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Constantin von Jascheroff: 'Serie ist nicht gleich Serie'

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Sidney Schering sprach mit Schauspieler Constantin von Jascheroff über die aktuelle arte-Serie «Mit Dolch und Degen», die abenteuerlichen Seiten des Schauspielberufs, familieninterne Konkurrenz und die Synchronbranche.

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Wie lief bei «Mit Dolch und Degen» das Kampftraining ab? Man hört und liest bei Action- oder Historienfilmen ja immer von zwei Schulen: Manchmal bekommen die Schauspieler eine fertige Kampfchoreografie vorgesetzt, die es auswendig zu lernen gilt, andere Male wird da zwischen Trainer und Darsteller eng zusammengearbeitet …
In unserem Fall war das höchst professionell. Da wird die Choreografie mitgebracht und man lernt sie als Schauspieler am besten noch vor dem Dreh. Aber was du sagst stimmt, die andere Herangehensweise gibt es auch. Gerade in Deutschland wird leider an der falschen Stelle gespart. Dann ist man da am Set, und hat die Trainer, ein paar Stuntleute, der Schauspieler will vielleicht auch selber ein bisschen was machen. Das läuft dann ab nach dem Motto „Ach, ich schau mal! Wir können das hier machen und das ...“ Das sieht dann und wann zwar auch sehr gut aus, aber wenn man es richtig macht und alles vorher lernt und ein paar Tage ordentlich probt, sieht es in meinen Augen einfach immer noch besser aus. Es geht ja auch um Sicherheit am Set. Die Choreografen kamen auf uns zu, mit fertigen Abläufen, bei den größeren Kampfszenen waren noch fünf, sechs Stuntleute dabei. Und dann haben die uns Schauspielern das erst einmal so gezeigt, wie es am Ende aussehen soll – das heißt, die haben sich das alles vorher schon komplett antrainiert! Und danach haben dann wir Schauspieler genau das gelernt, je nach Choreografie so an die zwei Tage, damit das alles sitzt und gut aussieht. Wir haben sogar mit richtigen Schwertern gekämpft, und nicht mit solchen Kunststoffteilen! Deshalb musste man, wenn man die Grundtechnik so gar nicht beherrschte, obendrein auch das lernen, weil es sonst zu gefährlich wäre. Bei dem Feldtraining war ich aber nicht dabei, denn ich hatte schon früher klassisches Fechten gelernt. Aber trotzdem war das alles nicht ohne! Die Schwerter waren auf Dauer ziemlich schwer und nach drei, vier Stunden Kampf und andauernd heißt es „noch mal, noch mal, noch mal!“, da wird so ein Arm verdammt müde. Doch das war es mir wert.
 
Sind für Sie solche 'Hausaufgaben' wie das Kampftraining oder das Fremdsprachenlernen also Teil des Spaßes an Ihrem Beruf – oder letztlich doch nur Pflicht?
Zwischendurch ist das Wort 'Spaß' gehörig übertrieben. Etwa, wenn man nachts nicht schlafen kann, weil man wegen des spanischen Texts so aufgeregt ist, dass man lernt, statt sich auszuruhen und Energie zu tanken. Das macht dann im Moment natürlich überhaupt keinen Spaß. Aber im Nachhinein, wenn man es geschafft hat, und dann dieses Glücksgefühl empfindet, dann ist es eben sehr wohl großer Spaß.
Constantin von Jascheroff
Also, ich sehe es ganz klar als eine Pflicht, die mir ganz persönlich aber Spaß macht! Zugegeben: Zwischendurch ist das Wort 'Spaß' gehörig übertrieben. Etwa, wenn man nachts nicht schlafen kann, weil man wegen des spanischen Texts so aufgeregt ist, dass man lernt, statt sich auszuruhen und Energie zu tanken. Das macht dann im Moment natürlich überhaupt keinen Spaß. Aber im Nachhinein, wenn man es geschafft hat, und dann dieses Glücksgefühl empfindet, dann ist es eben sehr wohl großer Spaß. Ich habe mir als alles vorbei war einige meiner spanischen Szenen angeguckt, und sagte dann zu mir: „Wie cool, dass du das gemacht hast, so ohne vorab darüber nachzudenken!“ Ich finde, als Schauspieler muss man sich manchmal einfach in ein Abenteuer stürzen und sich völlig fallen lassen. Ich konnte das ja auch für meine Rolle verwenden, dass ich mir mit dem Spanischlernen einen abbreche, und so gehen dann Spaß und Pflicht manchmal einher.

Und welches schauspielerische Abenteuer bestreiten Sie aktuell?
Jetzt gerade drehe ich mit dem Kultregisseur Omar Fast einen Kinofilm namens «Continuity».  Dann steht noch ein Nachwuchsprojekt mit der HFF-München an.
 
Gibt es in Ihrer Familie eigentlich ein Wettkampfdenken, darüber, wer welche Art Rollen am besten abdeckt und wie man sich voneinander künstlerisch abgrenzt?
Nein, um Gotteswillen! Nicht in unserer Familie! Wir unterstützen uns, wo es nur geht. Wobei wir uns natürlich auch viel kritisieren, aber nicht aus Wettstreit, sondern weil nur Kritik einen weiterbringt, nur daraus kann man lernen. Da sind wir schonungslos, aber Konkurrenz kennen wir untereinander nicht.
 
