Rea Garveys erstes eigenes Musikformat fuhr den im Vorfeld bei «The Voice» präsentierten Show-Bombast deutlich herunter und präsentierte sich weitaus gemütlicher. Ein Must-See kam dabei nicht heraus, aber eine respektable Ergänzung für den ProSieben-Musikabend.
Rea Garvey ist fast schon so etwas wie das «The Voice»-Urgestein und hat der Castingshow einen beachtlichen Karrieresprung zu verdanken. Der Gedanke, dem sympathischen Iren ein eigenes Format zu geben, lag insofern durchaus nahe - und stellt doch in gewisser Weise ein Wagnis dar, nachdem Samu Haber vor einigen Monaten böse mit «Die Band» gefloppt war. Aus dieser Enttäuschung haben die Programmverantwortlichen von ProSieben den Schluss gezogen, Garveys Projekt nicht krampfhaft auf eine abendfüllende Länge zu strecken und ihm darüber hinaus auch ein zugkräftiges Vorprogramm zu bescheren, mit dessen Rückenwind ein Erfolg deutlich leichter fallen dürfte. Und in Anbetracht des Inhalts von «Mein Song - Deine Chance» ist diese Programmierung auch passend ausgefallen: Für eine Primetime-Präsentation ist die Sendung deutlich zu klein und unspektakulär geraten, als gemütlicher Schlussakt für einen angenehmen Musikabend sorgt sie jedoch allemal.
In Anbetracht der Seriosität, die Garvey bei seinen TV-Auftritten bislang ausstrahlte, konnte man schon im Vorfeld guter Hoffnung sein, dass realiter Variante eins umgesetzt wird. Der Sendungstitel hingegen hätte auch der unangenehmeren Ausrichtung Tür und Tor geöffnet, indem er die Kandidaten als Bittsteller positioniert, die um ihre "große Chance" kämpfen. Schaut man sich einmal an, wer da letztlich mitmacht, wäre eine allzu stark in diese Richtung neigende Tonalität jedoch reichlich albern gewesen. Unter den Kandidaten ist unter anderem der britisch-französische Musiker Darcy, der vor einigen Wochen bereits bei «Inas Nacht» als Musikact auftrat und derzeit auf einem guten Weg ist, mit seiner Musik Fuß zu fassen - ganz ohne ProSieben oder Rea Garvey. Sogar schon in den deutschen Single- und Album-Charts vertreten war derweil MarieMarie (Foto), die im vergangenen Jahr am deutschen «ESC»-Vorentscheid teilgenommen hatte und immerhin den Bronzeplatz errang. Mit anderen Worten: Da machen Jungmusiker mit, die gewiss Freude an einer Zusammenarbeit mit Rea Garvey haben, die sich durch die Sendung wohl auch ein paar weitere Fans erschließen können - die allerdings keineswegs "bedürftig" sind.
Das sind aber alles nur kleine Schönheitsfehler, denen zum Trotz «Mein Song - Deine Chance» einen alles in allem durchaus positiven Eindruck macht und im Anschluss an «The Voice» optimal platziert zu sein scheint. Für einen allzu lukrativen Sendeplatz ist das Gebotene zu unspektakulär, nett und irgendwie auch zu egal, aber als beruhigender, sanfter Ausklang des Abends passt es ziemlich gut. Anders als bei «Die Band» hat man diesmal das Potenzial seiner Show augenscheinlich richtig erkannt und darf dafür dann gerne auch mit einem kleinen, aber feinen Quotenerfolg belohnt werden. Die ganz großen Schlagzeilen wird diese Sendung wohl eher nicht machen, aber die Freude an der Musik verkörpert sie zu jedem Zeitpunkt glaubhaft. Gut gemacht, wohldosiert gerne mehr davon.
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