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«Ungeklärte Fälle»: Ist Christoph Hoffmann RTL IIs Rudi Cerne?

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Nach dem Schema von «Aktenzeichen XY… ungelöst» zeigt RTL II am Mittwochabend die erste Folge von «Ungeklärte Fälle». Ob sich das Einschalten lohnt? Wir verraten es…

Die «ungeklärten Fälle» der ersten Sendung

  • die Morde an der 20-jährigen französischen Austauschstudentin Lucile und der 27-jährigen Carolin G., bei denen vermutlich derselbe Täter zugeschlagen hat.
  • der Fund einer unbekannten Frauenleiche vor 20 Jahren zwischen den Orten Eickhorst und Thune, deren Identität bis heute nicht geklärt werden konnte
  • der Mord am 26-jährige Alejandro G. in Berlin-Kreuzberg
  • die versuchte Vergewaltigung an einer 23-jährige Studentin in Göttingen, die sich eines frühen Morgens auf dem Nachhauseweg befand
„Bleiben Sie sicher“, sagt Rudi Cerne am Ende einer jeden Folge «Aktenzeichen XY… ungelöst», wenn er sich von seinen Zuschauern verabschiedet. Christoph Hoffmann formuliert es anders - und doch bleibt der Inhalt des Gesagten gleich. Mit den Worten „Passen Sie auf sich auf“ beendet der Moderator die erste Ausgabe von «Ungeklärte Fälle - Deine Hilfe zählt». Die neue Fahndungssendung ist heute Abend um 20.15 Uhr erstmalig bei RTL II zu sehen - und bedient sich nicht nur bei der Abschiedsformel an Elementen, die seit Jahrzehnten «XY» im ZDF zu enorm großem Erfolg verhelfen.

«Ungeklärte Fälle» beschäftigt sich - wie der Name wenig überraschend vermuten lässt - mit Kriminalfällen, bei denen die Täter auch nach Monaten und Jahren akribischer Ermittlungsarbeit nicht von der Polizei ermittelt werden konnten. Dabei wird nach einer kurzen Anmoderation zunächst in Einspielfilmen der Tathergang rekonstruiert. In zwei Fällen von vier Fällen sind danach auch die ermittelnden Kommissare zum Talk mit Christoph Hoffmann im Studio. Der fragt das eine oder andere nochmal nach und ruft die Zuschauer zum Geben von Hinweisen auf. Alles also so wie bei «Aktenzeichen XY»?

«Ungeklärte Fälle»: Nicht der erste Versuch des Privatfernsehens


Es ist kein Geheimnis, dass sich in den vergangenen Monaten und Jahren schon so mancher Sender - motiviert vom ZDF-Erfolg - an einem Fahndungsformat versucht hat. Da wäre zum Beispiel RTL zu nennen, das 2013 das mäßig erfolgreiche «Augenzeugen gesucht» zeigte. Sehr passabel schlug sich im vergangenen Jahr hingegen «Fahndung Deutschland» bei Sat.1, das am werktäglichen Vorabend zumeist eine Million Menschen erreichte. An den enormen Erfolg von «Aktenzeichen XY», das an guten Tagen mehr als sechs Millionen Zuschauer erreicht, ist bis jetzt aber noch niemand herangekommen.

Auch wenn es sicherlich nicht beabsichtigt war: Ein wenig kurios mutet es schon an, dass RTL II gleich in der ersten Folge von «Ungeklärte Fälle» auf einen aus «Aktenzeichen XY» bekannten Fall zurückgreift. Die Rede ist vom Mord am 26-Jährigen Alejandro G., der sich im November 2015 am Berliner Oranienplatz zugetragen hat. Am 1. März - also vor genau vier Wochen - hatte das ZDF den Fall schon einmal in der Sendung. RTL II erzählt die Geschichte des tragischen Mordfalls, in dem der Täter noch immer nicht ermittelt werden konnte, am Mittwoch erneut.

Langweilig macht das die Sendung trotzdem nicht, schließlich unterscheidet sich die Erzählart von «Ungeklärte Fälle» dann doch ein wenig vom «XY»-Schema. In seinen Einspielfilmen setzt das Format zwar auch auf nachgestellte Szenen, der Fokus liegt aber eher auf den ermittelnden Kommissaren. Diese werden von der Kamera auf dem Weg zu den Schauplätzen der Verbrechen begleitet, an denen sie die Vorfälle noch einmal detailliert analysieren.

