im Stile großer Surrealisten wie David Lynch und David Cronenberg präsentiert uns Denis Villeneuve das hochspannende Verwirrspiel «Enemy», der eigentlich nur als Test-Shoot für «Prisoners» gedacht war.
Dem Geschichtsprofessor Adam (Jake Gyllenhaal) erscheint das Leben wie ein endloser, nicht greifbarer Traum. Gelangweilt von seinem Alltag und seiner Beziehung lässt er Tag um Tag in Lethargie verstreichen – bis er in einem Film den Schauspieler Anthony (Jake Gyllenhaal) entdeckt, der ihm bis aufs Haar gleicht. Verstört aber auch fasziniert von dieser Entdeckung, beschließt er, seinen Doppelgänger aufzuspüren. Je tiefer Adam in Anthonys Welt eindringt und dabei auch dessen Frau (Sarah Gadon) näher kommt, desto mehr scheinen die Grenzen zwischen den beiden Personen zu verschwimmen. Die anfängliche Neugier steigert sich zur Besessenheit; ein bizarres Spiel beginnt.
In fiebrig-gelb getränkten Bildern und vor der Kulisse eines dadurch befremdlich wirkenden Toronto agiert Jake Gyllenhaal in einer meisterhaft verkörperten Doppelrolle. Als bodenständiger Geschichtsprofessor Adam suhlt sich Gyllenhaal in einer fast schon provokanten Lethargie; Sein Doppelgänger Anthony hingegen lebt ein zufriedenes Leben. Nuanciert lotet der Hollywoodstar die Extreme beider Charaktere aus und läuft dennoch nie Gefahr, in ein Overacting zu verfallen. Gyllenhaals Figuren sind bodenständig, greifbar und trotz ihrer Ähnlichkeit jederzeit voneinander zu unterscheiden. Dies gelingt vor allem durch das Zusammenspiel mit diversen Nebendarstellern. Mit der hübschen, jedoch oberflächlich gezeichneten Mélanie Laurent («Die Unfassbaren – Now You See Mee») als Adams Freundin pflegt Adam einen ungezwungenen, fast nebensächlichen Umgang. Sarah Gadon («Die Tore der Welt») als anmutig-schöne Helen und schwangere Ehefrau von Anthony wird dagegen die würdevollere Rolle zuteil, was auch Gyllenhaal – mal als Adam, mal als Anthony – sie spüren lässt. Für Gänsehaut sorgt ebenfalls Isabella Rossellini in der Rolle von Adams Mutter. Als diese ist sie nur kurz zu sehen – denkwürdig und für die Handlung von Relevanz ist ihr Auftritt trotzdem. Mit David Lynchs «Blue Velvet» gelang Rossellini einst der Durchbruch – eine unübersehbare Hommage Villeneuves an den Surrealistik-liebenden Regisseur, an dem sich der Filmemacher mehr als einmal orientiert.
Regisseur Denis Villeneuve nutzte den Dreh zu «Enemy», um ein Gespür für Jake Gyllenhaal zu bekommen, der in seinem ersten, großen internationalen Projekt «Prisoners» eine der Hauptrollen spielen sollte. Zusammen mit Hollywoods Grande Dame Isabella Rossellini stellt Gyllenhaal den wohl bekanntesten Part in Villeneuves intensivem Verwirrspiel. Selten gelang ein englischsprachiges Filmdebüt derart intensiv wie hier.
Auch Adams Vorlesungen über totalitäre Systeme lassen erahnen, dass sich hinter «Enemy» riesige Interpretations-Ansätze auftun. Wirre, dabei nicht minder berauschende Traumsequenzen mit immer wiederkehrenden Symbolen oder visuell verfremdete Ansichten der Skyline von Toronto: All diese Kniffe tragen dazu bei, dass «Enemy» auch über seine übersichtliche Laufzeit von neunzig Minuten voll von anspruchsvollem Inhalt ist, den andere Regisseure selbst in Streifen von doppelter Länge nicht unterbekommen würden. Denis Villeneuve gelingt das Kunststück, die Fülle an Informationen nicht als große, undefinierte Masse auf den Zuschauer loszulassen, sondern selbst auf solch beschränktem Raum eine Form von künstlerischer Behäbigkeit zu generieren, welche die einzelnen Plotelemente erst nach und nach offenlegt. Der dröhnende Soundtrack von Danny Bensi und Saunder Jurriaans («Martha Marcy May Marlene») verleiht dieser Szenerie ihr Klangfeld; greifen die beiden Komponisten doch weniger auf harmonische Klänge denn viel lieber auf eine quälende Soundkulisse zurück. Bedrohlicher geht es kaum!• Blue Velvet • Die Frau die singt • Die Tore der Welt • Die Unfassbaren • Die Unfassbaren – Now You See Mee • Enemy • Martha Marcy May Marlene • Now You See Mee • Only God Forgives • Prisoners • Rebelle • Side Effects • Sieben • Zodiac
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