First Look

«Take Two»: «Castle» mit Rachel Bilson?

von

Aus der Feder der «Castle»-Schöpfer stammt ein neues Crime-Procedural, in das hierzulande VOX große Hoffnungen setzt. Hinter den Kulissen ist ein Münchener Produktionsunternehmen an der Serie beteiligt. Unser Kritiker-Urteil:

Cast & Crew

Produktion: ABC Studios, MilMar Pictures, Tandem Communications und Studiocanal
Schöpfer: Andrew W. Marlowe und Terri Edda Miller
Darsteller: Rachel Bilson, Eddie Cibrian, Xavier de Guzman, Aliyah O'Brien u.v.m.
Executive Producer: Andrew W. Marlowe, Terri Edda Miller, Rola Bauer und Tim Hilkin
Sam Swift (Rachel Bilson) hat einiges hinter sich: Nachdem sie in zweihundert Folgen einer dieser generischen amerikanischen Prime-Time-Polizeidramen die mit allen Wassern gewaschene Ermittlerin gegeben hat, folgten Absturz und Rehab. Bald darauf aber ergibt sich die Gelegenheit für ein Comeback: In einem Film soll sie eine zupackende Privatdetektivin spielen. Um sich auf die Rolle vorzubereiten, dient sie sich Privatdetektiv Eddie Valetik (Eddie Cibrian) an, den sie bei seiner Tätigkeit begleiten will, die oft in enger Zusammenarbeit mit der Polizei von Los Angeles stattfindet, für die er früher gearbeitet hat.

Es entspinnt sich, was sich in solchen Formaten immer entspinnt: Der durchtrainierte und clevere Profi denkt zuerst, dass seine widerwillig unter die Fittiche geklemmte Schauspiel-Diva wenig auf dem Kasten hat und ihm nur im Weg rumstehen wird, bis sie in einer besonders verfahrenen Situation zunächst ihren wachen Verstand beweist und irgendwann später vielleicht auch noch ihr besonders gutes Herz. Dann sehen wir zweihundert Folgen lang zu, wie das Eis bricht. Damit das inhaltlich nicht abstruser wird als unbedingt nötig, wird die (in Grenzen) logische Grundlage bereits im Piloten gelegt: Sam leckt Blut und findet das Dasein als Detektivin (oder zumindest dessen Assistentin) aufregender als jeden Dreh, und entschließt sich, erst einmal in diesem neuen Metier weiterzumachen.

Sicherlich ist das erzählerisch überschaubar raffiniert: Und doch ist «Take Two» in vielerlei Hinsicht reizvoller, netter und angenehmer als der allgemeine generische Output an ungleichen Buddy-Cop-Dramedies, die das amerikanische Fernsehen im Überfluss produziert. Sam und Eddie sind zwar klischeebeladene Charaktere, die nahezu ausschließlich vorhersehbar agieren, – trotzdem bieten sie ihren Darstellern Eddie Cibrian und Rachel Bilson die Gelegenheit, mehr zu sein als leicht erotisch angehauchte Witzeleien aufsagendes Eyecandy. Derweil entbehrt der Kommentar zur penetranten Ausschlachtung der exzentrischen Lebenstragödien von angelsächsischen Prominenten zwar jedweder Subtilität, aber doch nicht einer gewissen scharfen Beobachtung.

Besonders die bei ABC ausgestrahlten Trailer wiesen zu Promo-Zwecken ohne Unterlass darauf hin, dass «Take Two» aus der selben Feder stammt wie das lange populäre «Castle», das nach acht Staffeln und immerhin fast zweihundert Folgen vor gut zwei Jahren abgesetzt wurde. Dessen Prämisse – exzentrischer Romanautor drängt sich New Yorker Kommissarin auf, um sie bei ihren Ermittlungen zu begleiten, während die Beiden einander ein bisschen näher kommen – ist der von «Take Two» freilich frappierend ähnlich, während die gerne etwas ironisch vorgetragenen Dialoge auch eine deutliche stilistische Parallele aufzeigen. Gleichzeitig überschreitet die Ironie in «Take Two» jedoch oft die Grenze zur Selbstparodie, und während bei «Castle» ein feingeistig-intellektueller Autor mit der New Yorker Polizei auf Tatortbesichtigung ging, steht hier eine etwas abgehalfterte Trash-Tante im Rampenlicht.

Feingeistig und intellektuell sind freilich auch keine Attribute, mit denen sich «Take Two» treffend beschreiben ließe. Will man der Serie ihre kompetente Besetzung sowie die gelungeneren komödiantischen Momente zugutehalten, kann man sie ein launiges Guilty Pleasure nennen; kommt man über die generisch-stereotype Figurenführung nicht hinweg, wird das Urteil so-lala ausfallen – ähnlich wie die Quoten der Pilotfolge bei ABC. Gut möglich, dass VOX‘ Hoffnungen, hier einen neuen Hit ins Line-up setzen zu können, enttäuscht werden, trotzdessen, dass mit Tandem Communications mal ein deutsches Unternehmen an der Produktion einer amerikanischen Prime-Time-Serie beteiligt ist.

«Take Two» ist Teil des VOX-Programms der neuen Saison. Genauere Termine stehen noch nicht fest.

Mehr zum Thema... Serie Castle Take Two
Kurz-URL: qmde.de/101889
Teile ich auf...
Kontakt
vorheriger ArtikelFür Nachteulen: sixx setzt auf mehr «Reign»nächster ArtikelGroßprojekt: Discovery und ProSiebenSat.1 wollen deutschen Streaming-Champion schaffen
Schreibe den ersten Kommentar zum Artikel

Optionen

Drucken Merken Leserbrief


Werbung


E-Mail:

Quotenletter   Mo-Fr, 10 Uhr

Abendausgabe   Mo-Fr, 16 Uhr

Datenschutz-Info

Letzte Meldungen

Werbung

Mehr aus diesem Ressort


Jobs » Vollzeit, Teilzeit, Praktika

Dirk g. Schlarmann
RT @Marco_Hagemann: Das hätte man auch gleich sagen können. Verstehe das ganze wochenlange Schweigen nicht.. https://t.co/hz5b9jHvsN
Sascha Bacinski
#Karius heute in #Charlotte über die Verpflichtung von Alisson Becker ?Ist natürlich nicht optimal für mich.? Sein? https://t.co/KtCpkGEFPV
Werbung

Gewinnspiel

Gewinnspiel: «Black Panther»

Zum Heimkinostart von Marvels gefeiertem «Black Panther» verlost Quotenmeter.de tolle Preise. Jetzt mitmachen und gewinnen! » mehr


Werbung

Surftipps

Willie Nelson zollt Frank Sinatra Tribut
Willie Nelson veröffentlicht Songs von Frank Sinatray Wie viele Alben Willie Nelson in seinem Leben veröffentlicht hat, lässt sich vermutlich kaum ... » mehr

Werbung