Es ist der vielleicht beste Film des Jahres. Die berührende Tragikomödie «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» erzählt aus dem Leben zweier junger Erwachsener, die ein und dasselbe Schicksal teilen: Krebs.
Die Palette an Gefühlsregungen, die «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» von der Exposition bis zum Finale bedient, reicht vom buchstäblichen himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt. Regisseur Josh Boone, der bislang lediglich für die hierzulande ausschließlich im Heimkino erschienene Romanze «Love Stories» verantwortlich zeichnete, scheint sich damit bewusst auf kein Genre festlegen zu wollen. So arrangiert er humorige Sequenzen mit derselben Inbrunst, mit der er die bittersüßen und tieftraurigen Momente inszeniert. «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» ist keine Komödie, doch ebenso wenig ein Drama. Beide Genres gehen Hand in Hand und werden von einem grandios aufspielenden Cast zum Leben erweckt, der die Tragweite des Stoffes genau einzuschätzen weiß und sich ohne jede Form der Anbiederung alsbald in die Herzen diverser Award-Jurys spielt. Das Skript von Scott Neustadter und Michael H. Weber («The Spectacular Now»), das sich zur Erleichterung vieler Liebhaber der Romanvorlage sehr stark am Buch orientiert, ist so fein auf das Gefühlsleben seiner Protagonisten abgestimmt, dass die Darsteller fast intuitiv agieren können. Dabei ist der Streifen frei von jeglichem Kitsch und provoziert aktiv weder Tränen noch laute Lacher. Stattdessen setzen sowohl das Skript als auch die Inszenierung auf die Authentizität der Prämisse und die damit einhergehende Gefühlswelt eines jeden Zuschauers. Die Geschichte verkommt nicht zum tränenziehenden Schmachtfetzen, sondern spielt auf so ehrliche Art und Weise mit einer solchen Bandbreite an Empfindungen, dass es schon bald ziemlich schwer fällt, sich vom Leinwandgeschehen zu distanzieren.
Mal lesen sich die todkranken Jugendlichen gut gelaunt ihre Grabreden vor, in der nächsten Szene werden die Figuren und das Publikum mit einer niederschmetternden, das Leben für immer verändernden Diagnose konfrontiert. Wann immer «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» Gefahr läuft, das Leben zu rosarot zu zeichnen, muss sich ein jeder mit dem Schicksal unserer nach und nach zu Freunden werdenden Hauptdarsteller auseinandersetzen. An den oft harten Tonfallwechseln, die Josh Boone dosiert auf den Zuschauer loslässt, hat das Publikum im ersten Moment oft schwer zu schlucken. Doch der Regisseur nimmt, wie schon der Romanautor, kein Blatt vor den Mund und orientiert sich weder an Sehgewohnheiten, noch an Erwartungshaltungen. «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» ist kein bequemer Film, obgleich sich nie ein Gefühl von Unbehaglichkeit einstellt. So dürfen Tränen der Rührung vergossen werden und auch in Momenten, in denen es eigentlich gar nicht passt, versteckt sich vor allem in den Dialogen hier und da tiefschwarzer Humor. Doch so ungezwungen wie Josh Boone respektive Autor John Greene hat das Tabu-Thema „Krebs“ wohl selten einer behandelt, wodurch der Streifen neben einem inszenatorischen Meisterwerk auch ein wichtiger Film ist, um mit Vorurteilen aufzuräumen.
Popstar Ed Sheeran schrieb mit „All of the Stars“ den Titelsong zum Film und schafft eine eindringliche Powerballade mit Oscar-Qualitäten. Mike Mogis und Nate Walcott, die beide ebenfalls an «Love Stories» beteiligt waren, greifen in «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» verstärkt auf zur Situation passende Popballaden zurück. Dabei fällt die Wahl jedoch weniger auf konventionelle Radio-Ohrwürmer, denn vielmehr auf Charaktersongs von Künstlern wie Birdy, Lykke Li oder M83. Mit seinen warmen Bildern verpasst Kameramann Ben Richardson («Beasts of the Southern Wild») der Tragikomödie eine wohlig-unverfälschte Atmosphäre und macht «Das Schicksal ist ein mieser Verräter» aus technischer Sicht zu einem Wohlfühlfilm.• Beasts of the Southern Wild • Carrie • Das Schicksal ist ein mieser Verräter • Divergent • Grand Budapest Hotel • Happy New Year • Love Stories • The Master • The Spectacular Now
Manager Creative Productions (m/w/d)
Jungredakteur/Redakteur Casting (w/m/d)
Pflicht/-Orientierungspraktikant Redaktion (w/m/d)
Redakteur (w/m/d) oder Jungredakteur (w/m/d)
Jungredakteur/Redakteur (w/m/d)