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Bye, bye, Danni! Eine TV-Anwältin geht in Rente

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Gerade flimmerte die letzte Folge der preisgekrönten Dramedy-Serie «Danni Lowinski» über die Fernsehschirme. Grund genug, auf das fünf Staffeln umfassende Format zurückzublicken und ein Fazit zu ziehen.

Ich habe mich über lange Zeit mental auf den allerletzten Drehtag eingestellt. Die Tage runter gezählt. Den Abschied zelebriert. Am Ende war ich sogar fast froh, dass es vorbei ist
Annette Frier über das Serien-Aus
Von der Friseuse zur Anwältin – Danni Lowinski, seit 2010 der Star in der gleichnamigen Dramedyserie, gehört seit rund vier Jahren zu den letzten verbliebenen Institutionen auf dem schwächelnden Privatsender Sat1. Zunächst ausschließlich im Anschluss an Henning Baums Verkörperung des «Letzten Bullen» ausgestrahlt, durfte Annette Frier in ihrer Paraderolle seit Beginn der fünften und finalen Staffel auch ohne den Geleitschutz neuer Folgen der deutschen Crime-Serie ans Werk. Wie sich schon in der Auftaktepisode herausstellte leider ohne Erfolg: «Danni Lowinski» dankt vor weniger Zuschauern ab, als die Serie in ihrer fünf Seasons und 65 Folgen umfassenden Karriere je hatte. Doch nicht nur deshalb entschied das Team um Serienschöpfer Marc Terjung richtig, Danni nach nur fünf Berufsjahren in vorzeitige Fernsehrente zu schicken.

Ganz nach dem Motto „Man soll aufhören wenn’s am schönsten ist!“ markiert die Finalstaffel nicht bloß den dynamischen Höhepunkt des Formats, sondern führt dem Publikum wie keine andere Fernsehserie besser vor Auge, weshalb so viele Produktionen sich bloß deshalb totlaufen, weil der Zeitpunkt des Auf Wiedersehen Sagens schlicht verpasst wurde. «Danni Lowinski» hat das große Glück, auf dem Zenit der Qualität beendet zu werden – und was hat die kernige Anwältin mit den polnischen Wurzeln und der kölschen Schnauze in den vergangenen Jahren nicht alles erlebt…!?

Wäre «Danni Lowinski» in den USA ansässig, so würde der Werdegang der von Annette Frier herausragend verkörperten Anwältin wohl nicht weniger darstellen, als eine moderne Form des „American Dream“. Aus dem Tellerwäscher wird die Friseurlehre, aus dem Millionär erst das Abendschul-Abitur und schließlich das erste und zweite Jura-Staatsexamen. Doch der Arbeitsmarkt ist umkämpft. Da Danni keine Anstellung in einer namhaften Großkanzlei erhält, weiß sich die Blondine mit dem lockeren Mundwerk rasch selbst zu helfen: Mit Klappstuhl und Stoppuhr richtet sich die Neuanwältin im Untergeschoss eines Kölner Einkaufzentrums ein und etabliert sich als Discountanwältin. Für einen Euro pro Beratungsminute steht sie mit Rat und Tat vor allem all jenen Mandanten zur Seite, die sich die Dienste eines „normalen“ Advokaten nicht leisten können.

Doch der Plan geht auf! Auch aufgrund ihres Hangs dazu, bei ihren Aufgaben immer wieder die Grenzen ihres Jobs zu überschreiten, macht sich Danni nicht bloß in Gerichtskreisen einen Namen, sondern erhält über Mund-zu-Mund-Propaganda immer mehr Laufkundschaft. In Staffel vier ist der Klapptisch in der Einkaufspassage schließlich Geschichte und es folgt der Umzug in ein geschlossenes Büro – oder so ähnlich. Auch der Kölnberger Plattenbau ist eine Season darauf endlich vergessen. Gemeinsam mit der Angetrauten Bea, Tochter Lulu und Vater Kurt geht es ins lang herbeigesehnte Eigenheim. Eine echte Erfolgsstory, made in Kölle!

