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Sonntagsfragen

Sonntagsfragen an Kirsten Erl

von
Frau Erl, wieso sind Sie denn Richterin geworden?

In der letzten Schulklasse haben wir diskutiert, was jeder einzelne später studieren will. So haben wir uns alle ein bisschen selbst charakterisiert und dabei bin ich daraufgekommen, dass ich eigentlich immer schon einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hatte und auch schon immer versucht habe, zwischen den Leuten zu vermitteln.



Außerdem hat mich das Jura-Studium schon auch interessiert. Aber ich wusste damals noch nicht, in welche Richtung das geht, weil man ja nur unter bestimmten Vorraussetzungen Richterin werden kann. Die Noten entscheiden letztlich darüber. Das Interessante im Richterberuf – im Gegensatz zum Beispiel zum Anwaltsberuf – ist folgendes: Man hört sich immer verschiedene Seiten an – in der Regel zwei Parteien. Am Ende musst du abwägen – wem glaubst du und wem glaubst du nicht. Ein Anwalt ist hingegen eher Interessenvertreter und steht deswegen hinter einer Person. Ich finde es besser, wenn man sich alles anhört und dann überlegt, wer die Wahrheit sagt.



Sie waren zuletzt in Essen als Jugendrichterin tätig. Warum haben Sie sich für die Arbeit mit Jugendlichen entschieden?

Das war eine Entwicklung. Zunächst habe ich Erwachsenenstrafrecht gemacht und habe dann das Angebot bekommen, ins Jugendstrafrecht zu wechseln. Das war für mich eine ganz neue Herausforderung, die ich gerne angenommen habe. Man hat dort mit jungen Menschen zu tun, die mich ohnehin sehr interessieren. Ich finde es wichtig, dass man Leute, die vielleicht einmal auf die schiefe Bahn gekommen sind, möglicherweise auch wieder zurückführt. Das ist bei Menschen, die das erste oder zweite Mal vor Gericht sind, noch einfacher. Auf diese Menschen einzuwirken, ihnen zu sagen „so geht’s nicht“, das finde ich wichtig. Man kann diesen Jugendlichen aufzeigen, dass es eben andere Möglichkeiten gibt, wie sie ihre Probleme bewältigen können.



Standen Sie jemals selbst mit dem Gesetz in Konflikt? Haben Sie sich vielleicht als Teenager mal einen kleinen Fehlgriff erlaubt?

Nein, da muss ich Sie enttäuschen. (lacht) Ich bin relativ brav. Obwohl, ich habe auch schon mal im Halteverbot geparkt.



Sie haben viel mit Jugendlichen zu tun. Wie beurteilen Sie die junge Generation? Schließlich kann man oft hören, dass die heutigen Jugendlichen „ganz anders und viel schlimmer“ als früher sind.

Ich weiß nicht genau wie es früher war. Aber ich denke schon, dass sich die Gesellschaft verändert hat. Früher hat jemand von Nachbars Baum die Kirschen geklaut, heute klauen die Leute im Laden. Das ist natürlich nicht zu bagatellisieren.



Gerade Drogendelikte gab es vor hundert Jahren wesentlich weniger als zur heutigen Zeit. Es gibt moderne Straftaten, die Mittels Computer und Internet begangen werden. Das gab es früher alles nicht. Aber wir haben auch nach wie vor tolle Jugendliche – es ist ja nicht so, dass jeder junge Mensch straffällig ist. Ob das jetzt schlimmer ist, als vor einigen Jahren, kann ich xxx nicht sagen, da müsste man sich in Statistiken einlesen.



Von der Essener Jugendrichterin, wo sie sehr zufrieden waren, zur RTL-Jugendrichterin. Warum haben Sie sich entschieden, TV-Richterin zu werden?

Wie Sie schon sagten, ich habe mich in Essen im Jugenddezernat sehr wohl gefühlt. Das Casting habe ich erstmal eigentlich nur just for fun gemacht. Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich unter den über hundert Teilnehmern ausgesucht werde.



Irgendwann kam dann der Anruf, dass ich die neue Jugendrichterin werden könnte. Zunächst habe ich dann das Für und Wider abgewogen und bin zum Entschluss gekommen, dass der Job etwas ganz anderes ist und auch eine ganz spannende Erfahrung. Im August war ich genau zehn Jahre als Richterin tätig und habe mich deswegen auch auf den Wechsel gefreut. Jetzt bin ich in einem ganz anderen Umfeld, arbeite nicht mehr in Essen, sondern in Köln.



Das Medium Fernsehen finde ich sowieso sehr interessant – ich gucke selbst auch ziemlich viel fern. Die Grundvoraussetzung war aber, dass ich wieder in meinen alten Beruf zurück kann. Für vorerst zwei Jahre bin ich jetzt beurlaubt.



Sie haben bis jetzt 21 Folgen des «Jugendgerichts» gedreht. Haben Sie sich den Alltag als TV-Richterin so vorgestellt?

Ich habe mir eigentlich gar nicht viel vorgestellt. Was überraschend war, ist dass die Tage, an denen wir produzieren, wirklich sehr anstrengend sind. Man hat das sonst immer von Schauspielern gehört und es eigentlich nicht wirklich verstanden, warum das so ist. Es sind zunächst einmal lange Tage. Wir produzieren in der Regel drei Folgen an einem Tag, manchmal sind es sogar vier. Das ist schon stressig. Zwischendrin entstehen zum Teil auch längere Pausen, wo Warten angesagt ist. Aber im Großen und Ganzen entspricht es schon dem, was ich mir in etwa erwartet habe.



Im zweiten Teil des Interviews (erscheint am kommenden Sonntag) verrät Kirsten Erl, wie ihr TV-Alltag aussieht und welche TV-Sendungen sie besonders mag.



Anbei möchte sich Quotenmeter.de herzlich bei der Pressestelle der Produktionsfirma Filmpool bedanken: In einem Jahr «Sonntagsfragen» ging es noch nie so schnell, an ein Interview zu kommen. Gerade einmal vier Stunden vergingen zwischen Anfrage und Gespräch mit Kirsten Erl. Eine Leistung, die hier mit öffentlichem Lob bedacht werden soll.

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