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Sonntagsfragen

Victor Coolman: „«SpongeBob» ist bis heute ein Erfolgsgarant“

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Victor Coolman, Vice President Programming Nickelodeon, verrät in unseren Sonntagsfragen, warum Fernsehen für Kinder nicht per se schlecht ist und warum das lineare Fernsehen weiter eine Zukunft hat. Dabei hofft der Niederländer nach Dauerbrenner «SpongeBob Schwammkopf» auf einen neuen Anime-Hype…

Victor Coolman, Sie sind in den Niederlanden aufgewachsen und haben ein paar Jahre in Schweden gelebt. Es heißt, ihre Mutter sei kein großer Freund von Privatfernsehen…

Zur Person

Als Vice President Programming verantwortet Victor Coolman alle linearen und non-linearen Nickelodeon-Programmstrategien in Nordeuropa. Mit Sitz in Berlin und Amsterdam startete er im Jahr 2005 seine Nickelodeon-Karriere als Research-Analyst. Zuvor arbeitete er als TV-Gutachter für den niederländischen nationalen Nachrichtenradiosender BNR News Radio.
Ja, meine Mutter hatte eine klare Meinung über Privatsender: Sie dachte, die wären alle böse! (lacht) Dazu zählten auch Anime-Serien, die per se aggressiv seien. Wenn man diese aber genauer betrachtet, sieht man, dass es in unserer neuen Anime-Serie «Yo-Kai Watch» überhaupt keine Gewalt gibt. Ich durfte als Kind also nur öffentlich-rechtliches Fernsehen schauen. Als wir später in die Niederlanden gezogen sind, gab es tagsüber kaum Kinderprogramm im Fernsehen. Es gab nur drei öffentlich-rechtliche Fernsehsender plus die kommerziellen Kanäle. Das holländische Fernsehen zeigte damals aber kaum Kinderfernsehen – außer dem Programmblock am Wochenende. Wenn ich also mal krank war, machte meine Mutter öffentlich-rechtliches Fernsehen aus Deutschland an – denn dort gab es «Die Sendung mit der Maus». Ich habe zwar kein Wort Deutsch verstanden, aber habe das sehr gerne geschaut. Auch die deutsche «Sesamstraße» habe ich gerne gesehen – die übrigens anders ist als in der holländischen Variante. So bin ich mit diesen Sendungen aufgewachsen.

Wir führen dieses Interview ja auf Englisch – aber ein bisschen deutsch sprechen Sie dank des Kinderfernsehens vermutlich dennoch…?
Ja, ich verstehe auch deutsch – nur sprechen ist schwierig… (lacht) Aber Kinderfernsehen ist häufig von visuellen Gags geprägt. Ich würde sogar sagen, die Hälfte aller Gags sind visuell, der Rest ist verbal. Dieses gesprochen Gags wird man nicht verstehen, wenn sie in einer anderen Sprache sind. Aber die visuellen Gags wird man immer verstehen. Wenn jemand auf einer Banane ausrutscht, ist das in jeder Sprache lustig - weil es eben ein visueller Gag ist.

Mit «Yo-Kai Watch» bringen Sie eine neue Anime-Serie ins deutsche Fernsehen (werktags ab 9. Mai um 15.20 Uhr auf Nickelodeon) – worum geht es in der Serie?
Die TV-Serie «Yo-Kai Watch» handelt von Nathan. Nathan hat die einzigartige Fähigkeit Yo-kai´s zu sehen. Yo-kai´s sind Kreaturen, die Menschen in ihrem Alltag ärgern. Im Gegensatz zu den anderen Menschen, kann Nathan diese Yo-kai´s sehen und versucht sie einzufangen. In jeder Folge geht es also darum, dass Nathan irgendetwas Skurriles sieht, was Menschen wiederfährt. Er versucht dann die Yo-kai´s einzufangen und damit den Menschen zu helfen.

Das heißt, der eventuell gewaltsame Kampf um Yo-kai´s steht nicht im Vordergrund – wie Anime-Kritiker - wie Ihre Mutter - befürchten könnten?
Nein, da gibt es keine Gewalt – zumindest, was die TV-Serie betrifft. Im Videospiel geht es mehr um die Kämpfe mit den Yo-kai´s und darum, die Gegner zu besiegen. Aber in der Fernsehserie geht es vielmehr darum, einen Yo-kai zu finden, mit diesem zu kommunizieren und sich anzufreunden.

Zur TV-Serie gibt es eine durchdachte Marketing-Strategie mit diversem Merchandising, angefangen vom Videospiel bis hin zu Spielzeug und einem Sammelprinzip á la Pokémon... Plakativ gefragt: Haben Sie keine Bedenken, dass Sie bei jeder TV-Ausstrahlung indirekt Werbung dafür machen?
Für uns ist es wichtig, dass die Serie an sich gut funktioniert. Als ich vor ein anderthalb Jahren das erste Mal von dieser Serie gehört habe, dachte ich: Oh, das ist ein interessantes Serien-Konzept! Das war lange Zeit bevor ich von dem Nintendo-Videospiel oder den Hasbro-Spielzeugen gehört habe. Die TV-Serie war als Serie an sich gut. Das heißt, sie trägt sich von selbst – auch ohne Videospiel oder Spielzeuge. Das war mir wichtig. Als Kind kannst Du die Serie zusätzlich in der Realität erleben, was die Serie noch interessanter macht. Die Kinder können die Serie aber auch einfach nur im Fernsehen sehen, wo Nathan die «Yo-Kai Watch»-Uhr benutzt. Aber ich kann mir diese Uhr auch nach Hause in die Realität holen. So hat die Serie eine ganz andere Dynamik.

