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85 Jahre Donald Duck (Teil III): Das Aufrechterhalten einer Cartoon-Ikone

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Donald Duck, der bekannteste Erpel der Film- und Comicwelt, wird 85 Jahre alt. Zum Abschluss einer dreiteiligen Serie blickt Quotenmeter.de auf die späten Donald-Cartoons und Donald als Fernsehstar.

Jack Hannah, "der andere Vater"


Wo zieht es einen Erpel hin, nachdem er sich über Adolf Hitler lustig gemacht hat und die US-amerikanische Steuermoral spürbar aufbesserte? Donald Duck zumindest zog es nach dem Zweiten Weltkrieg in eine neue Ära seiner Filmografie: Dadurch, dass Carl Barks die Disney-Studios verließ und es nicht mehr lange dauerte, bis auch die letzten seiner in den Augen des Studios brauchbaren Cartoon-Ideen aufgebraucht wurden, und der Donalds Cartoons lange prägende Jack Hannah von seinem Autorenposten ins Regiefach wechselte, musste Mitte der 40er-Jahre eine neue kreative Ausrichtung her. Weil der erfahrene Donald-Regisseur Jack King 1948 in den Ruhestand ging, wurde diese Notwendigkeit im Laufe dieser kreativen Findungsphase noch deutlicher.

Donald wurde charakterlich zwar wie eh und je gezeichnet, allerdings ist den Cartoons zwischen 1945 und 1950 durchaus anzumerken, dass man in den Disney-Studios nach einem neuen Patentrezept für die Auftritte des Wüterichs suchte. Unter anderem wurde er in dieser Zeit sporadisch mit Pluto oder Goofy in ein und das selbe Boot gesetzt (einmal sogar wortwörtlich), zudem wurde Daisy aus ihrem 1941 begonnen Habitus zurückgeholt und von "Donald in weiblich" zu einer von Gloria Blondell mit säuselnder Stimme gesprochenen Figur umgemünzt. Diese Zeit brachte experimentelle Cartoons mit sich (wie "Donald stellt sich zu bildlich einen Hörspielkrimi vor") sowie auch introspektive Geschichten (wie "Donald hat ein ihn zerfressendes, schlechtes Gewissen, weil er seine Neffen bestohlen hat").

In diesem Zeitfenster nervten Donald aber auch erstmals in hoher Schlagzahl kleinere Tiere, womit die ersehnte neue Formel für Donald-Kurzfilme gefunden wurde. Im Cartoon «Old Sequoia» plagten ihn etwa zwei Biber, die einen Baum fällen wollen, den er wiederum bewachen soll, und in «Chip an' Dale» aus dem Jahre 1947 wird Donald von zwei Backenhörnchen heimgesucht. Zweiterer Cartoon wurde, wie ein Großteil der Post-Weltkriegs-Ära in den Donald-Cartoons, von Jack Hannah inszeniert, den Disney-Historiker Jim Korkis aufgrund dessen als "Donalds anderen Vater" bezeichnet, neben Walt Disney, dessen Name auf allen Donald-Geschichten prangt, und Carl Barks, der ihn erst in den Cartoons mitformte und letztlich in den Comics zum Eckpfeiler eines ganzen Comic-Universums aufbaute.

Unter Jack Hannahs Regie wurde Donald noch einmal größer – im wortwörtlichen Sinne: War Donald zunächst der Wutknirps und mit Beginn seiner eigenen Cartoonreihe noch immer ein gedrängter Knilch, änderten sich in den Post-Weltkriegs-Cartoons seine Proportionen im Vergleich zu seiner Umwelt. Die Figur bekam menschlichere Maße verliehen, womöglich, um sie von ihren neuen Gegenspielern abzusetzen: Neben Chip und Dale (die in Deutschland erst A-Hörnchen und B-Hörnchen getauft und später zu Chip und Chap umbenannt wurden) wurden unter Hannah auch ein Käfer und eine wilde Biene zu wiederkehrenden Gegenspielern Donalds.

