Nicht ernst zu nehmen war der Versuch ProSiebens, ein großes Grusel-Spektakel im Stile einer Spielshow aufzuziehen. Das nackte Grauen bekam nur der Zuschauer, der sich dieses dilettantische Machwerk bis zum Ende ansah.
Denkbar schlecht ist die ProSiebenSat.1-Gruppe ins neue Show-Jahr gestartet, denn die im Vorfeld medial groß beworbene «Millionärswahl» entwickelte sich nach einem mäßigen Start schnell zu einem bitteren Flop für alle Beteiligten. Die Idee des "ersten demokratisch gewählten Millionärs" barg theoretisch durchaus Potenzial, scheiterte letztlich allerdings an einer zu trägen und belanglosen Präsentation auf der Bühne. Mit «Scream! If You Can» versucht sich ProSieben nun erneut an der Umsetzung eines prinzipiell spannenden Projekts - und scheitert inhaltlich erneut kläglich. Nahezu fassungslos schaut man auf das dilettantische Laientheater, das einem dort zwei Stunden lang geboten wird.
Vor allem aber stellt sich die Frage, wie man eine solche Show ernsthaft als große Samstagabendunterhaltung anbieten kann. Ob gekreuzigte Vogelscheuchen, verlassene Hütten, billige Leichen-Attrappen aus dem nächstbesten Discounter oder Horrorpuppen mit der Ausstrahlung einer schlecht geschminkten Baby Born: Die Requisiten machen einen derart lausigen Eindruck, dass man den übereifrigen Versuch, diese durch schnelle Schnitte, Großaufnahmen und Soundeffekte möglichst pompös in Szene zu setzen, zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise ernst nehmen kann. Jedes billige Horror-B-Movie vollbringt die (ohne Zweifel schwierige) Kunst eher, eine düstere und beklemmende Atmosphäre zu kreieren als die Macher dieser Show.
Nachdem vier der fünf Schlüssel gefunden wurden und die Protagonisten mehr oder minder erfolgreich vor den grausigen Schleckattacken von Wuffi, Bello und Struppi geflohen sind, hat man sich für die besonders hartgesottenen Zuschauer, die dem Schauspiel auch nach anderthalb Stunden noch nicht ausreichend überdrüssig sind, um wahlweise vor Langeweile einzuschlafen oder den Sender zu wechseln, ein besonderes Schmankerl ausgedacht. Der letzte Kandidat soll Baby Annabell eine Geschichte vorlesen, die sich auf die Geschehnisse der vergangenen Stunden bezieht. Noch einmal bekommt man eine Auswahl der lausigsten Schockeffekte, affektiertesten Angstschreie und flauschigsten Hunde zu sehen, bevor der rhetorisch leicht eingeschränkte Herr noch einmal den aufmerksamkeitsbedürftigen Vierbeinern davonrennen muss - und scheitert. Somit sind es letztlich "nur" 35.000 Euro, mit denen die fünf tapferen Showteilnehmer entschädigt werden. Man gönnt es ihnen fast ein wenig. Und ist vor allem froh, dass diese einmalig verhunzte Fernseherfahrung doch endlich ihr Ende nimmt.• Millionärswahl • Scream! If You Can • The Voice
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