Nicht umsonst ist «Danni Lowinski» mehrfacher Preisträger des Quotenmeter.de-Fernsehpreises. Insgesamt kann die Co-Produktion von UFA Fiction und Phoenix Film auf zehn Auszeichnungen von sechs unterschiedlichen Institutionen zurückblicken. Im Startjahr 2010 erhielt das Format neben dem Quotenmeter-Fernsehpreis für Annette Frier als Beste Hauptdarstellerin den Bayerischen Fernsehpreis (Beste Schauspielerin: Annette Frier), den Deutschen Fernsehpreis (Beste Serie) sowie den Deutschen Comedypreis (Beste Serie und Beste Schauspielerin: Annette Frier).

Das Erfolgsrezept dieses für deutsche Verhältnisse regelrechten Preisregens sind in erster Linie die in alter «Edel & Starck»-Tradition geschriebenen Drehbücher von Marc Terjung, zum anderen aber auch ein hervorragend zusammengestelltes Ensemble, das sich im Laufe der fünf Staffeln bloß marginal veränderte. Neben Annette Frier in der weiblichen Hauptrolle liegt das Hauptaugenmerk bevorzugt auf Axel Siefer («Stromberg») in der Rolle von Dannis querschnittsgelähmtem Vater Kurt. Quotenmeter.de-Kritiker Jan Schlüter ging nach der Auftaktepisode im April 2010 sogar so weit, ihn als „heimlichen Star der ersten Folgen“ zu bezeichnen und hatte damit nicht Unrecht: Wenngleich auch Dannis Untergeschoss-Kollegen Nadja Becker («Stromberg») als Bea Flohe, Oliver Fleischer («Vollidiot»)als Nils Polger sowie die ständig wechselnde Besetzung des dort unten ebenfalls ansässigen Schlüsseldienstinhabers sämtliche Sympathien auf sich ziehen konnten, so ist es doch allen voran der melancholisch-bodenständigen Art Kurts zu verdanken, dass Annette Frier in ihrer Rolle der Danni trotz ständiger Erfolgsschwankungen nie den Boden unter den Füßen verlor. Ohne den typisch seriendeutschen Heile-Welt-Optimismus, dafür mit dem Mut, auch gern mehrmals auf den unbequemen Wahrheiten des Lebens herumzureiten, verlieh vor allem Siefer der Serie eine Ehrlichkeit, die sich alsbald auch in der Aufgreifung der Themen wiederfand.

Die letzten fünf Jahre waren für mich von der Intensität wie 50 Jahre in der Realität. Die Produktionsmannschaft, vom Beleuchter bis zu der Hauptdarstellerin, war wie eine Familie!
Annette Frier über das serien-aus
Mit der Kreation einer Mischung aus Comedy- und Dramaserie hatte Marc Terjung bei der Präsentation seines neuen Formats „Danni Lowinski“ das Rad sicherlich nicht neu erfunden. Bei der ersten Trailer-Vorführung bei der Programmpressekonferenz für die Fernsehsaison 2010 ließ sich bloß erahnen, dass sein neues Baby zwar Züge seines ähnlich gelagerten Erfolgsformats «Edel & Starck» tragen sollte, in seinem thematischen Spektrum jedoch noch wesentlich breiter gefächert daherkommt.

In den insgesamt 65 Folgen des Formats bekam es Danni zwar durchaus mit skurrilen Fällen zu tun: Zu ihren Mandanten gehörte unter Anderem ein Wikinger, der aufgrund seiner zu kleinen Körpergröße vom Kölner Wikinger-Verein abgelehnt wurde (05x8: „Alles futsch“), ein Mann, der sich aufgrund einer seelischen Störung unbedingt ein kerngesundes Bein amputieren wollte (02x11: „Mutterkind“) sowie ein Zirkusartist, dem beim Messerwerfen gern einmal versehentlich die Hand ausrutschte (03x13: „Stars der Manege“). Gleichzeitig überwältigten Folgen mit gesellschaftspolitischer Brisanz und persönlichem Tiefgang, wie eine Folge über einen nach langer Haft wieder in den vermeintlichen Alltag zurückkehrenden Sexualstraftäter (02x9: „Monster“), einen zu Unrecht des Missbrauchs Schutzbefohlener beschuldigten Erzieher (03x3: „Ungeheuerlich“) oder eine Folge, die sich mit der Frage beschäftigte, wie sehr man geistig behinderte Menschen damit betrauen kann, für das eigene Leben verantwortlich zu sein (02x4: „Träume“). Dieser Spagat aus beißender Comedy und dem kritischen Blick auf die tragischen Themen unser aller Alltags regte nicht nur zum Nachdenken an, sondern sorgte dafür, dass «Danni Lowinski» zu einer der wenigen Serien wurde, über die es nicht nur aus inszenatorischer Sicht zu sprechen lohnte, sondern die sich so nachhaltig mit dem Leben an sich befasste, dass die Analyse ebenjener Folgen ebenso Bestandteil von Schulstunden, Studienkursen oder Doktorarbeiten hätte sein können. Für deutsche Verhältnisse nicht weniger als der ganz große Wurf!