Hannah passte die Donald-Cartoonreihe somit dem Zeitgeist an, wurden doch actionreichere "Verfolgungsjagdcartoons" wie jene mit Tom und Jerry, Sylvester und Tweety oder Road Runner und dem Kojoten zunehmend beliebter. Der Regisseur suchte einen Weg, den charaktergesteuerten Disney-Stil beizubehalten und sich dennoch dieser populären Stilistik zu nähern. Dazu gehörte es, wechselnde Sympathien zuzulassen: Ähnlich wie bei Carl Barks ist Donald unter Jack Hannah mal der Held, der einfach seine Sache machen will und dabei gestört wird, und mal der Schurke, der mit den anderen Figuren Schabernack treibt, und manchmal ist er auch beides zugleich.

Ähnlich elementar in der Ausformung der Leinwandpersönlichkeiten von Chip und Chap wie Jack Hannah war Autor Dick Kinney, der Bruder des «Der Fuehrer's Face»-Regisseurs Jack Kinney. Dick Kinney war es, der die Gesamtdynamik des Duos und die einzelnen Persönlichkeiten der Hörnchen festlegte: Chip heckt Pläne aus und ist strenger geraten, das das mit einer dickeren (in späteren Filmen zudem roten) Nase sowie auseinander stehenden Zähnen ausgestattete Kerlchen ist bequem und etwas dümmlich. Involviert in die Formierung von Donalds späten Erzfeinden ist außerdem Zeichner Bill Justice, der den umgekehrten Weg vieler anderer Disney-Zeichner ging: Während sich viele von den Kurz- zu den Langfilmen arbeiteten, begann Justice seine Disney-Karriere mit «Fantasia» und «Bambi», wechselte daraufhin allerdings zu den Kurzfilmen, wo er sich unter anderem auf Chip und Chap spezialisierte, denen er mit charakter- sowie humorvollen Zeichnungen eine Seele einhauchte.

1953 führte Jack Hannah einen weiteren wiederkehrenden Kontrahenten für Donald Duck ein, parallel dazu, dass die unter Hannah in die Höhe gewachsene Disney-Ikone wieder in ihren Proportionen etwas gedrängt wird: Mit dem Bären Humphrey wurde ein etwas ängstlicher, verpeilter Bär etabliert, der kurzzeitig zu einem großen Disney-Star aufgestiegen ist und daher sogar seine eigenen Cartoons bekam. Doch Humphreys Stern stieg, als sich die Disney-Studios aus dem Geschäft mit Kurzfilmen verabschiedeten, so dass Humphrey sich nicht im kollektiven Gedächtnis halten konnte, zumal wenige Jahre später mit Hanna-Barberas Yogi Bär ein anderer Picknick liebender Cartoonbär ins Rampenlicht geriet.

Jack Hannah wiederum inszenierte abseits der Cartoons14 Episoden von Walt Disneys Anthologie-Fernsehshow, bei denen er unter anderem auch Realfilmsegmente drehte. Hannahs Ambitionen, komplett ins Realfilmfach zu wechseln, führten jedoch ins Leere. Dafür konnte er mehrere Donald-zentrische Episoden inszenieren, in denen alte Cartoons durch kreative Schnittarbeit und eine Handvoll neuer Animationssequenzen zu neuen, längeren Geschichten montiert wurden.

Donald im TV: Der Quotentreiber, der Ausgeschlossene, der Publikumsliebling


Walt Disneys Anthologieshow fand früh zwei Erfolgsrezepte: Western (wie «Davy Crockett», der zu einem nationalen Phänomen wurde) und Donald-Duck-Specials. Wie Jack Hannah später festhalten sollte: "Die Einschaltquoten zeigten, dass die Ausgaben mit Wald und Donald die besten Zahlen holten. Das war einer der Gründe, weshalb wir so viele davon gemacht haben. Leute haben die Ente geliebt, genauso wie schon im Kino." Zu den Plots der Donald-Duck-Specials gehörten eine Ausgabe, in der Donald mit aller Macht zum Fernsehstar werden möchte und sich daher in allen in den 50er-Jahren beliebten Genres probiert und eine, in der seine Rivalität mit Micky Maus hochstilisiert wird und er aus Eifersucht, weil seine Neffen lieber Micky-Cartoons gucken als seine Filme, eine TV-Station kapert.

