Die neue Sat.1-Show versuchte Masse und Klasse zu kombinieren und quetschte zwölf Performances auf hohem Niveau in zwei Stunden. Dies brachte ein hohes Tempo in die Show, aber wenig Emotion.
Für Sat.1 geht es in diesen Wochen vornehmlich darum, den Freitagabend-Sendeplatz in der Zeit zwischen den Quoten-Hits «Promi Big Brother» und «The Voice of Germany» möglichst gut über die Runden zu bringen. In direkter Konkurrenz zur RTL-Tanzshow «Stepping Out» wird man es zunächst mit der neuen Casting-Show «Superkids - Die größten kleinen Talente der Welt» versuchen - wobei sich die Programmverantwortlichen eines Hits wohl noch nicht so ganz sicher sind, beschränken sie doch den Ausstrahlungsumfang zunächst auf sehr überschaubare drei Folgen. Diesen Zeitdruck merkte man der Auftaktfolge auch deutlich an. Positiv formuliert könnte man von einem äußerst zielgerichteten Vorgehen sprechen, negativ beinahe schon von Hast und Hetzerei.
Ebenfalls Luft nach oben gibt es noch hinsichtlich Vielseitigkeit der gebotenen Talente. Zum Großteil beschränken sich die Darbietungen auf die Bereiche Sport, Musik und Tanz, lediglich ein Zauberkünstler weicht hiervon deutlich ab. Gemeinsam mit der Jury stellt er seine Kunststücke vor, womit eine leider einmalige Interaktion zwischen den Beteiligten zustande kommt. Denn hiervon abgesehen wirkt der Ablauf doch sehr statisch und vorhersehbar: Moderation, Einspielfilm, Act, Juryurteil, Verabschiedung, Überleitung zum nächsten Künstler. Sehr zielgerichtet, aber nicht zwingend vorteilhaft, wenn man das Publikum vor den Fernseher an das Format binden möchte. Gewiss, die Talente der Kinder sind äußerst respektabel und ein nicht zu unterschätzender Schauwert, darüber hinaus bietet die Sendung jedoch kaum etwas, um den Rezipienten emotional an sie zu binden.
Alles in allem ist «Superkids» ein Casting-Format, das sich vor allem durch sein extrem hohes Tempo und sein internationales Teilnehmerfeld von anderen Genre-Vertretern abhebt. Beides hat Vor- und Nachteile, beides wird solide umgesetzt, ohne dass sich jedoch ein Gesamtkonstrukt ergibt, das als Pflichtkonsum zu deklarieren wäre. Abgesehen von den weit überdurchschnittlichen Darbietungen der Kinder gibt es kaum einen Grund, die Sendung zwingend sehen zu müssen. Das Zusammenspiel zwischen Jury, Moderation und Kids ist dürftig, die Dramaturgie wenig aufregend, optisch und konzeptionell bekommt man lediglich solide Kost geboten. Stellt sich die Frage, was das showhungrige Publikum in den kommenden Wochen lieber sehen möchte: Eine nette Tanz-Show, die quasi 1:1 das Erfolgsrezept von «Let's Dance» adaptiert oder eine nette Kinder-Casting-Show mit starken Talenten und hohem Tempo, bei denen aber kaum eine emotionale Bindung zu den Akteuren aufkommen will.
• Die größten kleinen Talente der Welt • Let's Dance • Promi Big Brother • Stepping Out • Superkids • The Voice Kids • The Voice of Germany
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