David Lowery, Regisseur von «Elliot, der Drache», begibt sich für seinen neuen Film «A Ghost Story» raus aus dem Segment der Kinder- und Familienfilme und erzählt in seinem melancholischen Mysterydrama von der schweren Aufgabe, loszulassen.
So richtig viel erfahren, tun wir über die beiden Hauptfiguren nicht. Insofern ist das erste Drittel von «A Ghost Story» zwangsläufig das schwächste, denn das Zusammenleben zwischen M und C (diese Beschreibung lässt sich einzig und allein dem Presseheft entnehmen, die beiden sprechen einander nie namentlich an) könnte in seiner intensiv gelebten und doch beiläufig eingefangenen Leidenschaft assoziativer kaum sein. Etwas Markantes, das sich nur auf die Liebe dieser beiden Zeitgenossen beziehen würde, gibt es nicht; stattdessen steht ihre Beziehung eher stellvertretend für viele und veranschaulicht einen Zustand perfekter Harmonie. Ins Kitschige driftet Lowery, der auch das Drehbuch verfasste, indes nie ab. Dafür setzt er bereits zu Beginn auf eine angenehme Schwermut und verzichtet gleichermaßen auf allzu klischeehafte Mann-Frau-Momente. In seiner Geschichte ist Platz für tiefschürfende Gespräche, für die ganz normalen Probleme des Alltags, aber auch für federleichte Interaktion, die erahnen lässt, wie tragisch ein Auseinanderbrechen dieser herzlich aufeinander eingespielten Eheleute wäre.
Sobald C nicht mehr unter den Lebenden, sondern fortan unter den Toten weilt, heftet er sich – ganz klassisch in ein weißes Laken gehüllt und doch für Niemanden sichtbar – an die Fersen seiner wehmütigen Ehefrau. Spätestens ab hier lebt «A Ghost Story» vor allem von seinen (mitunter winzigen) Details; das beginnt bei der Erklärung, weshalb C fortan überhaupt ein Laken über seinem Haupt trägt und endet bei einer wahrlich spektakulären Sequenz, in welcher David Lowery die Motive des klassischen Haunted-House-Kinos umkehrt und aus der Sicht des Poltergeists veranschaulicht. In all diesen Sequenzen steckt in erster Linie viel Liebe für Lowerys Figuren, doch trotz der minimalistischen Geschichte lässt sich auch eine emotionale Vielfältigkeit in seinen Beobachtungen ausmachen. Einer minutenlangen Sequenz, in der wir M dabei beobachten, wie sie – zum ersten Mal allein zuhause – in einer regelrechten Fressorgie all ihren Kummer in sich hineinstopft (aufgenommen in nur einem einzigen Take!), während das Gespenst nicht mehr tun kann als stumm in der Ecke zu sitzen, stehen Momente regelrechter Entrüstung gegenüber, als das Haus plötzlich von Anderen bewohnt wird.
An der sehr ruhigen, fast lethargischen Inszenierung von «A >Ghost Story» dürfte nicht jeder Zuschauer Gefallen finden. Die Faszination entsteht hier oftmals auch daraus, die Szenerie über einen längeren Zeitraum still auf sich wirken zu lassen. Viel Dialog gibt es nicht, genauso wenig wie spektakuläre Kamerafahrten, Effekte oder eine sich zuspitzende Dramaturgie. Trotz seines Überdauerns mehrerer Jahre fühlt sich der Film eher wie eine unkommentierte Momentaufnahme an. Als ebensolche punktet «A Ghost Story» auch über die Darsteller, sowie die technische Aufmachung. Obwohl Lowery seine beiden Protagonisten, die den Film zu weiten Teilen allein bestreiten, kaum mit charakterlichen Details versieht, ist es vor allem die intime Nähe zu ihnen beiden (der Film kommt nicht umsonst in 4:3-Format in die Kinos), die dafür sorgt, dass wir als Zuschauer emotional immer weiter an sie heranrücken. Kameramann Andrew Droz Palermo («You’re Next») arbeitet mit vielen Close-Ups, fängt jede noch so kleine Regung der beiden Mimen ein und kreiert eine Schönheit vornehmlich über die Schlichtheit seiner Settings. 

• A >Ghost Story • A Ghost Story • Coco • Elliot der Drache • Sieben Minuten nach Mitternacht • You’re Next
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