Die Kino-Kritiker

«Max und die wilde 7» – Ausnahmezustand im Altersheim

von

In der Vorweihnachtszeit müssen Familie Kino zu Hause erleben. Dies können sie unter anderem mit dem Spielfilm mit Uschi Glas.

Traditionell ist die Vorweihnachtszeit die Zeit, in der deutsche Familien mit Kind und Kegel besonders gern ins Kino gehen. Weshalb es jedes Jahr eine Flut von Kinderfilmen gibt, die generationsübergreifend unterhalten sollen. In diesem Jahr ist alles anders. Kein Kino, keine neuen Filme! Einmal mehr füllen die Streaming-Dienste diese Lücke, bestenfalls Familienfilme, die in den vier Monaten, in denen die Kinos zuletzt geöffnet sein durften, die Chance hatten, gezeigt zu werden.

Einer davon war «Max und die wilde 7» nach dem gleichnamigen Kinderbuchreihe von Lisa-Marie Dickreiter und Winfried Oelsner, der die Regie gleich selbst übernommen hat. Das Besondere an der Geschichte: Alt und Jung kommen hier zusammen, um sich gemeinsam in ein zugleich lustiges und spannendes Abenteuer zu stürzen. Da gilt der Appell, sich tatsächlich mal als Familie vor den Bildschirm zu setzen, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu haben wie man es aus dem Kino kennt.

Außenseiter – Spitzenreiter
Mit seiner Mutter Marion (Alwara Höfels) soll der neunjährige Max (Jona Eisenblätter) zukünftig auf einer echten Ritterburg ziehen. Doch die Begeisterung wird schnell getrübt, denn das alte Gemäuer wurde in ein Altersheim umfunktioniert, wo die Mama als Pflegerin arbeiten wird. In der Schule ist Max ein Außenseiter, neue Freunde findet er aber ausgerechnet aus den Reihen der Bewohner im Altersheim, inzwischen Außenseiter der Gesellschaft.

Da ist der pensionierte Professor Kilian (Günther Maria Halmer), der Ex-Fußballtrainer Horst (Thomas Thieme) und die frühere Schauspielerin Vera (Uschi Glas), die den Jungen in ihr Geheimnis einweihen. Das Trio nennt sich ‚Die wilde 7‘, bezugnehmend auf den Tisch Nr. 7, den sie im Speisesaal für sich vereinnahmt haben. Dass die drei noch längst nicht zum alten Eisen gehören, beweisen sie, als ein Dieb auf der Burg sein Unwesen treibt und ausgerechnet Max‘ Mama verdächtigt wird. Ihr droht die Kündigung, weshalb ‚Max und die wilde 7‘ alle Kräfte aktivieren, um den wahren Verbrecher zu überführen.

Gute Laune für alle
Basierend auf den ersten Band „Das schwarze Ass“ war es sicherlich eine gute Idee, die Verfilmung voll und ganz in die Hände des Autorenteams gegeben zu haben. Zumal Winfried Oelsner auch noch ein gestandener Regisseur ist, der fürs Fernsehen sowohl routinierte Filme («Tsunami») als auch bewegende Dokus («Projekt Gold - Eine deutsche Handball-WM») realisierte. Das hilft tatsächlich, den richtigen Ton zu treffen, um allen Generationen Identifikationsflächen zu bieten.

Da kommt also jeder auf seine Kosten, wenn neben infantilen Witzen für die Kleinen auch Späße für die älteren Semester geboten werden. Und die Einladung, selbst mitzuraten, wer hinter den Diebstählen steckt, gilt sowieso für alle. Denn schließlich will «Max und die wilde 7» auch als Kinder-Krimi à la «Die drei Fragezeichen» oder «Die Pfefferkörner» funktionieren, was gut verdauliche Spannung beinhaltet, die hier auch geboten wird.



Comeback für Uschi Glas
Das Ganze wird durch das leicht-lustige Zusammenspiel der jungen und alten Darsteller zusammengehalten. Jona Eisenblätter als titelgebender Max ist dabei angenehm unaufdringlich. Thomas Thieme («Das Leben der Anderen») und Günther Maris Halmer («Familienfest») sind sowieso stets sehenswert, aber der eigentliche Hammer ist Uschi Glas. Die heute 76-Jährige hat schon in der «Fack ju Göhte»-Kinoreihe hinsichtlich ihrer „Pauker“-Komödien wie «Die Lümmel von der ersten Reihe» oder «Zur Hölle mit den Paukern» aus den Sechziger- und Siebzigerjahren viel Selbstironie bewiesen.

In «Max und die wilde 7» darf sie noch etliche Schippen drauflegen und hat sichtlich Spaß daran, ihre Kinoerfolge als einstiges Teenie-Idol wie «Winnetou und das Halbblut Apanatschi» und «Zur Sache, Schätzchen» ungezwungen selbst zitieren zu dürfen. Das dürfte natürlich nur älteren Zuschauern auffallen. Da ist noch einmal festzuhalten, dass in diesem Kinderfilm auch an sie gedacht wurde.

Fazit: Ein gelungener Kinderfilm mit Krimi-Anteilen, der generationsübergreifend zu unterhalten weiß.

«Max und die wilde 7» ist auf Blu-Ray und im Stream erhältlich.

Kurz-URL: qmde.de/123242
Finde ich...
super
schade
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelDas Erste stellt Programmplan für 2021 vornächster Artikel«Amazon Prime Video»: Neue Bushido-Doku
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika


Surftipps

Ann Doka und Meg Pfeiffer veröffentlichen Duett
Ann Doka und Meg Pfeiffer haben sich für das Duett "Fancy Boots" zusammengetan. Zwei Powerfrauen und ein gemeinsamer Songwriting-Nachmittag reichen... » mehr

Werbung