360 Grad

Nackert oder Glorious

von

Der deutsche Beitrag für den «Eurovision Song Contest» im Mai steht fest. Julian Miller über seine Erfolgschancen.

Was klingt wie die Dorfdisco-Version von Loreens „Euphoria“ und versucht durch eine zu gewollt-pompöse Bühnenshow das Fehlen von Originalität wettzumachen?

Richtig. Unser «Eurovision»-Beitrag 2013.

Hätte es schlimmer kommen können? Vielleicht. Nämlich mit dem Titel „Nackert“ (zu deutsch: nackt) von LaBrassBanda aus dem bayerischen Hinterland, die sich nicht sonderlich dafür interessiert haben, ob man überhaupt im Rest von Deutschland, geschweige denn in Europa, ein Wort ihres Liedtextes verstehen würde. Die Teilnehmer der Internetabstimmung der ARD-Popwellen, die für ein Drittel des Ergebnisses des Vorentscheids verantwortlich waren, platzierten sie in ihrer Rangliste ganz vorn, und es bedurfte einer Korrektur durch die Jury, um die gestandenen Bayern von der Malmöer «Eurovision»-Bühne fernzuhalten.

Auf Hochdeutsch und mit einem nicht ganz so banalen Text wäre die Nummer vielleicht auch bei der Jury ein Hit gewesen. Denn eines kann man den Jungs aus dem Freistaat sicherlich nicht absprechen: musikalisches Talent. Doch für die internationale «Eurovision»-Bühne ist das wohl eher nichts, auch wenn man sich mit solchen Urteilen natürlich immer weit aus dem Fenster lehnt. Schließlich haben LaBrassBanda auch New Yorker schon gut unterhalten. Wie viel die Amis vor deren Auftritt so getrunken haben, ist aber nicht bekannt. Doch auch unsere geliebten Österreicher fuhren ihre letztjährige Teilnahme mit einem Mundart-HipHop-Song frontal gegen die Wand. Die Zeichen wären also eher schlecht gestanden.

Stattdessen nun Cascada: eine recht farblose Band mit einer recht farblosen Lead-Sängerin und einer farblosen Nummer. Damit im Mai aus der Electro-Dance-Masse der Grand-Prix-Teilnehmer herauszustechen, wird wahrscheinlich schwer fallen.

In den letzten Jahren gewinnen beim «Eurovision Song Contest» dagegen vor allem Beiträge, die zumindest in Ansätzen ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen können. 2012 waren es düstere, apokalyptische Töne mit einer minimalistischen, aber wirkungsvollen Bühnenshow. 2011 eine zwar sehr massenkompatible, aber durchaus individuelle Pop-Nummer von zwei charismatischen Musikern. 2010 Lena'sche Liebenswürdigkeit.

Doch Cascadas Performance fehlen all diese Elemente. Der Song wirkt zu sehr darauf getrimmt, unbedingt bei möglichst vielen Leuten anzukommen und dem „Euphoria“-Trend des letzten Jahres hinterherzuhecheln, womit er leider jegliche Individualität verliert. Ob das für ein zählbares Ergebnis reichen wird, ist fraglich.

Da eigentlich lieber die nackerten Oberbayern.

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