Ein halbes Jahr nach den Terroranschlägen von Paris lässt der durch Horrorfilme bekannt gewordene Regisseur James Watkins eine Bombe in der französischen Hauptstadt explodieren. Kann aus dieser Prämisse heraus ein sehenswerter Actionthriller entstehen?
Der US-Amerikaner Michael Mason (Richard Madden), der mithilfe gerissener Taschendiebstähle seinen Lebensunterhalt bestreitet, gerät nach einem Anschlag in Paris ins Visier der Geheimdienste. Der CIA-Agent Sean Briar (Idris Elba) wird auf ihn angesetzt, um ihn in die USA zu überführen. Aber Mason ist nicht nur unschuldig, er ist auch der Einzige, der die Spur zu den Attentätern zurückverfolgen kann. Gemeinsam decken Briar und Mason eine Verschwörung auf, deren Netz bis in die obersten Reihen des französischen Staatsapparates reicht. Und sie haben nur 24 Stunden, um den nächsten Anschlag zu verhindern. Ein nervenaufreibender Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem es um mehr geht, als das eigene Überleben…
Sich ausschließlich auf den Zweikampf zwischen Michael und Sean zu konzentrieren, wäre jedoch langweilig. Entsprechend zweigeteilt ist das Skript von James Watkins und Debütschreiber Andrew Baldwin aufgebaut. Seine erzählerische Ausgewogenheit erhält «Bastille Day» durch den wechselnden Fokus zwischen rasanter Action und dem Blick hinter die Kulissen des französischen Regierungsapparates sowie auf die Pläne der Attentäter. Damit baut der Zuschauer nach und nach einen Wissensvorsprung gegenüber den Protagonisten auf, was den Spaß am Zuschauen zusätzlich steigert. Dass James Watkins bei der Inszenierung trotzdem nie den Faden verliert, liegt einmal mehr an der übersichtlichen Laufzeit. Wenn etwas geschieht, ist es stets von Relevanz. Vollkommen auf Handlungsschlenker verzichtend, folgt auf jede Aktion die direkte Reaktion. Das hat durchaus auch zur Folge, dass sich die finale Wendung für clevere Zuschauer erahnen lässt. Gleichwohl ist der Schlussakt so effektiv inszeniert, dass ihm die Wirkungskraft und Wucht dennoch nicht abgeht. Auch die abseits der Protagonisten stattfindende, klare Einteilung von Gut und Böse, die gleichsam nicht vor dem Aufgreifen einiger Klischees zurückscheut, nimmt dem Film hier und da einen Hauch von Komplexität. Ausgleichen können das jedoch die Darbietungen der beiden Hauptdarsteller, die hier tatsächlich gefordert sind, ihren Figuren interessante Profile zu geben.
«Bastille Day» macht zwar von Anfang an keinen Hehl daraus, dass Michael und Sean im Kern gute Kerle sind als auch für die moralisch vertretbare und damit richtige Seite agieren. Als aufopferungsvolle Unschuldslämmer präsentieren sich jedoch beide nicht. Das ist gut so und verleiht «Bastille Day» einen rauen Charme. Dass Michael trotz seiner Unschuld vor der Polizei flieht, ist also nicht bloß der Dramaturgie geschuldet, sondern fest in der Logik der Handlung verankert. Idris Elba präsentiert sich derweil von einer Seite, die ihn nicht umsonst zu einem der derzeit heißesten Anwärter auf den James-Bond-Posten macht. Der kantige Mime ist physisch in einer verdammt guten Verfassung, wodurch auch die actionreichsten Verfolgungsjagden stets einen Hauch von geerdetem Realismus behalten. Dass sich die zu Beginn vorherrschende, gegenseitige Ablehnung der beiden Figuren nach und nach zu einer Komplizen-Beziehung entwickelt, ist aufgrund der von beiden Seiten äußerst freimütig stattfindenden Interpretation von Recht und Ordnung ebenfalls nachvollziehbar. Michael und Sean sind sich beide ziemlich ähnlich und realisieren diesen Umstand erst nach und nach. Die ernsten Umstände lassen eine Buddy-Cop-Comedy-Prämisse dadurch zwar noch lange nicht zu, doch mit der Zeit wird die Interaktion der beiden immer selbstverständlicher. Das gefällt und wird von Kameramann Tim Maurice-Jones («Die Frau in Schwarz») in weitläufig-edle Bilder gekleidet, die auch in schnellen Sequenzen stets den Überblick behalten.

• Bastille Day • Cinderella • Die Frau in Schwarz • James Bond • Off Duty • Skyfall • Taken • Tatort • The Gunman • Triple 9 • Tschiller • Tschiller: Off Duty
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23.06.2016 11:47 Uhr 1