Planen Sie weitere Anime-Serien, um diese Programmfarbe auszubauen?
Das hängt von den Serien ab. Für mich ist wichtig, dass die Serie an sich gut ist. Am Ende bringen uns gute Sendungen auch gute Einschaltquoten und die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Ich möchte nicht irgendeine Anime-Serie zeigen, nur um mehr Anime-Serien im Programm zu haben. Ich glaube aber, dass sich «Yo-Kai Watch» von anderen Anime-Serien unterscheidet und eher Comedy-lastig ist. Die Witze und die schnelle japanische Erzählweise treiben die Handlung hauptsächlich voran. Das unterscheidet die Serie von den meisten anderen Anime-Serien aus Japan, die mehr von den Wettkämpfen leben – was bei «Yo-Kai Watch» nicht der Fall ist. Das ist also ein ganz neues Kapitel in der Anime-Geschichte.

Wieso setzt Nickelodeon gerade jetzt wieder auf eine neue Anime-Serie?
Eine Anime-Serie muss immer zum Sender-Profil passen. Ich kann das nicht für andere Sender beurteilen. Ich bin selbst auch kein Experte für japanische Anime-Serien. Aber bei unserer neuen Anime-Serie habe ich sofort gespürt, dass das eine unterhaltsame Serie ist, die zu uns passt. Als mir im Sender das erste Mal von dieser Serie erzählt wurde – ohne, dass ich genau wusste, um welche Serie es sich genau handelte – dachte ich: Oh, mein Gott! Anime! Ich habe mir diese Serie dann aber aus beruflichen Gründen angeschaut und damit änderte sich auch meine Einstellung.

Wie zufrieden sind Sie mit der Abend-Programmschiene «Nicknight», wo sich Nickelodeon im Vergleich zur Daytime-Zielgruppe stärker an junge Erwachsene richtet…
Wir erzielen mit «Nicknight» gute Werte. Die Quoten entwickelten sich besser und schneller als wir am Anfang erwartet hätten. Die Zielgruppen sind hier die Zuschauer bis 29 Jahre. Wir haben dort eine Nische für uns entdeckt, da es für diese Teenie-Zielgruppe im Free-TV kaum Programme gibt.
Victor Coolman, Vice President Programming Nickelodeon
Wir erzielen mit «Nicknight» gute Werte. Die Quoten entwickelten sich besser und schneller als wir am Anfang erwartet hätten. Die Zielgruppen sind hier die Zuschauer bis 29 Jahre. Wir haben dort eine Nische für uns entdeckt, da es für diese Teenie-Zielgruppe im Free-TV kaum Programme gibt. Letztlich sind wir ein Privatsender, so dass wir auch aus kommerzieller Sicht zufrieden sein können.

Wen sehen Sie da als Mitbewerber im TV-Bereich?
ProSiebenMaxx und auch ein bisschen Sixx. Aber um ehrlich zu sein, gibt es kaum Sender, die genau diese Zielgruppe ansprechen, die wir ansprechen. Das ist eine sehr erfolgreiche Nische für uns.

Jahrelang war auch «SpongeBob Schwammkopf » das Aushängeschild Ihres Senders…
Ja, das stimmt! Aber «SpongeBob» passt nicht in die Programmfarbe von «Nicknight». Aber natürlich zeigen wir «SpongeBob» weiterhin bei Nickelodeon. Wir wissen schon, dass es für die nächsten Jahre genug neue Folgen geben wird – das wird also nicht so schnell aufhören! (lacht) «SpongeBob» ist bis heute ein Erfolgsgarant für uns.

Zum Abschluss denken wir nochmal an Ihre Fernseh-kritische Mutter… Wie würden Sie Ihre Kinder beim Thema Fernsehkonsum heutzutage erziehen?
Es hängt natürlich vom Alter des Kindes ab. Für die vier- bis fünf-Jährigen haben wir «Nick Jr.» kreiert. Jede Sendung hat dort einen erzieherischen Aspekt. Sei es Zeichnen, Zählen oder die englische Sprache – jedes dieser Felder wird spielerisch vermittelt. Es sind also alles Schulfächer, die unterhaltsam vermittelt werden. Ich hätte als Elternteil keine Angst, wenn meine Kinder das schauen, weil die Programme alle Lerninhalte vermitteln. Wenn die Kinder dann sechs oder sieben Jahre alt werden, verändert sich auch deren Fernsehverhalten. Aber Kinder können nicht den ganzen Tag lernen, die müssen sich auch mal von der Schule entspannen. Wenn die also nach der Schule oder nach den Hausaufgaben etwas Fernsehen schauen, dürfen die auch mal relaxen. Es geht nicht immer nur darum, den ganzen Tag zu lernen. Ein Kind sollte genauso draußen spielen und lachen können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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