Hach, als Filmkritiker höre ich es immer gerne, wenn ein Schauspieler meint, dass Kritik einen weiterbringt! [lacht] Aber von einer Form der Kritik würde ich sehr gerne wissen, wie Sie zu ihr stehen. Gefühlt wird seit Jahren immer häufiger und prominenter gegen Synchronisationen gewettert. Die 'Welt' etwa veröffentliche kürzlich einen viel geteilten und diskutierten Artikel, der kein gutes Haar an dieser Form der Lokalisierung lässt. Was entgegnen Sie als Synchronsprecher den Synchrongegnern?
Zum Teil kann ich diese Klagen ja nachvollziehen. Denn es hat sich in den jüngsten Jahren in Deutschland so eine Art 'Standardsynchron' durchgesetzt. Die Sprecher chargieren immer mehr und hören auf, 'echt' zu spielen. Auch da wird an der falschen Stelle gespart. Um derartigen Wildwuchs dem Kinogänger sichtbar zu machen, hat der Synchronverband ein Gütesiegel eingeführt. Ich stehe zwar hinter der Idee der nachhaltigen Qualitätssicherung, aber ob die Gilde dafür der richtige Verein ist, da habe ich meine Zweifel. Deshalb bin ich auch kein Mitglied. Meine Kollegen, die mit mir in «Avengers: Age of Ultron» sprechen, etwa, da habe ich nichts gegen zu sagen. Das ist eine sehr professionelle Arbeit. Aber natürlich kann ich es verstehen, wenn manche dem Synchron abschwören. Dennoch muss man als Schauspieler ja einerseits gucken, wo man seine Brötchen verdient, und auf der anderen Seite ist es noch immer eine sehr wichtige sowie präzise Arbeit. Wann immer ich spreche, gebe ich mir da sehr viel Mühe.
 
Klar, ich finde, das merkt man.
Es gibt so viele gelungene Synchronproduktionen, und man darf niemals vergessen, dass Synchronisation und Erfolg in der Branche oft einhergehen. Natürlich gibt es schwarze Schafe. Die muss man benennen.
Constantin von Jascheroff
Ich gucke mir manche Filme im Original an, manche im Original und in der Synchronfassung, wieder andere nur in der Synchro. Und natürlich gibt es Fälle, wo ich mit der Synchro anfange und denke „Boah, das ist so scheiße!“, dass ich auf die englische Tonspur umschalte. Aber es gibt genauso Fälle, wo die Synchro wunderbar ist, wo junge, unverbrauchte Schauspieler zu hören sind, die vom Synchronstudio von Schulen geholt wurden, wo sie das noch gelernt haben, wie man richtig atmet und Szenen nachspricht. Wo es offensichtlich ein professionelles Team in der Synchronisation gibt. Es gibt so viele gelungene Synchronproduktionen, und man darf niemals vergessen, dass Synchronisation und Erfolg in der Branche oft einhergehen. Natürlich gibt es schwarze Schafe. Die muss man benennen, dann gehen die Verkäufe auch zurück, denn viele Synchronkritiker übersehen, dass der Zuschauer synchronisierte Filme noch immer häufiger sieht als nicht synchronisierte. Und wenn in Deutschland was produziert wird, gut ankommt und dann ins europäische Ausland verkauft wird, wird das auch meistens synchronisiert. So sehr manch einer das Gegenteil behaupten mag: Wäre ein Film nur untertitelt erhältlich, würden ihn nicht so viel eMenschen gucken! Nicht nur in Deutschland! Es geht in meinen Augen nicht, dass man einfach pauschal sagt „Die Synchronbranche ist scheiße!“ Wenn es die Synchronbranche irgendwann nicht mehr gibt, leidet die ganze Filmbranche drunter.
 
Ja, ich kann Ihre Reaktion vollkommen nachvollziehen. Es gibt immer positive und negative Beispiele, und selbst wenn durch die ganzen Sicherheitsvorkehrungen, unter denen die Synchronstudios mittlerweile leiden, ein wenig die Qualität leiden musste, hat Deutschland meiner Ansicht nach weiterhin mit die fähigste Synchronkultur auf der Welt. Den Respekt sollte man den Machern schon abringen, egal, ob man deren Arbeit nun konsumieren möchte oder nicht.
Ja, total. Ich habe einige spanische Synchronisationen gesehen, und was die da treiben, ist wirklich zum Kopfschütteln. Was gute Synchronisationen angeht, hat Deutschland eine Monopolstellung. Man sollte nicht direkt alles schlecht reden. Es gibt ja auch viele schlechte Schauspieler, die einen Mist vor der Kamera verzapfen, wo man sich dann denkt: „Wer hat dich bitte ans Set gelassen?“ und dennoch verflucht doch niemand Vernünftiges die gesamte Branche. Und beim Synchronisieren sollte man genauso fair sein. Dafür ist sie zu essentiell für den deutschen Markt.
 
Constantin, ich könnte zwar noch stundenlang über Synchron reden, aber ich will Sie nicht länger von Ihrer Drehpause abhalten, also: Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben!

«Mit Dolch und Degen» ist ab dem 6. Juli 2015 montags bis freitags ab 17.30 Uhr bei arte zu sehen.

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