Die Kritiker

«Der Lissabon-Krimi - Feuerteufel»

von

Von Waldbränden bis zu alten Diktatur-Seilschaften. Der neue «Lissabon-Krimi» marschiert stringent durch alle portugiesischen Brandthemen.

Cast & Crew

Vor der Kamera:
Jürgen Tarrach als Eduardo Silva
Vidina Popov als Marcia Amaya
Orestes Fiedler als Marco Tavares
Katharina Pichler als Dona Beatriz Oliveira
Luís Lucas als Valdemar Amaya
Christoph Grunert als Gonçalo Postiga
Deleila Piasko als Ines Silva

Hinter der Kamera:
Produktion: Polyphon Pictures GmbH
Drehbuch: Sönke Lars Neuwöhner und Sven S. Poser
Regie: Jens Wischnewski
Kamera: Christoph Chassée
Produzentin: Sabine Tettenborn
Eduardo Silva (Jürgen Tarrach), einst angesehener Staatsanwalt und jetzt wählerischer Strafverteidiger, kampiert mittlerweile in der Wohnung seiner Referendarin Marcia Amaya (Vidina Popov). Beide sind sie Gestrandete, und in ihrem Baggage einander ähnlicher, als es Altersunterschied und äußere Lebensbedingungen suggerieren würden: Ihn plagen ominöse Geister der Vergangenheit und eine schwierige Beziehung zu seiner Tochter; sie wird plötzlich von ihrem Zigeuner-Onkel am Strand aufgesucht und manipuliert, um unwissentlich eine verklausulierte Drohung an ihren Staatsanwalts-Seminarleiter-Kumpel weiterzuleiten.

Dass sich die alten Seilschaften des Estado Novo noch tief ins heutige Portugal verzweigen, ist eines von mehreren landestypischen Brandthemen, das „Feuerteufel“ (wenn auch am Rande) zum Untersuchungsfeld macht. Das nächste ist deutlich konkreter: Waldbrände. Etwas außerhalb von Lissabon sind gerade wieder riesige Flächen abgebrannt. Dabei ist auch ein junger Mann zu Tode gekommen. Doch diesmal kann die Polizei einen (vermeintlich) Schuldigen ausfindig machen, der noch dazu mit dem Opfer persönlich bekannt war: Beide waren Teilnehmer an einem alternativpädagogischen Camp für jugendliche Straftäter und standen noch dazu auf dasselbe Mädchen. Das Vorstrafenregister des mutmaßlichen Täters ist lang und vor allem ein Verbrechen hat er immer wieder begangen: Brandstiftung.

Doch Anwalt Silva glaubt an die Unschuld des jungen Mannes und führt uns – über einen Schlenker zu den großen gesellschaftlichen Gegensätzen Portugals, die anhand der reichen Familie von Silvas Mandanten und den Eltern von dessen verarmtem toten Freund durchexerziert werden – zum nächsten Punkt auf der Liste „Typisch Portugal“: Windparkanlagen und dubiose Subventionskonstruktionen. Während die landestypischen Themen zu Beginn noch behutsam und angenehm beiläufig in den Stoff eingeflochten werden, schlägt mit zunehmender Laufzeit eine immer stärkere Überfrachtung zu Buche. Und so wird aus einer gut geplotteten, psychologisch dichten Geschichte zusehends ein laues Abhaken stereotyp portugiesischer Eigenheiten.

Letzterem spielen leider auch die zu beliebige urlaubskrimihafte Ästhetik und der zu aufdringliche Score in die Hände. Dabei will dieser «Lissabon»-Krimi erzählerisch nicht so recht in die lokalkoloritische Stoßrichtung der Urlaub-Sonne-Mord-Reihe passen: Dafür bringt die Hauptfigur zu viel aufrichtig dramatisches Potential mit, das die Autoren mit Bedacht auszuloten beginnen, nur um sich dann mit einem Mäandrieren durch Windpark-Intrigen und wenig ausgereiften jugendlichen Liebeleien zu beschneiden. Doch allein mit seiner Grunderkenntnis – eine pittoreske Stadt am Meer, in der gemordet wird, macht allein noch keine funktionierende Krimi-Reihe – ist er schon um einiges weiter als gut die Hälfte seiner donnerstagabendlichen Städtepartner.

Das Erste zeigt «Der Lissabon-Krimi – Feuerteufel» am Donnerstag, den 4. April um 20.15 Uhr.

Kurz-URL: qmde.de/108363
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