Die Kritiker

«Spreewaldkrimi: Die Tränen der Fische»

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Inhalt


Rund 15 Jahre hat Harry Ritter wegen eines schweren Raubüberfalls auf einen Juwelier im Gefängnis verbracht und für einen Mord gesühnt, den er mit zwei Komplizen begangen hat. Kurz nach Ritters Entlassung taucht am Flussufer eine Leiche auf: Der Tote ist Eberhardt Lunger, einer der ehemaligen Komplizen und arbeitet mittlerweile Privatdetektiv. Musste Lunger für seine aktuellen Ermittlungen büßen? Oder hat Ritter mit dem Mord an dem Detektiv zu tun, um die nie gefundene Millionenbeute nicht teilen zu müssen? Kommissar Krüger ermittelt und findet sich in einem komplexen Kriminalfall wieder, in dem er schon bald nicht mehr weiß, wem er trauen darf und wem nicht - denn ausgerechnet der neue Staatsanwalt Panasch ist Ritters Sohn.

Darsteller


Uwe Kokisch («Donna Leon») ist Harry Ritter
Matthias Koeberlin («Lutter») ist Matthias Panasch
Johanna Klante («Marienhof») ist Mona Panasch
Tristan Göbel («Goethe!») ist Mäxchen
Jenny Schily («DIe Stille nach dem Schuss») ist Sandra Faber
Christian Redl («Der Hammermörder») ist Thorsten Krüger
Henry Hübchen («Sonnenallee») ist „Schlange“
Denis Moschitto («Chiko») ist Hendrik Faber
Kai Scheve («Mit Herz und Handschellen») ist Karsten Hellstein
Anja Kling («WIr sind das Volk») ist Lisa Engel
Christian Kerepeszki («Der Baader Meinhof Komplex») ist Tim Engel
Rike Schäffer («Tod einer Schülerin») ist Kriminalbiologin
Marek Harloff («Der Skorpion») ist Kevins Vater
Nina Weniger («Über den Tod hinaus») ist Sara Panasch

Kritik


Nachdem zwei Folgen des «Spreewaldkrimi» sowohl Quoten- als auch Publikumserfolge feiern konnten, hat sich das ZDF dazu durchgerungen, eine lose Reihe zu starten. Auch in der nunmehr dritten Episode mit dem Titel «Die Tränen der Fische» ist Christian Redl als Kommissar Thomas Krüger die Konstante bei der Ermittlungsarbeit - und wieder hat es Drehbuchautor Thomas Kirchner geschafft, einen klassischen Kriminalfall zu konzipieren, der ganz anders ist als seine Genrekollegen. Denn so ganz weiß der Zuschauer nie, was er da gerade eigentlich schaut: Bei Kirchner trifft ein intelligent inszenierter Krimi auf ein so komplexes wie spannendes Familiendrama, das dem Krimi seine Würze verleiht - und umgekehrt.

Schon zu Beginn werden die Fronten abgesteckt: Ein Plätschern im Wasser, mehrere Boote fahren in einer idyllischen Sommerlandschaft gemächlich über die Spree. Auf ihnen uniformierte und mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten einer Sondereinheit, die in der nächsten Szene Harry Ritter verhaften werden. Die Gegensätze zwischen der trügerischen Ruhe des Spreewalds und der der Skrupellosigkeit der Verbrecher, den Psychospielen der alten Kumpane, der kriminellen Energie so mancher Bewohner, die sogar für einen Mord reicht, sind ausschlaggebend für die Atmosphäre des Films. Gepaart wird der regionale Standortvorteil nebst dramaturgischer Exzellenz mit handwerklichem Können: Mehrere Zeitebenen und Handlungsstränge werden geschickt miteinander verknüpft und ebenso schlau wie butterweich aufgelöst, als ob es nichts Einfacheres gäbe.

Auch das Schauspielensemble darf sich sehen lassen. Mit Uwe Kokisch hat der Spielfilm einen erfahrenen Theatermann und Charakterdarsteller im Boot, der als Harry Ritter Charisma zuhauf versprüht und den vielfach zitierten bedrohlichen Unterton bravurös beherrscht - da kommt manch anderer Schauspieler bereits ins Schwitzen. Genauso überzeugt auch Henry Hübchen als Ritters alter Komplize „Schlange“. Zwar lässt der teils semmelrogg‘sche Ausdruck schmunzeln, doch wenn er die Waffe zückt und unbedarft um sich schießt, als wäre sein Leben bedroht, vergeht auch dem härtesten Zuschauer das Lachen. Christian Redls Leistung als Thomas Krüger muss nicht hervorgehoben werden - der Ermittler lässt den Spielfilm mit seiner sympathisch grummelnden Art trotz abgehobener Handlung auf dem Boden bleiben. Auch die restliche der sich harmonisch ergänzenden Besetzung wurde sorgfältig ausgewählt und überzeugt vom erfahrenen Darsteller bis hin zum achtjährigen Tristan Göbel mit beeindruckender Schauspielleistung.

Überhaupt ist die große Freude zur Sorgfalt und zu Details unverkennbar: Kein noch so kleiner Nebenstrang bleibt unaufgelöst, vormals aufgetauchte Figuren verschwinden nicht einfach am Setbüffet, sondern tauchen in kleinen Nebenrollen wieder auf - sie wurden nicht etwas doppelt besetzt, sondern noch liebevoll mit einem Beruf versehen. Hier und da ist die Perfektion hinderlich, denn selbst die obligatorischen jahrzehntealten Familienfilme, die der Melodramatik wegen natürlich zum Einsatz kommen, sehen in der makellosen Produktion makellos aus. Über derartige Kleinigkeiten lässt sich aber hinwegsehen, denn im Gesamtbild überzeugt «Tränen der Fische» auf ganzer Länge. Die Personenkonstellationen, die Beziehungsgeflechte, die komplexen Ermittlungen fesseln, lassen den Zuschauer am Ende aber auch nicht mit einem Fragezeichen auf der Stirn zurück. Wer die Mischung aus melancholischem Familiendrama und unorthodoxem Krimi zu schätzen weiß, wird Kirchners Inszenierung lieben.

Das ZDF zeigt «Spreewaldkrimi: Die Tränen der Fische» am Montag, den 28. März 2011, um 20:15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/48621
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