Interview

Laura Preiss: „Ich bin quicklebendig“

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Schauspielerin Laura Preiss entdeckte in dieser Woche ein YouTube-Video, in dem sie für tot erklärt wurde. Dagegen möchte sie nun entschieden vorgehen, wie sie im Quotenmeter-Interview verriet.

Laura Preiss wurde in dieser Woche zum Opfer, allerdings nicht – wie völlig falsch in einem Video auf YouTube verbreitet – eines Autounfalls, sondern eben jenes Videos. Die Masche nennt sich Clickbaiting, also das Ködern zum Klicken, in diesem Fall durch schreckliche Nachrichten beliebter und prominenter Persönlichkeiten. Neben Preiss wurden nämlich auch Kim-Sarah Brandts oder Arne Rudolf fälschlicherweise für Tod erklärt. Die Masche ist einfach wie perfide. Die Urheber verwenden öffentlich zugängliche Fotos, etwa aus Pressemitteilungen der Sender, und setzen die Fotos in andere Bilder von Unfällen oder ähnlichem ein. Darüber wird ein Text von einer Computerstimme gesprochen, die Unwahrheiten vorliest. Vor die Videos wird Werbung gesetzt, woraus die Macher ihr Einkommen ziehen. Laura Preiss möchte nun entschieden gegen diese Masche vorgehen.

Laura Preiss, Sie sind vor wenigen Tagen auf eine Todesmeldung von Ihnen gestoßen. Was ging in Ihnen da vor?
Ich war sicher mich verlesen zu haben – warum sollte so etwas gerade über mich im Netz stehen? Dann dachte ich: ‚Was für ein doofer Scherz, aber so ist eben das Internet!‘ Jeder schreibt was sie oder er will. Als ich dann in den Kommentaren las, dass jemand meiner Familie herzliches Beileid aussprach, wurde es real und mir plötzlich sehr sehr unangenehm.

Ihnen geht es aber soweit gut, oder?
Danke der Nachfrage, mir geht es den Umständen entsprechend fantastisch. Und das nicht nur weil ich ihnen mit gutem Gewissen versichern kann: Ich bin quicklebendig!

Mussten Sie bei Ihrer Familie und Freunden schon Entwarnung geben?
Das habe ich getan, sobald ich von der Falschmeldung wusste. Die Menschen, die mich umgeben, haben trotz Entrüstung glücklicherweise eine gehörige Portion Humor. Auch in so einem Fall. Am Ende ist mir ja nix passiert.

Diese Videos sind sogenannte Clickbait-Videos, die Inhalte sind offensichtlich falsch. Werden Sie dennoch dagegen vorgehen?
Ich habe mich bereits beraten lassen und mache eine Anzeige gegen unbekannt. YouTube habe ich auch kontaktiert. Ich finde es wichtig das Internet nicht als rechtsfreien Raum zu akzeptieren. Mal sehen wie weit wir kommen.

Wenn Sie den Urheber dieser Videos treffen könnten, was würden Sie dieser Person sagen?
Ich bin sicher, einer Person, die im stillen Kämmerlein sitzt und geschäftig für ein bisschen Kohle Unfallbildchen mit Schauspielerköpfen bestückt, möchte ich nicht begegnen. Nun, ich kann nur wünschen, dass der „kreative Kopf“ hinter dieser Aktion niemals einen geliebten Menschen verliert, und nie in die unangenehme Situation kommt, die Bedeutung einer echten Todesnachricht begreifen zu müssen.

Warum gehen Sie damit bewusst an die Öffentlichkeit und geben solchen Videos noch mehr Aufmerksamkeit?
Danke für diese fantastische Frage! Zum einen, möchte ich für niemanden als tot gelten! Nicht für Freunde, nicht für Fans, nicht für potenzielle Auftraggeber. Das ist mein Leben, das ist mein Geschäft. Ich kann es mir nicht leisten, dass jemand denkt ich wäre nicht mehr. Zum anderen finde ich es wichtig, laut in die Welt zu rufen, dass so etwas inakzeptabel ist. Dass ich nicht, weil ich ab und zu in der Öffentlichkeit stehe, zu cool bin, um dabei Verletzung zu empfinden. Ich habe die Möglichkeit der Gegendarstellung. Viele Betroffene haben dies nicht, werden durch online verbreitete Gerüchte und Lügen regelrecht vernichtet. Ich denke darüber zu sprechen was so eine Lüge auslöst, ist essenziell wichtig für den Umgang mit Medien und unsere Gesellschaft. Klicks für irgendein Video empfinde ich dabei als absolut nebensächlich.

Was wären in Ihren Augen gute Lösungen, um solche Clickbait-Inhalte von vornherein zu unterbinden? Eine absolute Kontrolle scheint unmöglich, müsste es eine breitangelegte Kampagne geben, um auf Clickbaiting aufmerksam zu machen und davor zu warnen?
Tja. Wer „weiß“ denn noch was richtig, was falsch ist! Dass viele Fakes unterwegs sind, weiß die Mehrheit. Aber es ist einfach zu viel. Zu viele Infos, zu viele Fakes, zu viel von Allem im Netz. Da braucht die Evolution noch ein bisschen, um all der Technik zu folgen. Ich hoffe einfach die nächsten Generationen haben gelernt das Netz als den „Lebensraum“ zu betrachten, der es mittlerweile ist. Inklusive der Umgangsformen und dem Respekt den einem auch die „Offline-Welt“ abverlangt.

Auch Kim-Sarah Brandts und Arne Rudolf wurden schon Opfer solcher Falschmeldungen. Haben Sie Kontakt zu den beiden aufgenommen, um sich zusammenzuschließen und gemeinsam dagegen vorzugehen?
Ich habe Kim-Sarah telefonisch informiert. Sie war geschockt! Wir tauschen uns seitdem aus und gehen beide dagegen vor. Auch die Studio Hamburg Serienwerft hat sich mittlerweile eingeschaltet und versucht auf ein Löschen der Videos hinzuwirken.

Kurz-URL: qmde.de/124299
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