Doch warum fiel nun der schwerwiegende Entschluss, sich von einem solch gelungenen Format loszusagen, selbst wenn vor Verkündung dieser Entscheidung noch gar nicht abzusehen war, dass die Einschaltquoten in Staffel fünf so derart in den Keller sinken würden? Diese Frage lässt sich wohl nur dann beantworten, wenn man «Danni Lowinski» nicht bloß als für den Konsumenten kreiertes Produkt betrachtet, sondern auch das Herzblut all derer berücksichtigt, die über die vier Jahre an der Serie mitwirkten. «Danni Lowinski» ist ein Projekt, das seinen Reiz aus den regelmäßigen Höhenflügen und Tiefschlägen der Hauptfigur kreiert. Von denen kann Danni diverse vorweisen: Die plötzliche Verschuldung mehrerer zigtausend Euro aufgrund einer versäumten Steuererklärung, die ungewollte Schwangerschaft von Dannis bester Freundin, diverse Liebschaften mit ebenso bodenständigen wie zwielichtigen Zeitgenossen oder aber auch die Lebenspartnerschaft mit Bea, um damit problemlos an das Sorgerecht von Tochter Lulu zu gelangen: Über einen langweiligen Alltag konnte sich Danni Lowinski noch nie beschweren.

Doch um die Glaubwürdigkeit dieses achterbahngleichen Lebensweges zu wahren, reicht es nicht, einen Höhepunkt nach dem anderen zu gestalten. Irgendwann ist auch die absurdeste Szenerie auserzählt und das Publikum zeigt sich müde angesichts der sukzessive entstehenden Berechenbarkeit. Mit dem fünften Staffelfinale von «Danni Lowinski», das, so glaubt man den Machern, auch tatsächlich unter keinen Umständen jemals eine Fortführung erhalten wird, erhält die Serie ihre allumfassende Vollendung. Nach einem kurzen Ausflug zurück in die gehasste Arbeitswelt der Friseurinnen ist Danni nun endgültig zur Anwältin mit Kanzlei und eingesessenem, familiärem Umfeld und Freundeskreis aufgestiegen. Ihren weiteren Lebensweg in einer etwaigen sechsten Staffel fortzuführen, wäre nicht bloß unglaubwürdig, sondern auch dem Seriengedanken unangemessen, denn trotz diverser Tiefschläge waren Marc Terjungs Bücher stets bestrebt, der Protagonistin den Weg in eine positive Zukunft zu weisen – ähnlich einer Telenovela, die eine in sich geschlossene, märchenartige Story erzählt, deren Happy End von Anfang an festgelegt ist.

Ihr Happy End hat «Danni Lowinski» mit der finalen Episode „Wünschen werden wahr“ gefunden. Und auch, wenn es sicherlich nicht für die Fans der Serie gilt, das mit dem Ende des Formats ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist, so ist es doch das lachende Auge, das überwiegt, wenn man bedenkt, was mit der Serie auch hätte passieren können, hätten die Macher nicht solch einen wachsamen Blick bewiesen, und ihre Danni dann aus dem Programm genommen, „Su lang mer noch am lääve sin“. In diesem Sinne: Bye, bye, Danni! Wir werden Dich vermissen!

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