der Möglichkeiten, die ihr nach dieser Tätigkeit offenstehen würden, ist einfach zu groß.

Währenddessen schreibt Graces Roommate Will scharf formulierte eMails an einen republikanischen Kongressabgeordneten, der ihn mit seinem Vernichtungsfeldzug gegen alles Ökologische schon seit Ewigkeiten zur Weißglut treibt. Doch der Abgeordnete ist gleichzeitig sehr attraktiv – und Will würde ihn gerne daten. Jack fädelt bereitwillig einen Trip nach Washington ein, und schon stehen Will und Grace in ihrer gemeinsamen Inkonsequenz voreinander.

Diese Geschichte wirkt stellenweise eher wie der Aufhänger, um einen üppigen komödiantischen Vorrat an skurrilen und cleveren Vorstellungen zu bedienen: Die altreiche Karen mit ihrer fiepsigen Stimme, die im Oval Office einen Martini in Pat-Nixon-Größe und nicht der laschen Laura-Bush-Dosierung verlangt. Das Russischwörterbuch und der Fidget Spinner, die Grace auf dem berühmten Resolute Desk findet, nachdem sie zuvor noch beeindruckend von der Magie dieses Ortes gesprochen hatte, an dem einige der wichtigsten Entscheidungen der Menschheitsgeschichte getroffen worden waren. Und schöne selbstironische Seitenhiebe auf manche Misserfolge, die der Cast seit dem Ende der ursprünglichen Serie eingefahren hat, etwas Sean Hayes‘ nach ihm benannter Serienflop.

Von ihrer Haltung, von ihrem Erzählstil, von ihren immer noch spannenden und witzigen Figuren und ihren Themen her passt «Will & Grace» so gut in die heutige Welt wie in die von vor zwanzig Jahren. Das geht natürlich trotzdem nicht ohne dramaturgische Anpassungen. Das ursprüngliche Serienfinale, in dem sich Will und Grace völlig zerstreiten, über Jahrzehnte hinweg nichts mehr miteinander zu tun haben und erst, als ihre Kinder einander heiraten, wieder langsam zueinander finden, wird zu einem Alkohol- und Medikamenten-induzierten Traum von Karen umgedichtet, und von der ursprünglichen finalen Erzählung, mit der «Will & Grace» 2006 endete, bleiben nur noch die (Ex-)Beziehungen der beiden Hauptfiguren übrig. Es gab in der amerikanischen Seriengeschichte schon zynischere Rückänderungen der Charakterbiographien und Ereignisse.

Ohnehin liegt der Schlüssel zum (inhaltlichen) Erfolg einer Sitcom in der Figurenkonstellation, und an deren liebenswerten Zeichnungen hat sich nichts verändert. Will, Grace, Karen und Sean sind allesamt gut gealtert, sie sind nicht mehr ganz die Alten und das ist nach einem Zeitsprung von über zehn Jahren auch gut so. Willkommen zurück!

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Es gibt 1 Kommentar zum Artikel
tommy.sträubchen
30.09.2017 21:39 Uhr 1
Ich Freu mich... Hab alle 8 Seasons gern auf DVD gekauft...und die neunte und angekündigte zehnte Staffel werden bald dazu gestellt. Ach Karen Walker wie ich dich vermisst hab...hoffentlich bleiben die Quoten so stark wie gestern...10Mio und 10%Rating sehr schön.

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