Ein anderes Mal wurde Walt Disneys damals «Disneyland» betitelte Anthologieshow mit Donald als Walt-Ersatz parodiert und eine am 1. April 1960 gezeigte Ausgabe wurde derweil wie eine Dokumentation über einen verrückten Einsiedler (gespielt von Donald Duck) aufgezogen. Diese während Walt Disneys Lebenszeit produzierten Fernsehspecials dienten auch als Grundlage für eine erneute Wiederverwertung: Spätere Disney-Fernsehspecials nutzten erneut die alten Cartoons, nun aber auch die extra für Walt Disneys TV-Sendungen entstandenen Tricksequenzen, um sich mit Hilfe eines Erzählerkommentars eine neue Handlung zusammen zu spinnen. Das geriet manchmal bemüht und führte zu halbseidenen Ergebnissen, mitunter sprangen aber auch Specials wie «Zoff in Entenhausen» von 1987 dabei heraus, eine gewitzte Enthüllungs-"Duckomentation", die davon handelt, dass Donald der Ruhm zu Kopf gestiegen ist, er seine Karriere hinschmiss und anschließend angestrengt an seinem Comeback arbeiteten muss.

Darüber hinaus nutzte der Disney-Konzern im Jahre 1984 ein aufwändiges US-Fernsehspecial rund um Donald Ducks 50. Jubiläum, um den Erpel im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu halten. In diesem bei CBS ausgestrahlten Special traten unter anderem Disney-Legende Dick van Dyke, der renommierte Künstler Andy Warhol, der ein an «The New Spirit» angelehntes Gemälde enthüllte, Kermit der Frosch und die Droiden R2-D2 und C-3PO aus «Star Wars» auf – und das, lange bevor Disney die Muppets und «Star Wars» aufkaufen sollte.

Donalds weiterhin große Popularität sollte ihm kurioserweise eine zentrale Rolle in der Original-«DuckTales»-Serie kosten: Die 1986 für ein Debüt im Folgejahr entwickelte Zeichentrick-Abenteuerserie, bei der einige Episoden auf Carl-Barks-Comics basieren, wurde bewusst als Serie entworfen, in der Donald nur eine kleine Handvoll an Auftritten hat. Stattdessen sollten Donalds Neffen Tick, Trick und Track sowie Geizhals Dagobert Duck im Mittelpunkt stehen. Tad Stones, einer der entscheidenden kreativen Köpfe hinter den "alten" «DuckTales», erklärte später wiederholt, dass der Disney-Konzern damals befand, dass man Donald durch Auftritte in einer täglichen Fernsehserie zu überreizen drohte – ein Risiko, dass man mit "einer seiner beliebtesten und bekanntesten Schöpfungen" nicht eingehen wollte. Aus demselben Grund wurde es auch Micky Maus lange verwehrt, in einer eigenen Serie aufzutauchen, ehe man bei beiden Figuren vom Gedanken abkam, man könnte sie im Fernsehen verheizen.

«DuckTales» sollte derweil ein großer Erfolg werden, der die Superhelden-Persiflage «Darkwing Duck» inspirierte und Walt Disney Television Animation Mitte der 90er-Jahre dazu anspornte, nun doch noch Donald eine eigene Serie zu geben. Das Konzept wurde in der Ideenfindungsphase aber mehrmals überarbeitet. Zwischenzeitlich war unter dem Titel «DuckDaze» eine direkte Fortsetzung zu «DuckTales» im Gespräch: Donald sollte von der Navy zurückkehren, bei der er sich während «DuckTales» herumgetrieben hat, und muss sich nun Dagobert Ducks Tests unterziehen, ob er eines Tages würdig wäre, sein Imperium zu erben. Infolgedessen muss Donald unter anderem zahlreiche Jobs durchlaufen, was Raum für klassischen Donald-Trubel geboten hätte.