Das hat die Produktion der Sendung an der einen oder anderen Stelle sicherlich aufwendiger gemacht – umso höher ist den Verantwortlichen anzurechnen, dass man hier keine Mühen gescheut hat. Qualitativ bewegen sich alle Einspieler übrigens auf hohem Niveau. Dabei dürfte RTL II mit Spiegel TV sicherlich auch den richtigen Produzenten an Bord geholt haben.

Dass die Kommissare deutlich stärker im Fokus stehen, wird besonders beim dritten Fall deutlich, der über 20 Jahre zurückliegt. Für ihn ist der inzwischen pensionierte Chef der Kripo Gifthorn, Jürgen Schmid, im Studio. RTL II betitelt den nicht geklärten Mord als Schmids letzten ungeklärten Fall. Das ist im Endeffekt vielleicht eine Ecke reißerischer als man es vom ZDF gewohnt ist. Wirklich negativ fällt das aber nicht ins Gewicht. Es zeigt vor allem, dass sich RTL II trotz aller zwangsläufigen Parallelen von bereits vorhandenen Fahndungsformaten ein wenig abheben möchte.

Junger Moderator, aktuelle Fälle


Auf Überfalle auf Rentner-Ehepaare verzichtet man unterdessen genauso wie auf nächtliche Juwelier-Überfälle. Bei «Ungeklärte Fälle» handelt es sich mit einer Ausnahme bei jedem Fall um Morde, die überwiegend an jungen Menschen verübt wurden. Das zeigt in letzter Konsequenz wohl auch, dass RTL II mit seiner Sendung eine jüngere Zielgruppe ins Auge fasst als die, die andere Sendungen dieser Art bedienen.

Ein Lob geht zudem an Moderator Christoph Hoffmann, der durch die Sendung mit fast schon überraschender Souveränität führt. Dass der 34-Jährige, der sonst für die «RTL II News» vor der Kamera steht, zum ersten Mal für eine Fahndungssendung moderiert, lässt er sich nicht anmerken. Den Kommissaren im Studio stellt er die richtigen Fragen, sein sachliches und zugleich angenehm dezentes Auftreten verleiht dem Format einen seriösen Anstrich. An der einen oder anderen Stelle wird er der Sendung im Falle einer Fortsetzung noch seine eigene Note geben dürfen – zum Auftakt bleibt aber festzuhalten, dass Hoffmann zweifellos die richtige Wahl war.

Dennoch bleibt der Sendung bei allem Lob ein entscheidender Nachteil gegenüber «Aktenzeichen XY»: Die Sendung wird nicht live produziert. Im Endeffekt sind es bei «XY» gerade auch die ermittelnden Kommissare, die im Studio sitzen, auf Live-Hinweise der Anrufer warten und der Sendung so eine besondere Atmosphäre verleihen. Zudem ermöglicht die Live-Situation, die Zuschauer in Echtzeit über den Stand der Anrufer- bzw. Hinweise aufzuklären. Auch RTL II hat den Auftakt von «Ungeklärte Fälle» erst letzte Woche aufgezeichnet. Den besonderen «XY»-Flair kann man so allerdings noch nicht vermitteln.

Bleibt für RTL II zu hoffen, dass auch die Zuschauer dem Format eine Chance geben - und es entdecken. Auf dem Primetime-Sendeplatz am Mittwochabend, auf dem vor sieben Tagen noch eine Doppelfolge der «Teenie Mütter» zu sehen war, wird ein seriöses Fahndungsformat womöglich nicht von jedem erwartet werden. Ein Quotenerfolg wäre «Ungeklärte Fälle» dennoch zu wünschen. Zum einen, weil die Sendung gut gemacht ist. Zum anderen, weil sie sich der Bekämpfung von Verbrechen verschrieben hat. Mehr Zuschauer bedeuten immer automatisch eine höhere Chance auf Aufklärung. Und Aufklärung sollte - bei allen wirtschaftlichen Interessen der Beteiligten - ohnehin die oberste Priorität darstellen.

«Ungeklärte Fälle – Deine Hilfe zählt» läuft heute Abend um 20:15 Uhr bei RTL II.

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