Letztlich wurde aber beschlossen, die Serie «Quack Pack» zu nennen und von «DuckTales» loszulösen: Tick, Trick und Track werden in dem Format als pubertäre Erpel mit eigenen Persönlichkeiten gezeichnet, Dagobert spielt keine Rolle und Donald bekommt einen festen Job – als Kameramann beim Fernsehen. «Quack Pack» erzählt skurrile Abenteuer sowie cartooneske Sci-Fi- oder Mysteryplots und mischt Donald-Chaos darunter. Nach nur einer Staffel mit 39 Episoden wurde allerdings der Stecker gezogen. Drei Jahre später folgte «Neue Micky Maus Geschichten», eine Anthologie-Zeichentrickserie, bei der jede Episode mehrere Kurzfilme umfasst. Damit wollte man sich direkt an die klassischen Disney-Cartoons anlehnen, aus denen auch mehrere Plotmechanismen entlehnt wurden. Gleichzeitig wurden sie aber mit einem eher an die Disney-Konkurrenz der «Looney Tunes» erinnernden Tempo versehen.

Donald tritt hier wieder mehrmals im Trio mit Micky und Goofy auf, außerdem macht er neue Verfolgungsjagden mit A- und B-Hörnchen durch. Auch Humphrey feiert ein Comeback, darüber hinaus bekommt Donald mit einer quengelnden Schildkröte eine neue Nemesis verpasst. Und: Die «Neue Micky Maus Geschichten»-Autoren erhöhen in der Serie massiv Donalds Unglück, machen ihn hier zum ewigen Dauerpechvogel, gegen den sich einfach alles verschworen hat. Schon im Dezember 2000 wurde die Serie für das Nachfolgeformat «Mickys Clubhaus» aufgegeben, in dem Kurzfilme mit einer Late-Night-Show-Rahmenhandlung gezeigt werden. Die Serie lief bis 2003 und zeigt Donald als neidischen, vom Pech verfolgten Mit-Besitzer des titelgebenden Clubs.

Donalds Pech wurde drei Jahre später in der Vorschulserie «Micky Maus Wunderhaus», die Micky, Donald, Goofy und Co. als texturarme, dreidimensionale Gestalten zeigt, massiv gedrosselt, auch seine Wutanfälle wurden wieder ausgebremst. Ältere Fans nahmen die Serie zumeist sehr negativ auf, dessen ungeachtet brachte sie es auf zehn Jahre Laufzeit und 125 Episoden. Ein Jahr nach ihrem Ende startete dann eine Duck-Serie, die nicht nur neue Fans für Disneys Entenuniversum gewinnt, sondern auch eingesessene Fans begeistert: Das Reboot der «DuckTales», nun mit mehr Donald und episodenübergreifenden Plotelementen. Zwar drehen sich nur vereinzelte Folgen um Donald, allerdings ist den Serienschaffenden die Liebe zu dieser Figur und ihrer Cartoon- und Comic-Vergangenheit deutlich anzumerken. Neben Referenzen auf Carl Barks gibt es auch Hommagen an den gefeierten Disney-Comicautor Don Rosa und auch auf einige obskure Winkel des Duck-Kosmos. Donald wird in der 2017 begonnenen «DuckTales»-Version als fürsorglicher Ziehvater seiner Neffen gezeigt, der ihnen zuliebe (und aus Kummer über das Verschwinden seiner Schwester) das einst von ihm geliebte, verwegene Abenteuerleben aufgegeben hat. Gleichzeitig bleibt Donald wer, dem ständig die Hutschnur platzt.

Parallel zur «DuckTales»-Version existiert derzeit noch eine weitere Inkarnation aus Disneys TV-Trickstudios: In der simpel betitelten Cartoonserie «Micky Maus», die sich aus Kurzfilmen und gelegentlichen Feiertagsspecials von rund 20 Minuten Laufzeit zusammensetzt, wird den wildesten Jahren der Disney-Cartoonhistorie Tribut gezollt. Micky, Donald und Goofy sind hier verrückte Cartoongeschöpfe, die frenetische, nach einer ganz eigenen Logik ablaufende Missgeschicke erleben. Wo die neuen «DuckTales» amüsante Abenteuer mit Herz erzählen, zielen es die neuen «Micky Maus»-Cartoons auf Tempo, verrückte Ideen und laute Lacher ab. Und beides funktioniert gleich gut. Kein Wunder: Jahrzehnte lang arbeiteten Hunderte von künstlerischen Talenten daran, dass Donald eine unverwechselbare Figur wird, die sich dennoch flexibel einsetzen lässt. Und diese lange, harte Arbeit zahlt sich aus.

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